Dubiosis – Seinsvergessenheit


Dubiosis - SeinsvergessenheitEs ist schon ziemlich überwältigend, was eine Band heute im Alleingang alles auf die Beine stellen kann. Dabei lässt so manche Eigenproduktion in Aufmachung und Qualität locker manchen Labelrelease alt aussehen. Ein schönes Beispiel für hervorragende Qualität, stellt „Seinsvergessenheit“ von DUBIOSIS dar. Die Band nutzt dabei die Erfahrungen aus fast 15 Jahre Bandgeschichte um ihr viertes Album in allen Aspekten sehr professionell zu präsentieren.

Es beginnt bei der Promotion durch den Clip für „Phobia„. Umgesetzt von Cedric DeVoh/Pakkamocho Productions, zeigt das Video nicht einfach nur die Musiker beim spielen, sondern vermittelt auch noch eine Story. Das machen heute nicht mehr viele Bands. Und im ersten Eindruck von „Seinsvergessenheit“ überzeugt die Aufmachung der CD. Im stimmigen Digipak liegt ein sehr opulenten Booklet. Ausgefaltet ist es ein ca. 48×36 cm großes Poster. Auf der einen Seite mit künstlerischen Portraits der Musiker, auf der anderen Seite mit typografisch aufgearbeiteten Lyrics und Meta-Infos. Hier haben Fotografin Lady Bathory und Azrael Design für ein schönes optisches Erlebnis gesorgt.

Musikalisch positionieren sich DUBIOSIS mit melancholischen Klangkulissen von Insomnium, schwedischem Melodieverständnis von Dark Tranquillity und deutschen Texten ein wenig abseits vom typischen Melodic Death Metal. Die Wurzeln und Bezüge sind sicherlich noch deutlich zu erkennen. Doch gerade der phonetische Eindruck der deutschen Sprache gibt dem Konstrukt einen sehr individuellen Vibe. Teilweise erinnern die Gesangspassagen an „Amnestia“ von Jack Slater oder Abrogation.
Deutschsprachige Texte laufen immer sehr nahe an der Grenze zur Kitschigkeit. DUBIOSIS umschiffen die gefährlichsten lyrischen Klippen immer wieder. Doch an anderen Stellen laufen sie jedoch ins offene Messer. Die Streicher und orchestralen Ideen mögen noch so gut gemeint sein, sie klingen einfach nur cheesy. Und auch ohne synthetischen Klangelemente, erreicht der Anfang von „Im Wahnsinn der Rache“ diese unangenehme Lieblichkeit.

Seinsvergessenheit“ ist aber nicht immer nur süßer Zuckerguss. Gelegentlich erinnern die atmosphärischen Wände ein wenig an Disbelief, manch donnernde Doublebass und das passende Riffing auch etwas an Amon Amarth. Dazu würzen kleinere Elemten: Die leichte Djent-Gitarren und Rhythmus-orientierung in „Vergiftet„. Rock’n Roll trifft auf Blastbeats in „Deine Maske“ – ich kann die Cowbell förmlich hören! Und auch wenn das Album sonst keine Bezüge zum Metalcore zeigt, finden sich gelegentlich die typischen Stakkati des Genres auf „Seinsvergessenheit“ – homogen und passend in den Songverlauf integriert.

Knapp eine Stunde dauert „Seinsvergessenheit„. Abwechslungsreich, immer melodisch, melancholisch, atmosphärisch. Dadurch passt die Spieldauer gut zum Gesamtbild, wirkt an keiner Stelle zu lang, auch wenn die Songs zwischen fünf und siebeneinhalb Minuten dauern. Vielleicht hätte etwas Straffung Album wie Songs gut getan. Aber das ist eine rein theoretische Frage, in der Praxis funktioniert diese Einheit ohne Zweifel.

Wo bereits Promo-Clip und Aufmachung der CD auf Qualität setzen, wurde natürlich auch der Sound ordentlich in Szene gesetzt. Aufgenommen im „Nautilus Studio“ von Bassist Florian Rahm und gemischt und gemastert von Michael Wicher (Fjoergyn) im „All Orange Music“, hat das Album einen transparenten und dennoch kraftvollen Sound. Die Drums klingen nicht künstlich, Gitarren und Bass bilden eine homogenes Bild.

Infos:
Eigenproduktion – 2013
Digipack CD – 11 Lieder / 59:14 Min.
https://www.facebook.com/pages/DUBIOSIS