Vyre – The Initial Frontier Pt. I


Vyre - The Initial Frontier Pt. IStrebe nach Großem! Gebe Dich nicht mit den kleinen Dingen zufrieden! „Space – The Final Frontier“. Das war in den 60ern. Als Star Trek ihre Vision von Weltall und Science Fiction im Television lebten. Rasant hat sich seither alles Entwickelt. Gesellschaft, Technik und auch der Anspruch. „Final Frontier“? Ha! Da lachen VYRE doch glatt drüber. Für sie ist es „The Initial Frontier„. Und scheinbar ist der Auftakt der Reise damit noch nicht mal ansatzweise abgeschlossen, das Suffix „Pt. I“ suggeriert eine Fortsetzung der Geschichte.

Dabei hat dieses Debütalbum das Potential zum Epos. Nicht nur als Beginn einer mehrteiligen Geschichte, sondern bereits als atomarer Teill. In knapp 50 Minuten bei gerade mal 6 Liedern, nehmen die progressiven, vielschichten Songs bereits epische Ausmaße an, achteinhalb bis elf Minuten dauern die Reisen durch Raum und Zeit. Die ehemaligen Mitglieder aus Geist/Eïs und dem Bassisten von Unru haben avantgaristische Ziele, mischen Rock, Blues, orchestrale Elemente mit Black Metal. In der Darbietung und dem futuristischen Thema eine ungewöhnliche Kost.

Zum einen hat „The Initial Frontier“ von dieser Offenheit und Weite, wie sie späte Blut Aus Nord haben. Dazu kommen viele moderne Black Metal Elemente von Satyricon, einhergehend mit der kosmischen Ausrichtung sicher auch Parallelen zu Stellar Master Elite. In der Mischung aus hartem Metal mit Synthies, Cello oder Saxophon, viel Saxophon, zeigen sich auch deutliche Ähnlichkeiten zu Oblomov – Minus deren folkloristischen Seite – und Ihsahn. Selbst wer gewisse Vergleiche zu Dimmu Borgir anstellen will, liegt nur teilweise falsch. In der Mischung aus erhabenen Black Metal und opulenten Orchesterklängen, sind sicherlich gewisse Gemeinsamheiten vorhanden. Nur sind VYRE nicht so kitschig, pathetisch oder peinlich. Nein, selbst wenn deutschsprachige Texte im abschließenden „Miasma“ deutlich hervorkommen, sind die Bielefelder nie in der Nähe des popmusikalischen Selbstmords.

Doch gleichermaßen sind VYRE auch von der anderen Seite der Skala weit entfernt. „The Initial Frontier“ ist selten aggressiv, kaum bösartig und selten brutal. Gelegentlich scheppern schon mal ein paar Blastbeats mit kaltem Riffing daher. Oft aber unterlegt von harmonischen Klängen aus Genre-fremden Instrumenten. Das ist aber die Ausnahmen. Meist dominiert eine gewisse Verspieltheit. Besondere Momente sind da sicher der dicke Blues-Rock Part aus „Fragile Equilibrium“ oder der starke Post-Punk Schlag in „Digital Dream„. Krasse Konterpunkte zum Geballer aus „Coil Of Pipes„.

Die Ideen sind sehr gut, die Harmonien hervorragend. Gerade die Saxophon-Parts gefallen mir sehr, setzen geschickte und recht einmalige Akzente in die kalten Songs. „The Initial Frontier“ ist ein gutes Debüt, in sich stimmig, voller eigener Ideen, Experimentierfreude. Ironischerweise ist gerade das stimmige Bild der Hemmschuh des Albums. Es fehlt ein wenig an extremen Eckpunkten, an denen man sich reiben kann, an polarisierender Dynamik. Etwas mehr Mut zu ungezügelter Raserei, etwas mehr Mut zur Epik mit weiten, verträumten Teilen, etwas mehr Dissonanz und Kälte, das hätte die Reise durch den Weltall in völlig anderer Qualität dargestellt. Doch die Reise ist ja erst am Anfang. Wer weiß, was für Turbulenzen noch auf VYRE zukommen, auf ihrer Fahrt durch die weiten des Alls. Mindestens „Coil Of Pipes“ hat turbulente und spannende Zeiten angekündigt, das erste Kapitel macht Lust auf den weiteren Verlauf der Geschichte.

Infos:
Supreme Chaos Records – 2013
CD – 6 Lieder / 48:59 Min.
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