Inexorable – Morte Sola


Inexorable - Morte SolaWas eine Geheimniskrämerei! INEXORABLE geizen mit Informationen. Vielleicht resultiert daraus auch die erschreckend geringe Anzahl an Facebook-Likes? Zum Zeitpunkt dieser Niederschrift waren es enttäuschende 74 Seelen, die ihren digitalen Daumen hoben. Diese virtuelle Anerkennung mag für eine Metalband zwar eher moderner Firlefanz sein, zeugt aber gleichermaßen von der Unbekanntheit der Band. Und das ist beschämend! Auch wenn INEXORABLE aus Chemnitz sicherlich nicht den gefälligsten und populärsten Sound fahren, sollten doch gerade einige Kultisten aus der abgefucktesten Black/Death Metal Ecke die Band unter Beobachtung stellen.

Aller Verschwiegenheit zum Trotz, kann man – mit ein bisschen Recherche, danke Lobi (AncientSpirit.de) – doch dezentes Namedropping um INEXORABLE betreiben. Menschen aus Charon, Fall Of Serenity, und diversen anderen Bands stehen hinter dem großen Mysterium, das bereits seit 2001 aktiv ist. Der Back-Katalog umfasst eine Demo von 2006 und eine EP von 2008. Das neuste Werk, „Morte Sola“ stammt vom letzten Jahr und sollte einige Aufmerksamkeit erregen!

Dabei sind INEXORABLE – wie gesagt – nicht besonders gefällig. Ihre Interpretation aus technischem Death Metal und albtraumhaften Black Metal sagt am ehesten Fans von Portal oder Abyssal. Doch selbst für diese ist „Morte Sola“ sicherlich keine einfache Kost. Die dissonanten und hektischen Riffs, das gehetzte Drumming, erinnern stark an Gorguts zu „Obscura“ und „From Wisdom To Hate„. Vielleicht mit einer Note Angelcorpse, etwas Immolation und einer dezenten Priese von dieser Demilich-Obskurität. Dazu kommt sehr fieser Gesang. Knarzig, krächzend, dunkle Mächte beschwörend, Mayhem nicht unähnlich. Teilweise in Spoken Words, teilweise mit klaren Beschwörungsformeln, fast klar gesungen.

Diese absurde Mischung macht „Morte Sola“ sehr absurd, sperrig und verstörend. Easy Listening ist definitiv anders. Und ein zäher, schleppender Auftakt wie „Praeludium Mortis“ macht dein Einstieg in die EP nicht sonderlich einfach. Alleine der Gesang in seinen fiesesten Lauten, wird hier den OSDM-Retrowellenreiter abschrecken, abtöten und im Wald verscharren.
Disenthrallment“ ist wohl das beste Beispiel für den Charakter der Mini-CD: Albtraumhaft, beklemmend, wie ein böser Trip auf LSD. Es ist ein collagenhaftes Bild, gestückelt, verstörend, psychopathisch. Garniert durch das Schallplattenknacksen und die Samples zum Schluss, nur noch entrückter. In diesem Grundtenor ist die komplette Reise durch „Morte Sola“ eine Achterbahnfahrt des Grauens. Mal gehetzter, wild und wirr, mal in Ambient-haften Drones, mal schleppend und tonnenschwer, dann wieder ruhig ausklingend. Da nimmt sich das abschließende „Futility“ den Luxus von fast vier Minuten Outro, das bereits durch die akustischen Gitarren im Hintergrund des Songs angedeutet wird. Eine sehr komplexe Nummer, die von krassen Kontrasten lebt.

Doch wo so viel wirrer Terror herrscht, dissonate Riffs, hektisches Geballer und aberwitzige Breaks eine Kakophonie voller verstörender Intensität zeichnen, da schwächelt „Morte Sola“ auch ein wenig im Wiedererkennungswert. Das Album überfährt den Hörer, hinterlässt bis auf eine schlaflose Nacht wohl kaum tiefgehende Eindrücke. In seiner kompakten Furiosität sticht vielleicht „Pantheon’s Demise“ noch besonders heraus. Beim Rest ist das Potential aber immer noch deutlich erkennbar! Vielleicht würde ein bisschen mehr Straffung und ein paar prägnantere Riffs dem Material gut tun, es etwas zugänglicher machen. Doch dann bleibt wieder die Frage: Will INEXORABLE das überhaupt? Soll „Morte Sola“ nicht ein Album sein, das sperrig ist, scharfe Kanten hat, ein unzugängliches Bild hinterlässt? Fans von obskurem und unkonventionellem Extrem-Metal sollten diese Frage am besten selber beantworten. Choose your destiny!

Komplett in Eigenproduktion erschienen, ist die EP auf 300 Einheiten limitiert. Verpackt in ein handnummeriertes Digipak mit schickem Booklet auf mattem Papier. Das Gesamtbild erinnert ein wenig an Venenum. Sehr stimmig und mit knapp 27 Minuten mehr als fairer Gegenwert für die 8 Euro, die die Band für die CD haben willl.

Mich wundert nur, dass INEXORABLE noch nicht von Iron Bonehead entdeckt worden sind. Stilistisch würden die beiden gut zueinander passen…

Infos:
Eigenproduktion – 2013
Digi-MCD – 6 Lieder / 27:02 Min.
http://in-morte-sumus.de/
http://www.reverbnation.com/inexorable
https://www.facebook.com/pages/Inexorable/513581785340017