Morfin – Inoculation


Morfin - InoculationBereits das Cover schlägt mir das Grinsen ins Gesicht. Der autoanthrophage Zombie in Jeanshosen, wer denkt da bitte nicht an „Eaten Back To Life„? Eine wunderschöne Hommage, die aber lediglich im visuellen Aspekt zum Tragen kommt. Musikalisch beschreiten MORFIN ein wenig andere Wege, wenngleich sie sich im zeitlichen Kontext unweit entfernt bewegen.

Doch bevor ich „Inoculation“ in meine Anlage legen, muss ich das Artwork weiter bewundern. Es ist plumper Gore, Zombie-Apokalypse in der cryogenischen Forschungsstation. Sci-Fi, Horror, Blut. Ein klassischer Dreiklang, der irgendwie nicht alt wird und gerade in der rohen Comic-Grafik noch am besten wirkt. Scheiß auf CGI, Vincent Locke hat es vorgemacht und Dedy Badic Art sehr fein adaptiert.

MORFIN selber zitieren auch sehr viel. Ja, im Endeffekt sucht man die eigene Note vielleicht sogar vergebens. Zu 90% dient Großmeister Chuck Schuldiner mit seiner göttlichen Band Death als Pate. Dazu ein wenig van Drunen in den Vocals, ein wenig Pestilence in den Riffs. Vielleicht sogar Asphyx im Uptempo-Part von „Dark Creator„. Einhergehend muss man natürlich auch die Frühwerke von Gorguts erwähnen. Oder im heutigen Kontext sicherlich die Label-Kollegen Skeletal Remains.

Die beste Umschreibung für „Inoculation“ liefern MORFIN bereits selber mit einem Cover-Song: „Leprosy„! Das Debütalbum der kalifornischen Latinos klingt volle Suppe nach dem Death-Klassiker. Oft erinnern alleine die Gesangslinien an „Born Dead“ („Cryostasis„) oder „Pull The Plug“ („Brain Control„). Diese Nähe war sicherlich nicht beabsichtigt. MORFIN haben einfach den ursprünglichen Vibe so sehr aufgesogen, dass die Parallelen einfach natürlich entwachsen. Für mich ist es keine stumpfe Kopie, sondern gut gemachter Worship!

Ein bisschen müssen MORFIN aber noch arbeiten, bis sie in der Oberliga ankommen. Zum einen könnten die Songs deutlich gestrafft werden. Und gelegentlich sind die Soli noch was hölzern. Im Vergleich zu den treibenden Riffs und oftmals schnellen Drums, klingt so mancher Walgesang doch etwas gehemmt. Da geht wesentlich mehr Feuer! Ich mag die klassische Idee, dass sich die beiden Gitarren in den Soli duellieren, und dies auch im Booklet entsprechend vermerken. Ganz alte Schule! Und an einigen Stellen zeigen die beiden Saitenhexer auch das vorhandene Potential.

Doch soll dies eigentlich die einzige Hürde sein, die MORFIN zum großen Durchbruch noch fehlen mag. Im Songwriting orientiert man sich hervorragend an den alten Meistern. An der richtigen Stelle zieren geschickte Tempo- und Takt-Wechsel, Blastbeats und Groooves die Strukturen. Dazu ein hervorragender Bass, der gelegentlich sogar schon mal führende Position einnehmen darf und für ein perfektes Zusammenspiel der Instrumente sorgt. In „Primordial“ darf der Tieftöner sogar solieren und zollt damit ordentlich Cliff Burton Tribut! Sehr fein gemacht, wenngleich es ein ungewöhnliches Intermezzo ist.

Seien wir ehrlich, in der aktuellen Retro-Bewegung wollen wir doch eigentlich keine Entwicklung und Eigenständigkeit, oder? Wir wollen Bands, die den Spirit von Death Metal begriffen haben und ihn authentisch wiedergeben. Und vielleicht wollen wir auch mal eine Band, die eben nicht nach Entombed oder Dismember klingt. Da ist „Inoculation“ ein gefundenes Fressen! Gute Songs mit prägnanten, guten Riffs, fetzigen Beats und treibenden Grooves, alles in bester Death-Manier. Kauf die Scheibe, denn MORFIN spielen schlicht und einfach Kick-Ass Death Metal!

http://soundcloud.com/fda-rekotz/morfin-dark-creator

Infos:
FDA Rekotz – 21. Februar 2014
CD – 10 Lieder / 44:54 Min
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