Urinal Tribunal – Schlüpfer Schnüffler


Urinal Tribunal - Schlüpfer SchnüfflerUla Ula, drei Homoerekti vom Uranus bringen uns Sex und Rock’n Roll. Die Drogen haben sie wohl selber schon weggezogen. Das macht aber nichts! Zum einen haben URINAL TRIBUNAL dadurch ordentlich kreativen Output produziert und bei „Schlüpfer Schnüffler“ braucht man keine Drogen für die dicke Party.

Das ist aber auch der einzige Einsatzort, wo dieses Debütalbum fachgerecht zum Einsatz kommt. Im Moshpit, am besten irgendwo in einem Line-Up um My Own Children’s Drink, Dissouled, Guttalax, Spasm, Paroxysm oder Birdflesh. Und natürlich würde eine große Sons Of Tarantula Reunion auch perfekt dazu passen. Denn irgendwo klingen URINAL TRIBUNAL nach all diesen Bands. Nicht konsequent und immer zu, aber über die 23 Songs von „Schlüpfer Schnüffler“ verteilt immer wieder.

Die Einflüsse ziehen sie dabei aus Crustcore und Grindcore. Natürlich nur in den Stilmitteln Blastbeats, fetzige Punk-Gitarren und perverser Gesang. An der Attitüde fehlt es deutlich. Vielleicht, wenn man das Mikro-Genre Porngrind mit ins Boot nimmt, aber so genau wollen wir es gar nicht nehmen. Denn „Schlüpfer Schnüffler“ ist kein akademisches Werk, es ist das musikalisches Fastfood. Man weiß, dass es schlecht ist, man weiß, dass es nicht nachhaltig sättigt, aber es ist dennoch ein kurzzeitiges Vergnügen.

23 Songs in 33 Minuten. Dabei immer wieder mit etwas anderer Ausrichtung. Hier gibt es mal etwas Slam, dort etwas Mosh. Dann folgt stumpfes Porngrind-Ufta-Ufta wieder auf wirklich schnelles Geballer, das wohl manche seriöse Grindband altersschwach wirken lässt. Dazu eine breite Palette an Stimmbandverwurstung. Heisere Schreie, Growls, Mindflair/Unleard-mäßige Kermit-Laute, bescheuerte Gangshouts, Pigsqueals, Inhales, Frognoises, Geräusche aus der Muppet Show. Alles dabei, selbst die Boney M. Verarsche im „Daddy Cool„-Part aus „Orgasmusspasmus„, mit Klargesang. Overkill und grob an der Grenze zur Albernheit, oder sogar darüber hinaus. Doch man muss gestehen: Diese mannigfalte Mischung macht „Schlüpfer Schnüffler“ sehr kurzweilig. Nicht nachhaltig, nicht niveauvoll, nicht mal sonderlich gut. Aber durchaus kurzfristig unterhaltsam.

Zwischen einigen stumpfen Totalausfällen wie „Penetration Sensation“ oder „Strafffreiheit Für…“ gibt es auch solides Zeug, wo besonders „Konsequent Inkontinent“ oder die Sozialkritik „Konsumsklave Zirkusaffe“ hervorzuheben wären. Unter dem Strich machen URINAL TRIBUNAL aber Musik für ein kleines Nieschenpublikum. Für Freunde von Fäkalhumor, Grind mit viel Rock-Attitüde, griffigen Melodien und Mitsing-Parts – meist aus zwei Worten, die in Kombination witzig klingen und auch noch mit 5 Promille aussprechbar sind. Oder eben nicht, sich dafür dann aber noch lustiger anhören, hihi.

Abseits der Musik, die handwerklich gut gemacht und in ein durchaus amtliches Soundkleid gepackt wurde, muss die visuelle Seite von URINAL TRIBUNAL sehr lobend hervorgehoben werden! Seit Gründung 2005 scheint die Band stringent eine eigene Ästhetik in schwarz-weiß-gelb zu verfolgen und setzt ihre schmuddelige Erotik in qualitativ sehr hochwertigen Zeichnungen um. Es ist immer noch anrüchig und mit der leichten Tendenz zur Perversion – aber immer noch tausend Mal niveauvoller als der restliche Pröll aus dem Porngrind. Irgendwie erinnert mich das Gesamtbild an die 60s/70s Schmuddelfilme. Sehr fein.

Sexy rocking crust grindcore – Ja, so oder zumindest so ähnlich passt schon. Wer das lockere Tanzbein schwingen will, darf sich „Schlüpfer Schnüffler“ für €6,66 gerne bei der Band bestellen. Wer mit Crust oder Grindcore eine seriöse Protestform verbindet, ist hier definitiv fehl am Platz. Sowohl musikalisch wie auch inhaltlich.

Infos:
666 Records – 2013
CD – 23 Lieder / 32:51 Min.
https://www.facebook.com/urinal.tribunal
https://www.facebook.com/666records