Serpent Eater – Hyena


Serpent Eater - HyenaOh, SERPENT EATER stecken voller Ideen und voller Feuer! Gerade mal 2011 gegründet, unter anderem aus Mitgliedern der Hardcore-Punkband Hammerhead und den kaputten Das Krill, haute die Köln/Bonner Trupppe dieses Jahr bereits zwei „Alben“ heraus. Einmal das selbstbetitelte Debüt im September auf CD und nun „Hyena“ als LP via Alerta Antifascista Records. Dessen CD Version folgt später über Ecocentric Records, wo bereits der erste Output erschien. Dazu kamen diverse Auftritte mit großen Namen und aufstrebenden Newcomern. SERPENT EATER juckt es in den Fingern!

Und dazu haben sie auch noch wirklich was zu sagen. Das passiert heuer eigentlich selten, viele Bands kopieren (oft dreist) ihre Idole, andere reiten auf Trendwellen durch Neo-Crust, dann Black Metal, durch Brutal Death Metal zur OSDM. Das haben SERPENT EATER nicht notwendig, sie bedienen sich wie Doktor Viktor Frankenstein an diversen Bausteinen und Elementen und nähen sich daraus ihr eigenes Monster, ihre eigene Hyäne.

Sei es die Heavyness des Sludges, die Garstigkeit aus dem Black Metal, furiose Blastbeats vom Grindcore, fettes Tremmolo-Picking aus dem Death Metal, Melodieverständnis und Harmonieführung aus Thrash Metal oder Metalcore, gelegentliche Momente aus Doom, Stoner und Psychedelic Rock und im Hintergrund immer die dicke Hardcore Attitüde. Eine wüste Mischung, die „Hyena“ auf den ersten Eindruck schwer verdaulich macht. Aber wenn man das Album wirken lässt, wirkt der Fluss sehr homogen, stimmig und irgendwie logisch.

In kleinen Einheiten gewichten SERPENT EATER ihre Farbpalette und all ihre Fassetten unterschiedlich. Derweil „Ebola“ mit 70th Vibe und Doom-Appeal beginnt und später recht stark den Death Metal raushängen lässt, ist „Last Cold Word“ beispielsweise die frostigste Black Metal Hölle. Der Grindteufel wird im Titeltrack aus der Kiste gelassen und „Trepanation Nation“ spielt mit thrashy Riffs. „Hyena“ ist eine knapp 29 minütige Achterbahnfahrt voller überraschender Wendungen und Ideen.

Zu diesen interessanten und vielschichtigen Bausteinen kommt verdammt gute Handwerkskunst. Seien es die unglaublich fiesen Schreie die auf kraftvolle Growls treffen und in dieser Konstellation immer die richtige Gesangsfarbe zur aktuellen musikalischen Untermalung liefern. Sei es das Drumming, das wunderschön mit Dynamik arbeitet, mal lauter, mal leiser spielt; mit ungewöhnlichen Beats und Pattern immer unglaublich treibend. Sei es der Bass, der immer ordentlich Druck macht und an bestimmten Schlüsselpositionen schon mal prägnanter wird, auch mal Melodie-begleitend oder gar -führend wird. Seien es die Gitarren, die sowohl in der Klangfarbe immer stimmig, aber dennoch abwechslungsreich klingen (hört nur mal den unterschied zum Eröffnungsriff aus „Ebola“ und dann dem klaren und doomigen Teil aus dem Titelsong!). Die Riffs sind versatil. Polyphones Harmonien in „Hyena„, morbide Melodien in „Last Cold Word„, mal einfach nur unglaublich dicke Soundwände. SERPENT EATER spielen einfach auf einem verdammt guten Niveau ohne auch nur zu einer Sekunde den Technik-Nerd raushängen zu lassen.

Im ersten Moment mag das dem Hörer schwer im Magen liegen. So viele Einflüsse aus den diversesten Genren, im ersten Eindruck wild miteinander vermengt. Und mit Sicherheit wird der ein oder andere Hardliner gar nicht darauf klarkommen, dass SERPENT EATER eben keine reinrassige [Death|Black|Doom|Thrash] Metal- oder Hardcore-Band sind. Sie haben einen eigenen Style kreiert, der eine Menge zu entdecken bietet.

Ob „Hyena“ damit zu den besten Veröffentlichungen des Jahres wandert? Das weiß ich nicht, dafür hat sich das Album alleine in den letzten Hördurchläufen zu intensiv entwickelt. Wer weiß, die die Langzeitwirkung ist? Ohne Frage ist es aber eine der kreativsten Arbeiten des Jahres!

Alerta Antifascista hat das komplette Album zum Anhören auf Bandcamp gestellt. Die Möglichkeit sollte man nutzen! Erstmal kann ich eine Menge erzählen und schreiben. Doch gleichzeitig ist es schwierig SERPENT EATER in die richtigen Worte zu fassen. Darum nehmt euch ruhig die Zeit und lauscht in den Stream. Vielleicht zunächst in „Leitmotif„, das wohl der geradlinigste Song des Albums ist. Danach bitte an „Last Cold Word„, „In The Wall“ oder „Ebola“ versuchen. Nehmt euch Zeit, lasst die Musik sacken, hört es euch wieder an. „Hyena“ wächst, versprochen!

Infos:
Alerta Antifascista Records – 2013
LP – 6 Lieder / 28:33 Min.
https://www.facebook.com/SerpentEater
http://serpent-eater.tumblr.com/
http://alertaantifascistarecords.bandcamp.com/
http://no-pasaran.org/