Gulguta – Gultuga


Gulguta - GultugaIm ersten Moment war ich ja positiv angetan. Das Artwork ist sehr stimmig. Hauptsächlich in Blautönen und Schwarz, mit dezenten roten Akzenten, ist das Motiv eine absurde Collage aus sakralen Rosetten, tentakel-Aliens, religiösen und konspirativen Symbolen. Dazu bioorganische Verwachsungen, Strukturen und auf der Rückseite den Sündenfall Adam und Evas in einer sehr interessanten Interpretation. Optisch haben GULGUTA wirklich alles richtig gemacht und liefern ein angenehm eigenständiges, wie auch ansprechendes Bild ab. Doch dann versagt die Band bereits in der B-Note: Die Seiten des Inlays sind schlicht schwarz, den kleinen Vogelschiss auf dem Cover selber kann man nur schwer als Bandnamen entziffern. Im lieblosen und pixeligen Booklet steht der Name zwar schon größer, ist dennoch erst fehlerfrei der Kontakt-Emailadresse zu entnehmen. Schade! Einen Albumtitel oder eine Tracklist sucht man vergebens. Selbst dem beigelegten Anschreiben mit der Bitte um Review sind diese Informationen nicht zu entnehmen. Auf der Facebook-Seite schweigt man sich mit Informationen auch weitestgehend aus. Selbst das Cover findet man nicht als solches abgebildet, sondern lediglich ein paar Fotos von den fertigen CDs im Karton. Erst ein Youtube-Clip bringt mich auf die Idee, dass die einzelnen Lieder wirklich keinen Namen tragen, sondern lediglich durchnummeriert sind.

„Grindcore/Goregrind/Whatever“ – so umreißt sich sich das schweizer Duo selber. In Verbindung mit den nummerierten Songtiteln kommen direkt Erinnerungen an Sublime Cadaveric Decomposition hoch. Nicht zu unrecht, denn tendenziell schlagen GULGUTA in ähnliche Goregrind/Death-Grind-Schiene. Leider nicht mit dem Groove und der Brachialität der Franzosen. GULGUTA sind wesentlich stumpfer, plumper und eindimensionaler (!).

In erster Linie zeichnet sich das in den recht flachen Riffs ab. Oft sind es maximal vier Akkorde, mehr oder weniger hektisch zusammengezimmert. Mal mit etwas Black Metal-Kälte, mal mit dickem Slam-Geschrammel. In „XIII“ gibt es zur Abwechslung mal etwas wildes Tapping, was wohl der Versuch eines „technischen Songs“ sein soll. Mit seinem dissonanten Auftakt und dem schweren Stop’n Go klingt „X“ ein bisschen nach Korn. Der wohl klassischste Grind kommt lediglich in „XVII“ durch. Den Napalm Death Vibe aus „VII“ oder die frühen Cryptopsy-Parallelen in „VI“ sehe ich einfach mal als Versehen an.
Dazu kommt recht stupides Gekloppe mit Stöcken, zwischen übertrieben schneller Doublebass und Gravityblasts, häufig mit wirren und chaotischen Wechseln, die eher gestückelt wirken, alsdass es wirklich eine Song“struktur“ wäre.
Den Vogel schießt aber der „Gesang“ ab. Hauptsächlich gibt es ein absolut sinnfreies Gerülpse, dass irgendwo zwischen Brodequin, Devourment und Verstopfung hängt und null Eier hat. Gelegentlich gibt es dann ein paar unglaublich schlechte Schreie, die ich gar nicht näher erläutern kann oder gar will.

Vielleicht wäre ich GULGUTA etwas gnädiger gestimmt, wenn das Album nicht so unglaublich mies produziert wäre. Ja, vielleicht würde es dann sogar zur Mittelmäßigkeit reichen. Aber so klingt alles einfach nur nach Rotz. Die Gitarren haben absolut keinen Bauch oder Wumms, die Drums klingen flach und gefühllos. Wurde das alles daheim am PC aufgenommen? Das würde einiges erklären…

Irgendwo tut es mir ja leid, eine junge Band mit so einem harten Urteil abzustrafen, aber hier ist – bis auf das super Artwork – alles Mumpitz! Grindcore ist nicht einfach nur Geballer, Geblubber und lärmende Gitarre. Dahinter steht Attitüde und Seele. Zwei Dinge, die „Gulguta“ mindestens so sehr fehlen, wie gutes und stimmiges Songwriting.

Meine Bitte an Stéphane und Raul, nehmt noch mal etwas Nachhilfe, hört euch Sublime Cadaveric Decomposition, Destructive Explosion Of Anal Garland, Last Days Of Humanity, ja sogar Gronibard an. Und dann vergleicht mal mit eurem Sound und euren Songs. Dass dazwischen Carcass, Haemorrhage, Impaled, Exhumed, Impetigo und Repulsion immer und immer wieder in eurer Anlage landen sollten, muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden….

Infos:
Eigenproduktion – 2014
CD – 21 Lieder / 29:52 Min.
https://www.facebook.com/gulgutagrindcore