Five Dollar Crackbitch – Dehumanization


Five-Dollar-Crackbitch-Dehumanization.jpgAufgepasst! Zu häufig beurteilen wir ein Buch nach dem Einband und eine Band nach Namen und Logo. Im ersten Moment klingt FIVE DOLLAR CRACKBITCH schon sehr nach Deathcore. Das Logo erlaubt ähnliche Schnellschlüsse – und erinnert vielleicht ein wenig an JOB FOR A COWBOY. Vielleicht mag in deren aktuelleren Phase auch ein wenig Parallele zu „Dehumanization“ liegen. Denn das junge Quintett aus Andernach schielt weniger auf irgendwelche Core-Ausflüge, sondern bewegt sich deutlich im (wenngleich ein wenig modernen) technischen Death Metal.

Sofern man namentliche Vergleiche benötigt, ist sicherlich der letzte Output von SPAWN OF POSSESSION in etwas reduzierterer Form ein möglicher Ankerpunkt. FIVE DOLLAR CRACKBITCH sind aber ein deutlich geradliniger und nicht ganz so schnell unterwegs. Das heißt aber nicht, dass „Dehumanization“ ein langsames Album ist! Das Gaspedal wird häufig ordentlich durchgetreten. Mal im schnellen Doublebass-Teppich, mal in den Blastbeats. Doch eben immer sehr moderat und nicht mit der Technik als Selbstzweck. Hier stehen die Songs deutlich im Vordergrund. Zwar ist das Endergebnis noch nicht in der Oberklasse des Genres angekommen, aber die Tendenz durchaus positiv. Bis man aber mit Necrophagist (ich sage einfach mal RIP, denn ein neues Album ist so nahe wie der Messiahs oder Duke Nukem Forever – im historischen Kontext gesehen), Obscura oder Deadborn in einer Liga spielt, vergeht wohl noch die ein oder andere Veröffentlichung. Dennoch ist „Dehumanization“ ein sehr solides Debüt.

Vielleicht liegt es an der allgemein modernen Ausrichtung, die FIVE DOLLAR CRACKBITCH etwas Luft gibt. Man Ballert nicht einfach nur ein Appregio nach dem anderen herunter, sondern kann auch schon mal Groove und Stakkato-Rhythmus raushängen lassen. Dazu beinahe rockige Soli und einige – für das Genre – ungewöhnliche Elemente und schon klingt „Dehumanization“ nicht mehr so gesichtslos, wie es bei anderen Technik-verliebten Bands der Fall ist. Mir persönlich gefallen die leichten Einflüsse aus dem Black Metal. Wenn auch nur latent, gibt es in „Deathbeat At Dawn“ diesen Dark Funeral-Charme. Oder der Titeltrack zeigt sehr viel Behemoth-Schlag.
Remains Of Life“ bedient sich gleichermaßen einiger angeschwärzter Momente, klingt aber an anderer Stelle häufig nach Jack Slater (RIP). Im Wechselspiel zwischen Technik und dem Midtempo-Breakdown erinnert „Piece Of Flesh“ ein wenig an Benighted. Dazu Vader-mäßige Gesangslinien und etwas Slam in „Deathbeat At Dawn“ und schon wird die kompositorische Mischung von „Dehumanization“ recht abwechslungsreich. Da verwundert das leicht grindige „Eradication“ in seinem straighten Gekloppe gar nicht, obwohl es eigentlich stark aus dem Rahmen fällt.

In dieser Konstellation liefern FIVE DOLLAR CRACKBITCH einen guten Einstand ab. Man darf sich zwar vom recht prolligen Bandnamen und Logo genau so wenig abschrecken lassen, wie von der Innovationslosigkeit der Scheibe. Doch wenn man die beiden Umstände nicht so eng sieht, bekommt man gut gemachten, modernen Tech-Death Metal, der sich in keine der beiden Extrema Deathcore oder Skalengewichse à la Braindrill, Anata oder Origin verliert. Ein solides Teil, dass durchaus auch live Spaß machen sollte.

Infos:
Bret Hard Records / SAOL – 07.02.2014
CD – 7 Lieder / 29:47 Min.
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