Perversity – Infamy Divine


Perversity - Infamy Divine

Das Jahr 2014 ist noch recht jung, und dennoch beglückt uns Lavadome Productions direkt zur Begrüßung mit einem echten kleinen Sahneschnittchen! „Infamy Divine“ ist die neu EP der Slowaken PERVERSITY. Das erste Lebenszeichen seit dem 2011er Album „Ablaze“ und gleichzeitig auch das Debüt des neuen Drummers Peter Jakubik. Seit dem letzten Full-Length scheint sich einiges getan zu haben und PERVERSITY präsentiert mit der MCD einen richtig großen Schritt nach vorne!

Wer nicht auf die digitale Variante zurückgreifen mag, die über Bandcamp offiziell verbreitet wird, bekommt ein sehr schickes Digipak. Limitiert auf 500 Einheiten, wird das gängige CD-Format nicht quer, sondern hochkant genutzt. Das bietet dem grandiosen Artwork von Jon Zig einen etwas mehr Spielraum, zeigt ungewöhnliche Dimensionen. Zwischen Beksinski, Biomech und Seagrave, hat „Infamy Divine“ wohl das klassischste Cover seit langem. Ein schön obskures Teil, das definitiv jetzt schon zu den gefälligsten Artworks des Jahres notiert wird.
Das restliche Layout adaptiert das Motiv, erweitert auf der Rückseite die Biomech-Idee. Innen eingefasst sind Credits, Meta-Infos und Lyrics. Eigentlich das erwartete Standard-Program, aber auch schön verpackt.

Auf dem Tonträger selber erwarten den Hörer fünf neue Songs, zuzüglich dem Synthie-Orchestralen Outro „Infamous„. Die Idee ist nett, aber die Umsetzung dieses Rausschmeißers ist genau so künstlich, wie bei vielen frühen Death Metal Bands. Auch wenn wir in modernen Zeiten leben, scheinen sich manche Midi-Soundbänke hartnäckig zu halten. Das ist aber auch schon der größte Kritikpunkt, den ich an „Infamy Divine“ lassen will! Denn metallisch sind PERVERSITY gewachsen. Und zwar ordentlich!

Empfand ich persönlich auf „Ablaze“ noch den Suffocation-Anteil dominant und die Einflüsse von Immolation rezessiv, invertiert die aktuelle EP dieses Mischverhältnis deutlich. An einigen Stellen klingen die brutalen Wurzeln aus New York noch deutlich durch, besonders „Angel Of Prostitution“ hat dieses dicke Riff. Aber prinzipiell sind die Ideen abstrakter, deutlicher in Balance zwischen Brutalität und düsterer Atmosphäre.

An dieser Stelle treten die Adaptionen von frühen Immolation deutlicher hervor. Alleine, wie sich die Lead-Gitarren über die treibenden Riffs legen, wie Harmonien in „Vermin“ oder „Angel Of Prostitution“ entwachsen, macht PERSVERSITY erhaben. Auch der souveräne Umgang mit eigentlich gänzlich überladenen Songstrukturen, die immer noch auf den Punkt genau knallen, zeigt die Fähigkeiten der Band. „Incest Of Flesh“ ist ein mächtiges, tonnenschweres Brett. Brutal ohne Slam oder Prolligkeit, sondern einfach heavy und unglaublich böse.
In „Supreme Accusation“ wird dieser Dampfhammer noch mit vergleichsweise rockigen Harmonien verheiratet, schwebt in sehr krassen Kontrasten und erinnert in seiner kompromisslosen Dissonanz gelegentlich an Hate Eternal oder südamerikanische Bands.

In der kompromisslosen Mischung aus Brutalität und bedrohlicher Atmosphäre, ist „Infamy Divine“ kein einfaches Album. Es fehlt an einfachen, geradlinigen Hits, die direkt im Ohr bleiben. Auch, wenn PERVERSITY mit „Goddes Of Maggots“ eine perfide Punktlandung hingelegt haben, wie sie im brutalen Death Metal kaum eine andere Band schafft. Keine Sekunde zu kurz oder zu lang dieser Song! Doch alleine durch das dissoante Harmonieverständnis werden wohl viele Hörer abgeschreckt.
Wer hingegen sich der unheilvollen Finsternis stellt, wird viele leckere Details auf der EP finden. Alleine der Bass, der eine wichtige Rolle spielt, aber nur an wichtigen Punkten eine prominente Position einnimmt. Dazu dann die Mischung aus Rhythmus- und Lead-Gitarre, die oft konträr wirkt, aber häufig eine mehr als logische Ergänzung liefert. Jakubiks Einstand komplettiert das Bild mit sehr organischen Drumming, das scheinbar ohne Triggering und definitiv ohne modernen Firlefanz wie Gravities sehr authentisch und brutal aus den Boxen brettert. PERVERSITY sind integer, kraftvoll, böse.

Dank Bandcamp kann man zumindest in zwei Songs reinhören. Und die sechs Euro, die Lavadome für die CD haben will, sind durchaus fair. Support the Underground, support Death Metal Darkness!

Infos:
Digi-MCD – 6 Lieder / 17:14 Min.
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