Blank – Suspiria


Blank - SuspiriaBLANK aus Köln/Solingen melden sich zurück. Es sind zwar nur vier neue Songs, aber „Suspiria“ lohnt sich! Zum einen ist die 12″-EP ein dicker Fortschritt zum grandiosen Debüt „Calix und für den Plattensammler ist die Aufmachung einfach atemberaubend! Die auf 100 Einheiten limitierte Version kommt auf weißem Vinyl, die „reguläre“ Fassung von 400 Platten ist durchsichtig. Verpackt in ein wunderschön altweißes Cover mit runder Aussparung für das Motiv-Detail des doppelseitig bedruckten Lyric-Sheets. Alternativ kann man durch die Öffnung auch die Vinyl-Label präsentieren. Ein wunderschönes Package, das den Preis von 11,90(weiß)/10,90(klar)(via This Charming Man) oder 10 Euro direkt über die Band durchaus rechtfertigt. „Suspiria“ liefert einfach ein wunderschönes haptisches Erlebnis. Dazu kommen vier neue Songs, die über die Spieldauer von knapp 18 Minuten fesseln, verzweifeln und in Katharsis Erlösung finden lassen. Es ist düsterer Hardcore verpackt in hoffnungsvollem, far unschuldigen Weiß. Ein schöner, symbolischer Kontrast, der krasser nicht sein könnte.

Für „Unholy Days“ spielen BLANK wieder mit Samples. Aber nur kurz, denn schnell geht der Track in wildes Geballer, macht vor Blastbeats nicht halt und lebt im nihilistischen Uptempo. D-Beat Hardcore mit viel Metal trifft auf düstere Harmonien. His Hero Is Gone oder Tragedy wären Stolz.

Licht Und Eisen“ nimmt hingegen das Tempo raus. Im Vergleich eher bei Jungbluth anzusiedeln, ist die Grundstimmung durch die mürbende Geschwindigkeit noch fieser. Es ist eine kraftvolle Nummer, voller Verzweiflung und Hass. Die kalten Riffs unterstreichen den Pessimismus genau so sehr, wie die frostigen Harmonien oder die fiesen Gangshouts zum Ende des Liedes.
Shield“ greift die Attitüde des Vorgängers direkt auf. Ein schleppender, düsterer Song, der sich aber schnell weiter entwickelt und weitere Fassetten zeigt. Ja, fast wirken die Shoegaze-Melodien schon hoffnungsvoll. Aber nur fast! Denn selbst die kurzen Lichtblicke, die BLANK hier offerieren, sind für den Hörer meilenweit entfernt.

Das macht „Society Of Glass“ abermals klar! Der nahtlose Übergang aus „Shield“ mündet in sehr unheilvollen Gitarren und Samples, bevor der düstere Hardcore wieder schroff nach vorne brischt. Hier schließen BLANK den Kreis zu „Unholy Days„, servieren düstere Harmonien, zügellose Wut, hoffnungslose Aggression. Ob die fragile Gesellschaft nach dem einminütigen Outro noch steht, das ist zu bezweifeln.

Perth Express, Throwers, Jungbluth, His Hero Is Gone, wer diese Bands mag, sollte definitiv „Suspiria“ anhören. BLANK standen mit „Calix“ am Abgrund, bereit zum Fallen. Mit ihrer neuen EP haben sie die Transzendenz vollzogen und sind nun im düsteren Schlund, der sich in einer Spirale immer weiter in die Finsternis bewegt. Mal mürbender, langsamer, mal mit hoffnungsloser Geschwindigkeit fortschreitend. Aber unstoppbar. Bandcamp mag dem geneigten Hörer einen Eindruck geben, denn dort finden sich die vier neuen Songs zum Anhören – und bei bedarf auch kostengünstigen Download unter vier Euro. Doch in der wunderschönen Schallplatte wirkt der gesamte Nihilismus noch fataler, sinnloser, unbeschreiblich schön. Danke Martin, dass ich an diesem physischen Erlebnis teilhaben durfte! Du, lieber Leser, bist Du bereit zu fallen?

Infos:
This Charming Man – 2013
12″-EP – 4 Lieder / 17:53 Min.
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