Who’s My Saviour – Wall Of Sickness


Who's My Saviour - Wall Of SicknessOh, ich war überrascht, voller Spannung, Erwartung, Vorfreude. WHO’S MY SAVIOUR! Die gibt es ja noch! Deren letztes Album „Glasgow Smile“ hat mich ziemlich umgehauen. Doch seither wurde es recht ruhig. Sechs Jahre seit dem letzten Release (2007) habe ich quasi nichts mehr von der Rostocker/Berliner Band gehört. Und auf einmal kommt die neue 12″ EP aus dem Hause 7Degrees Records in meinen digitalen Briefkasten geflatter. Wie wohl die physische Version aussieht? Ich muss ja gestehen, dass ich noch nicht zum Erwerb der Schallplatte kam. Doch ich kann mir vorstellen, dass es wieder ein ganz besonderes Schätzchen ist. Da vertraue ich auf Simon, der über sein Label immer wunderschöne haptische Erlebnisse rausgehauen hat…

Derweil muss(te) der Download genügen. Sind WHO’S MY SAVIOUR immer noch so abgedreht und fassettenreich? Besteht das furiose Feuer noch nach sechs Jahren Ruhe? Anfangs wollte der Funke zumindest bei mir nicht zünden. Das liegt aber nicht daran, dass das Power-Trio etwa harmlos oder langweilig geworden ist. Im Gegenteil, nach einigen Durchläufen, etwas Abstand und Vergleichen zu „Glasgow Smile„, ist „Wall Of Sickness“ sowohl stilistischer Anschluss wie auch konsequente und logische Fortführung des eingeschlagenen Weges. Das mach die knapp 19 Minuten der EP aber auch ein wenig anstrengend und im ersten Moment konfus…

Metal, Hardcore, Post-Hardcore, 90er Jahre Metalcore, Drones, Grindcore. Wilde Blastbeats, Gangshouts, etwas Groove, dicke Klangteppiche und überraschend packende Melodien. Alles auf einmal, alles vermeintlich ungefiltert. Doch ist das lediglich der oberflächliche Eindruck. WHO’S MY SAVIOUR liefern hier das wohl intelligenteste und vielschichtigste Stückchen Krach ab, was ich dieses Jahr gehört habe!

Die komprimierte Spieldauer ist für dies bunte Feuerwerk perfekt. Keine 20 Minuten inklusive Intro und ein paar Sekunden Sample zum Ausklang. Da reicht die Aufmerksamkeitsspanne selbst in den schnellen Zeiten des Internets. Man kann sich intensiv mit den Liedern auseinandersetzen – und fängt schnell noch mal von Vorne an, hört die EP auf Repeat.

Bereits „Hemingway“ startet mit einem verstörenden Klangteppich, bevor wenigstens stellenweise etwas geradliniger Grindcore einfließt. Gangshouts und coole Gesangsführungen machen den Song weiterhin ungewöhnlich. Mit vielen Dissonanzen und deutlichen Einschlägen aus modernem Grind, erinnert der Titeltrack der Scheibe ein wenig an Noisear oder Maruta. Doch gehen immer wieder verspielte Post-HxC-Elemente dem Song eine eigene Note. „Pillbox“ hat einen gewissen Metalcore-Touch, aber vom guten aus den frühen Neunzigern. In „Morning Prayer“ kommt durch diesen Aspekt zwar auch ein langweiliger Stakkato-Part mit nur einem Akkord zum Ende des Songs ins Spiel, doch würzen WHO’S MY SAVIOUR mit vielen Soundwänden aus der Post-Gitarre.

Gegen Ende von „Wall Of Sickness“ ziehen die Songs noch mal deutlich an. „Kopf Niere“ ist ein dicker Hit, besonders mit den mehrstimmigen Gitarrenmelodien. „This World Belongs To Us“ ist verdammt brutal und ein wenig verschroben. Und „Weedeater“ ist einfach nur der beste Song der Scheibe. Finstere Atmosphäre, leichte Lichtblicke in der Harmonieführung, triste Riffs, epische Klangwände. Besonders der Refrain – oder was immer das auch für ein Teil sein soll – ist der Hammer!

Nach einigen Durchläufen ist die Entwicklung von WHO’S MY SAVIOUR merklich. „Wall Of Sickness“ ist eine deutliche Steigerung gegenüber „Glasgow Smile“ und sollte definitiv von Grindern angetestet werden. Besonders, wenn man auf Blended Style steht. So wie ihn Suffer, Occultist oder Zodiac spielen – also die Bremener und nicht die Retro-Rock-Band. Ob die Platte in meine Bestenliste für 2013 kommt, weiß ich noch nicht. Dafür fehlt es noch etwas an Langzeittest. Aber sie ist auf jeden Fall ein heißer Kandidat. Und Du solltest die Möglichkeit nutzen, und in den Stream auf Bandcamp reinhören, den sowohl die Band als auch 7 Degrees zur Verfügung stellen. Am besten mehrfach. Denn „Wall Of Sickness“ wächst! Und bei Gefallen ist ein 10er für die Scheibe echt ein fairer Preis!

Infos:
7Degrees Records – 2013
12″ EP – 8 Lieder / 18:43 Min.

http://whosmysaviour.blogspot.de/
http://whosmysaviour.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/pages/Whos-My-Saviour/571979736169151

http://7degreesrecords.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/pages/7DegreesRecords/443059589044797