Vastum – Patricidal Lust


Vastum - Patricidal LustEs ist kein schönes Umfeld. Es ist eine schmierige Spielunke. Zeitlos. Egal ob wir uns gerade im Cyberpunk 2020, dem dreckigen Film Noir der Roaring 1920s, dem One-Eyed Jack im dubiosen Örtchen Twin Peaks oder einem Rotterdammer Hafenviertel irgendwo dazwischen befinden. Es ist räudig, dreckig, verrucht. Erotik knistert in der Luft, schwitzig, vulgär. Leichte Mädchen, schwere Jungs. Dazu billiger Fusel. Und das alles ist so dermaßen abgefuckt, dass die düstere Jazz-Band längst verrottend im Hinterzimmer liegt. VASTUM liefern den Soundtrack für das zwielichtige Ambiente, die primitivsten sexuellen Gelüste – und irgendwo einhergehend auch die unbeschreiblichen Abgründe der Menschheit.

„Abjection, Eroticism, Death“, Death Metal zu dem man ficken kann. So umschrieben sich VASTUM noch zu Demozeiten, als Carnal Law auch über sein Re-Release auf CD und LP über 20 Bucks Spin diverse Leute auf sich aufmerksam machte; teilweise auch durch die Nähe und den Hype um Acephalix. Doch davon sollte sich die Bay Area Band mittlerweile meilenweit emanzipiert haben. Crust ist auf „Patricidal Lust“ kaum mehr vorhanden. Mittlerweile ist alles viel dreckiger, obzöner. Vielleicht im ersten Moment gar vulgär, aber im Detail so bildlich treffend, es ist perfide.

So offenbaren sich wirkliche Untiefen. Pitchfork hat sich die Texte von dieses Debütalbums genauer angesehen – und wurde von den Erzählungen zurecht verstört. Beispielsweise erzählt das vergewaltigte Lyrische-Ich in „3AM In Agony„:

„The perpetrator is “unaware that his friction creates the sensation of a thousand interstitial blades down my center.”“

Das ist harter Tobak, gänzlich anders aufgearbeitet als die gängige, plumpe Behandlung von Sexualität und Missbrauch im Death Metal oder dem entgleisten Genre Porngrind. So blumig und doch so grausam. Ich würde mich gerne weiter in die Details verlieren, aber mir selber fehlen leider die Texte in der digitalen Promo-Version. Außerdem haben sich die Kollegen beim Pitchfork bereits viel Mühe gegeben, warum soll ich das Rad zum zweiten Mal erfinden?

Viel mehr will ich über die Vertonung des ambivalenten Themas sagen. Da sind VASTUM wirklich superb. Der erste Eindruck ist schlicht. „Patricidal Lust“ ist doomiger als „Carnal Law„. An manchen Stellen erscheint die Herangehensweise zwar sehr plump und stumpf. Aber das täuscht! Gerade der einfache Punk-Beat und das stumpfe Riff in „Enigma Of Disgust“ unterstreichen den obszönen Aspekt hinter dem Konzept. Es ist wie eine entblößte Vagina, einfach, direkt, vielleicht sogar ein wenig stinkend. Aber der Kontext verwandelt schnell den Eindruck simpler Pornografie in ein vielschichtiges, albtraumhaftes Bild. Schnell wechselt das Tempo in zähes Downtempo, die Gitarren spielen düstere und abgrundtief böse Melodien. Der Wechsel vom frivolen Tanzpart zu beklemmender Atmosphäre, zu Encoffination, Decrepitaph, Father Befouled hinterlässt einen spröden Beigeschmack, lässt das erregte Kichern trocken im Hals verstummen.

In dieser Spannung zwischen perversem Abgrund, leichter Lust, unheilvollen Verlangen und neckischer Betrachtung, finden sich entsprechend viele Fassetten auf diesem ungezogenen Debütalbum. Ja, im ersten Moment ist „Patricidal Lust“ einfach ein sehr dreckiges Doom-Death Metal Album. Aber es sind die Details, die dem Schnauzbart-tragendem Experten für pornografisches Bildmaterial auffallen. Irgendwo schimmert dieser offenherzige Charme des Schmuddelkinos aus den 60er und 70er Jahren in „Libidinal Spring“ mit. An einigen anderen Stellen klingt das Zeug hingegen so unheilvoll nach Necros Christos. Besonders in „3AM In Agony“ oder „Repulsive Arousal„. Und urplötzlich ergießen sich VASTUM in einen psychedelischen Orgasmus, repräsentiert vom Whawha-Solo in „Enigma Of Disgust„. So viele (Schatten-)Seiten der Lust. Und immer klingt „Patricidal Lust“ schmutzig, pervers und verspielt.

Durch diesen ziemlich ungeschönten Umgang mit der dunklen Seite der Sexualität, sind VASTUM heuer nicht massenverträglich. Selbst Fans von Autopsy und Coffins werden „Patricidal Lust“ zuweilen zu dreckig und abgefuckt finden. Doch das ist okay. VASTUM wollen auch nicht auf den aktuellen Trendwellen mitschwimmen. Die kleinen Details erkennen eh vornehmlich Fans von genannter Inzestsuppe Father Befouled, Decrepitaph, Encoffination, von Grave Ritual und vielleicht ein wenig auch die Anhänger von Incantation, Dead Congretation und Konsorten. Wer denkt, er will sein Bier im verruchten und scheidenpilzschleimigen Ambiente probieren, kann auf der Bandcamp-Seite von 20 Bucks Spin ein Ohr an das komplette Meisterwerk „Patricidal Lust“ halten.Aber am Ende wird nicht gejammert, dass man von der dreckigen Musik Schmutz am Löres hat!

Infos:
20 Bucks Spin – 2013
CD – 6 Lieder / 37:13 Min.
https://www.facebook.com/pages/Vastum/440192535391
http://www.20buckspinshop.com