Decrepid – Mausoleum Of The Forgotten


Decrepid - Mausoleum Of The ForgottenSo recht verstehe ich das nicht mehr. Sind wir mittlerweile an dem Stadium der Retro-Welle angekommen, wo man jede Garagenaufnahme als „oldschool“ verkaufen kann? Wo man für schlicht aufgemachte Kassetten mit drei Liedern 5 Euro verlangen kann? Irgendwie driftet das alles für mich langsam aber sicher in die Absurdität. Sicher, ich mag Kassetten und gebe für gut aufgemachte Veröffentlichungen auch gerne mal einen Groschen mehr aus. Aber drei Songs mit ca. 15 Minuten Spielzeit, die Kassette mit bedruckten Aufklebern versehen und einem recht unspektakulären J-Card, wo der eine zusätzliche Flap bei Duplexdruck nicht notwendig gewesen wäre, da ernüchtert der analoge Enthusiasmus. Zumal beim Einkauf über den ebay-Shop von Rebirth The Metal noch 2 Euro für Versand anfallen. Zugegeben, da kann weder Band noch Label etwas für, aber das macht dann 7 Euro für eine simple, meiner Meinung nach recht lieblos aufgemachte Kassette. Im Gegensatz dazu verschenkt die Band die drei Songs digital gegen eine Spende ohne Untergrenze über Bandcamp. Da wirkt die Relation für mich nicht mehr ganz gewahrt.

Und traurigerweise macht „Mausoleum Of The Forgotten“ noch nicht mal sonderlich viel Spaß. Die Produktion ist inhomogen, der Bass klingt unausgewogen, das Schlagzeug irgendwie hinter den Möglichkeiten. Dazu kommt ein eher unspektakuläres Songwriting und teilweise spielerische Unzulänglichkeiten. Mehr als einmal klingen die Beats unsauber, die reitenden Gitarren holpern gelegentlich und an manchen Stellen wirkt das Zusammenspiel hektisch bis chaotisch. Vielleicht ist das als Stilmittel in „Indulgence In Self Destruction“ ja beabsichtigt? Doch irgendwie macht das keinen Sinn für mich.

Dazu kommt die Unentschlossenheit von DECREPID. Will man hektischen Thrash Metal mit Death Metal-Touch spielen, wie in benanntem Song? Oder eher rockig dahergrooven, wie es „Asylumaniac“ zum größten Teil tut? Oder soll der Fokus doch mehr auf Death Metal liegen, wie es „Fear Within“ zwar andeutet, aber doch nicht konsequent durchzieht.

Das ist alles noch ziemlich unausgegoren. Bands auf ähnlichem Niveau trifft man in jedem Pfarr- und Jugendheim auf dem Dorf. Warum so was nun über ein Label auf Kassette veröffentlicht werden muss, kann ich nicht nachvollziehen. Und erst recht nicht, wie DECREPID mit ihrer unspektakulären Musik einen Deal bei Xtreem Music holen konnten. Keine Ahnung. Wer sich selber ein Bild machen will, sollte den Bandcamp-Player der Band bemühen…

Infos:
Rebirth The Metal Productions – 2014
Demo-Tape – 3 Lieder / ~15 Min.
http://decrepid.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/pages/Decrepid/200569633300404
http://www.decrepiddeath.blogspot.co.uk/
http://rebirththemetalproductions.blogspot.de/