Grind Here, Right Now 2013


Grind Here, Right Now Festival, Trier, Exzellenzhaus, 30.11.2013

2013 - Grind Here Right Now
(Anmerkung: Der regulär geschriebene Text stammt vom Rayk. Der kursive Text von seiner Freundin Katja. Über Veranstalter Mario (auch Stimmmensch bei Boiler), bin ich an die Fotos von Catabolic Messenger gekommen. Das Copyright der Bilder liegt bei ihm. Das Chaos in der Verwendung bei mir. Ich war nicht anwesend und kann all die komischen Typen entsprechend nicht zu den jeweiligen Berichten zuordnen. Ist mir auch wurscht. Weitere Impressionen gibt es in der Galerie des Fotografen! – Anm. Chris)


980664_556104297797156_712637277_oTrier ist im Grunde genommen immer eine Reise wert, und dieses Mal zog es uns einzig und allein wegen diesem KILLER Festival nach Rheinland-Pfalz. Da wir schon einen Tag eher angereist waren, hatten wir noch Zeit, etwas von Triers Altstadt zu sehen, und am Samstagvormittag machten wir dann noch einen auf Kultur. Das Thema „Grind hier und jetzt“ war an diesem Wochenende sprichwörtlich zu nehmen und demzufolge war die Vorfreude für mich umso größer. Das Festival wurde von Boiler, wo (Mit)Veranstalter Mario selbst am Mikro steht, um 16 Uhr eröffnet. Da aber, um ehrlich zu sein, Boiler nicht so wirklich unsere Lieblings-Haus-Grindband sind (was aber nicht viel zu heißen hat, denn Musik ist nun mal Geschmackssache und eh eine subjektive Angelegenheit, denn meine Hackfresse gefällt ja auch nicht jedem), zogen wir es vor, uns lieber in unserem Hotel um die Ecke eher anderweitig zu beschäftigen, und so trotteten wir erst kurz vor halb fünf ein, als Boiler gerade ihren letzten Song weggrunzten. Vor und im Exhaus hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon eine ordentliche Menge Leute versammelt. Im Hof stand auch schon eine Fressbude für die Versorgung mit veganem Asiafutter parat, wo langsam die Essensvorbereitungen anrollten. Gut zu wissen, dass man nicht verhungern müsste, schließlich stand uns noch ein sehr langer Abend bevor! Beim Eintritt gab’s für die ersten Zuschauer noch jeweils eine Gratis-CD, auf der all die Bands vertreten sind, die an diesem Tag spielen. Dass wir auf einem Underground Festival waren, merkte man auch daran, dass lediglich zwei Labelstände, nämlich Apathic View und Rotten Roll Rex, vertreten waren. Wobei ich nicht nachvollziehen kann, was ein Label, was eher im Goregrind, Porngrind zu Hause ist, auf einem Grindcore/Crust Festival zu suchen hat. Insgesamt hatte man 15 Bands nach Trier geladen, von denen tatsächlich auch keine Band fehlte. Die Idee, dass immer, wenn eine Band ihr Set beendete, im jeweils anderen Trakt gleich die nächste Band anfing, funktionierte bestens. So kam auch nie Langeweile auf, da man eigentlich stets von links nach rechts unterwegs war. Das zog wiederum einen weiteren Vorteil mit sich, denn somit war der geliebte Sauftresen immer auf halbem Weg mit von der Partie.

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Nachdem Boiler fertig waren, spielten sofort im Anschluss auf der kleinen Bühne Katatonie aus Trier, die gleich in grober Manier drauflos bolzten. Obwohl mir die Mucke der Jungs auf CD zu stressig ist, haben die Jungs dennoch ein wirklich cooles, chaotisches, sauberes Liveset geboten. Von all ihrem coolen Humor und den schrägen Albumtiteln war zwar null Prozent zu verstehen, aber dennoch wurde es zu keiner Sekunde langweilig, da gerade Grunzbarde Daniel durch und durch abwechslungsreich ins Mikro bellte und Schlagzeuger Tim dermaßen auf sein Drumkit eindrosch, dass es einfach nur Spaß machte, den Jungs bei ihrem wilden Gerumpel zuzusehen. Mir kam die Mucke von Katatonie eher ein bisschen stumpf und leicht gorig angehaucht vor. Aber ich denke, der primitive Sound war mal ganz gut, um ein bisschen locker zu werden und nebenher das erste Bier zu schlürfen. Der kleine Konzertraum war zu diesem Zeitpunkt auch proppenvoll, und man merkte, dass die Leute in Laune waren, endlich loszulegen. Das war ein gelungener Einstand in einen Hammer-Abend, der noch vieles zu bieten hatte. Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass alle Bands stets eine halbe Stunde spielten (mit Ausnahme von Blockheads und Malignant Tumöur, aber dazu später mehr), was absolut korrekt und fair war.

774780_556167004457552_654284869_oWährend Katatonie ihren letzten Song in die aufgeladenen Meute grunzten und recht zügig ihre Instrumente einsackten, standen auf der großen Bühne schon Collision aus Holland Gewehr bei Fuß, die nun als erste bekanntere Band spielten. Collision besteht aus fünf Leuten, wovon zwei den Gesang abwechselnd übernehmen. Wenn man bis zu diesen Zeitpunkt noch nicht richtig wach war, dann definitiv jetzt, denn hier prasselte einem eine Fuhre Grindcore mit extrem angepisstem HC Geschrote entgegen, dass ich erst mal einen Schluck Whiskey saufen musste, um mich auf diese extrem lauten Bastarde einzustellen. Es kam einem tatsächlich vor, als wenn ein heranrasender Zug mit einer Betonwand kollidiert. Die zwei Sänger „Tammi“ und Björn, die unterschiedlicher nicht sein könnten, boten ein perfekt aufeinander abgestimmtes, brachiales Bühnenchaos. Hier wurde wie bekloppt hoch und runter gesprungen, hin und her gesprintet, und die Meute rastete im Moshpit regelrecht aus, und dies übertrug sich natürlich auf beiden Seiten. Verflucht geiler Stoff, was hier geboten wurde. Wer diese Holländer noch nicht kennen sollte, dem sage ich: nachholen, sofort!

905370_556119671128952_589207163_oDanach wurde es Zeit, den Magen mal der Abwechslung halber mit etwas Essbarem in Berührung zu bringen. Also Fressflash Teil 1 eingelegt, und während die Kiefer noch gut arbeiteten, gingen wir wieder hinunter in die Grindcore-Katakomben, um die deutschen Jungspunde von Constant Vulse zu sehen, auf die ich mich richtig freute, denn deren Grindcore der alten Schule steckt einfach an und animiert einen, vor der Bühne ordentlich abzugehen. CV waren ja wie Katatonie mehr oder weniger schon fast zu Hause auf der Bühne. Sänger Daniel drehte richtig auf, war ohnehin ein cooler, lockerer Frontmann, der auch immer mal wieder einen lockeren Spruch parat hatte. Aber auch der Rest der Band machte einen sehr, sehr guten Job. Schlagzeuger Jan Theis ist ein wahrer Berserker an seinem Drumkit, denn hier zeigte sich wieder mal, wie viel Handwerk im Grindcore steckt. Waren Constant Vulse schon auf Kassette ein Geheimtipp, überboten sie sich auf der Bühne selbst nochmal. Ich war und bin immer noch dermaßen von ihrem Auftritt verdammt begeistert. Die Leute gingen für so eine recht kleine, eher unbekannte Band richtig gut ab, alle hatten ihren Spaß, und es wurde mal wieder der berühmte Indianertanz vollzogen, was mich aber dennoch nie zu nerven anfing. Um CV kurz zu umschreiben: alte Schule Grindcore, der hier und da auch ein paar Metaleinflüsse heraushören lässt, gerade was die Gitarrenarbeit angeht. Sehr interessante, talentierte Band, die man im Auge behalten sollte. Da soll noch einer sagen, die Studenten von heute kriegen nichts mehr auf die Reihe. Bleibt am Ball, Jungs.

774780_556167011124218_1062142136_oPünktlich um 18 Uhr standen dann die Franzosen Ratbomb auf der Matte, und die waren mir bis dato relativ unbekannt, wusste nur, dass auch sie ein wüstes Brett aus Crust und Grindcore spielen sollten. Ratbomb waren zugegeben keine leichte Kost, ja, schon regelrecht stressig. Denn wenn du von gleich vier Sängern verbal attackiert wirst, kann man sich in etwa vorstellen, was bei denen auf der Bühne abging. Mir sagte zwar Ratbomb nicht wirklich zu, aber dennoch war es eine sehr coole, aber auch verdammt krasse Vorstellung aus alter und neuer Schule.

Als nächstes standen Warfuck, ebenfalls aus Frankreich, auf dem Plan. Da uns diese Band mal überhaupt nichts sagte, stiefelten wir einfach mal interessehalber rüber ins kleine Exil und waren zunächst überrascht, dass nur zwei Mann auf der Bühne standen und hielten es anfangs erst für den Soundcheck. Aber nix da, sie blieben zu zweit, und so gab es eben nur Schlagzeug, Gitarre und geplärten, kratzigen Gesang, der etwas gewöhnungsbedürftig war, zumal auch der Sound bei Warfuck nicht wirklich der Knüller war. Nachdem uns die ersten Songs nicht so richtig vom Hocker reißen konnten, war es dann Zeit, wieder mal was zu futtern, denn mittlerweile war es jetzt kurz vor 19 Uhr, und dann machten sich die Berliner Goregast auf der Bühne breit, worauf sich vor allem meine bessere Hälfte sehr freute. Denn jetzt wurde auch der Stil zum ersten Mal etwas breitgefächerter, um genauer zu sein, ein Stück weit metallischer.

1400764_556128237794762_1794120519_oRayk machte sich also auf die Jagd nach Futter. Ich blieb lieber unten im Konzertsaal, um nicht den Anfang von Goregast zu verpassen. Schließlich war das eine der wenigen Bands, die mich hier von Anfang an interessiert hatten. Wie schon mehr oder weniger erwartet, dauerte die ich geh schnell was zu essen holen-Aktion mal wieder länger, und nachdem Rayk nicht mehr beikam, ging ich dann schließlich allein vor die Bühne, als Goregast loslegten. Nach all dem für meine metallverseuchten Ohren eher ungewohnten Grindgeschrote fühlte ich mich hier auf vertrautem Terrain: brutal groovende Gitarren, ordentlich tiefer Grunzgesang… jawohl, so muss Death Metal klingen! Obwohl Goregast hier musikalisch doch eher aus dem Rahmen fielen, hatten sich genügend Leute vor der Bühne versammelt, um auch mal die Haare kreisen zu lassen. Nach gut der Hälfte der Spielzeit tauchte dann auch Rayk wieder auf, der sich am Fress-Stand mit dem Constant Vulse Sänger festgequatscht hatte. Goregast bretterten ihren schnörkellosen und kurzweiligen Death Metal ohne unnötiges Geschwätz in die Meute, und so verging die halbe Stunde wie im Flug. Zum Abschluss gab’s noch einen coolen Grave-Coversong, der den Auftritt würdig und brachial ausklingen ließ. Für mich war es interessant, endlich mal Herrn Unglaube live zu erleben, nachdem ich ihn nur über Email und Bestellungen kenne. Und auch ich finde, Goregast sind eine interessante Liveband, die enorm viel Energie rüberbringen, und Rico und seinen Mannen bewiesen, dass man selbst Grind und Crusties dazu bringen kann, zu Death Metal ordentlich abzugehen.

Und wie das bei Berlinern so ist, waren die nächsten Berliner nicht allzu weit entfernt. Denn jetzt ging es mit Necromorph weiter, auf die ich schon gespannt war. Dass ich bei Necromorph nicht mehr auf dem neuesten Stand war, außer dass sie vor gar nicht allzu langer Zeit ihr Album „Grinding Black Zero“ rausbrachten, war mir schon bewusst. Necromorph änderten über die Jahre hinweg ihren Stil: spielten sie in ihren Anfangstagen eine rüde Mischung aus Death Metal mit dreckigem Thrash und einer Prise Grind, ist man nun seit ein paar Jahren nahezu voll im Grindcore angekommen. Und ich war echt erstaunt, wie enorm schnell Necromorph inzwischen geworden sind. Aber um ganz ehrlich zu sein, so richtig machte mich ihre Mucke nicht an, und auch vom Gesang her wurde ich nicht so richtig bedient, so dass ich erst mal das Weite suchte. Während Katja zu dieser Zeit einen Stock höher verweilte, um vegetarisches Essen zu sich zu nehmen, liefen wir uns dann bei den Labelständen über den Weg.

1398094_556137751127144_19155582_oDenn jetzt war es für uns beide dran, die Beinahe-Nachbarn Accion Mutante ein weiteres Mal live zu erleben. Ich hoffe, dass jedem, der diese Zeilen hier liest, Accion Mutante ein Begriff sind. Dass die Schwaben mehr können als Häusle bauen und Spätzle fressen, sollte einem spätestens beim Liveauftritt von Accion Mutante zu 150% klar werden. Accion Mutante waren von Anfang an (wie alle der auftretenden Bands) echt gut drauf. Und es ist immer wieder aufs Neue einfach saugeil, die zwei Mikrozerstörer „Rastaman“ Karsten und die wütende Pitbull-Version Rossi live zu erleben. Von Accion Mutantes Energie lässt man sich einfach anstecken, ob man es will oder nicht. Dem muss ich absolut zustimmen: Auf Konserve kann ich mit Accion Mutante nämlich nicht allzu viel anfangen, aber was die Kerle auf der Bühne abziehen, ist einfach der Hammer. Hier wird ein wahrer Wirbelsturm entfacht, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Kein Wunder, dass auch im Publikum die Hölle los war. Überhaupt verwischten hier die Grenzen zwischen oben auf der Bühne und unten im Publikum immer mehr: Immer wieder sprangen Zuschauer auf die Bühne, und auch Rossi ließ es sich nicht nehmen, einfach mal unten im Pogo mitzumischen. Accion Mutantes Crustnummern gehen verdammt brutal ab und somit bewiesen die Crusties auch mit ihrer Gestik und ihren Texten, was sie von der Gesellschaft und all ihren Fehltritten halten. Ein verdammt energiegeladener und sympathischer Auftritt! Wer die Möglichkeit hat, diese Stuttgarter in seiner Gegend mal live zu erleben, selbst wenn man nicht auf Grind oder Crust steht, so was sollte man sich nicht entgehen lassen. Tipp!

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Nach diesem mehr als gelungenen Auftritt war es schon fast nachvollziehbar, dass es für die nächste Band schwer werden würde da mitzuhalten. Wir schlossen uns der Meute an, die sich in Richtung kleine Bühne machte, denn jetzt kamen die verkifften Schädel von F.U.B.A.R.. Die Holländer sind seit ein paar Jahren eine feste Größe in der Grindszene. F.U.B.A.R.s Stil war, um ehrlich zu sein, noch nie so richtig mein Ding, aber ich dachte mir, wenn sie schon mal vor Ort sind, guckst dir mal den wilden, stressigen Haufen an. Nur irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Erinnerungen an F.U.B.A.R. etwas verschwommen sind, denn so richtig kann ich mich nicht mehr an den Auftritt der Holländer erinnern. Hm, lag das jetzt am Bier oder an den Cocktails? Na ja, egal. Ich habe mir ohnehin nur ein paar Songs angeschaut.

1462744_556179394456313_980368301_oJetzt wurde es dann zum ersten Mal richtig stumpf. Denn jetzt standen die Burschis Mucupurulent am Seziertisch, was so ein klein wenig an Mortician erinnerte, und das war genau die richtige Mucke, die man jetzt benötigte, um etwas die Schwere, die in die Beine zog, loszuwerden: Wir machten uns weiter hinten irgendwo auf unserem Arsch breit und laberten und tranken usw., so dass wir nur im Hintergrund das Gegurgel vom Sänger mitbekamen. Coolerweise ging einem die Mucke dennoch nicht auf dem Zeiger. Herrlich stumpfe Mucke zum Abchillen.

Nach dieser kurzen Verschnaufpause stand erneut Fitness und Sport auf dem Plan. Die Rede ist von Keitzer, einer wirklich genialen Grindband aus NRW. Für uns war es das erste Mal, Keitzer live zu erleben. Da Keitzer eine der wenigen Grindcombos sind, die mir mal wirklich zusagen, war auch ich auf diesen Auftritt sehr gespannt. Ich hätte nicht gedacht, dass Keitzer so eine dermaßen intensive, wild gewordene, rabiate Drecksau-Grindband auf Bühne abgeben. Denn das, was die fünf Leute auf dieser mickrigen Bühne abzogen, stellte allein schon ein organisatorisches Geschick dar, sich nicht gegenseitig über den Haufen zu rennen. Sänger Christian keifte, bellte, fauchte, wütete dermaßen aggressiv aus seinem schwarzen Bart heraus und wurde nebenher vom Hochgeschwindigkeits-Fanatiker Schlagzeuger Tim dermaßen angetrieben, ja regelrecht verfolgt, dass du wirklich keine Möglichkeit hattest still zu stehen. Keitzer haben wir uns von Anfang bis zum Ende angeschaut, und es war einfach nur Killer, diesen wutschnaubenden Grindcore anzuhören. Ich bin überwältigt, wie fit Grindcore Bands sind/sein müssen, um solche Hochgeschwindigkeits-/Blastbeatattacken auf ganzer Strecke bieten zu können. Keitzer waren ganz klar eine echte Macht, und das wurde auch vom Publikum entsprechend gewürdigt. Vor der Bühne tobte auf engstem Raum ein echter Mob und zelebrierte einen wahren Adrenalinrausch. HAMMER, bitte mehr davon!!!!

1403310_556202184454034_1091252921_oEin Blick auf die Uhr – mittlerweile war es 22 Uhr, und es ging zu Inhumate aus Frankreich, auf die ich mich echt gefreut habe, denn deren wilde Grinderuptionen hatten mich auf Platte bisher stets fesseln können. Aber bei Inhumate wollte es irgendwie nicht so richtig klappen. Denn auf der einen Seite klangen Inhumate live für mich sehr dumpf, und auf der anderen Seite kamen sie gar nicht so Grindcore rüber wie auf Platte. Obwohl es schon beeindruckend war, was für ein schräger Typ hier am Mikro stand. Es war echt der Hammer, was der Sänger hier aus seinem Körper herausholte. So schauten wir uns Inhumate eher von weiter hinten an, denn nach dem wilden Geschubse bei Keitzer war eine kleine Verschnaufpause ganz willkommen. Ich nutzte jedenfalls die Gelegenheit, wieder mal gemütlich ein Bier zu trinken. Die kleinen Bierchen im Fruchtzwerg-Format waren ohnehin immer ruckzuck weggeschluckt, so dass man doch ziemlich oft Nachschub holen musste. Was ziemlich schade war, ist, dass bei Inhumate dann im hinteren Drittel mehr oder weniger Schicht im Schacht war, denn als die Gitarre verreckte, versuchte man eine Weile, es zu überbrücken bzw. wieder herzustellen, was wohl nicht so recht funktionierte. Irgendwann war es uns dann zu öde, darauf zu warten, dass es endlich weitergeht.

Dann waren Sanitys Dawn aus Hannover an der Reihe, und da hieß es fit zu sein und einen sicheren Stand bewahren. Denn Sänger Topsy machte es scheinbar einen Heidenspaß, ständig von der Bühne aus regelrecht ins Publikum hinein zu sprinten, sich hinzuschmeißen und dermaßen dreckig und wütend abzugehen, dass man echt beeindruckt war. Die Hannoveraner verlor ich die letzten Jahren etwas aus den Augen, was vor allem daran lag, dass mir die Norddeutschen ihren Stil etwas zu sehr in Richtung Hardcore veränderten und ich eher ihre älteren Grindcore-Sachen bevorzug(t)e. Komplett habe ich mir den Auftritt dann doch nicht gegeben, da mir die Songs auf Dauer etwas zu hektisch und stressig rüberkamen, so dass ich kehrt machte, denn ich musste fit sein für Blockheads. Mmh, Moment, war da nicht noch irgendwas dazwischen? Ach ja, natürlich.

Eigentlich wollte ich nur mal aufs Klo gehen. Aber auf dem Weg dorthin passierte folgendes: Irgend so ein fertiger Typ fragte mich: „Hey, musst du gerade pissen?“ Und ich meinte zu ihm: „Das geht dich einen Scheiß an. Natürlich muss ich pissen.“ Mir folgte dann noch ein Kumpel von ihm sowie eine junge Dame. Angekommen auf dem Klo meinte er, er möchte jetzt unbedingt angepisst werden, und er machte sich auch schnurstracks auf in die Kabine, stellte sich kopfüber aufs Scheißhaus und wartete darauf, angepisst zu werden. Killer, oder? Da mir die Sache aber irgendwie etwas zu „strange“ war, sagte ich „He, sucht euch jemand anderes, soweit kommt’s noch, dass ich einen Typen anpisse. Ich glaube, es hackt!! Wenn überhaupt anpissen, dann sollte so was eigentlich eine Frau machen.“ Das war jedenfalls mein Spruch, da das Fräulein aber keinen Bock drauf hatte, suchten sie sich einen anderen Typen, der schon ordentlich betankt ins Klo torkelte. Dann kam natürlich das, was kommen musste: Dem besoffenen Typen war es im Grunde genommen egal, wo er hinpisste, und der Pissmaniac kam auf seine gelben Kosten. Also Schwanz raus, die Dame hielt ihm den Schwanz zum genaueren Zielen fest, und los ging die Sauerei. Zwischendurch versammelte sich eine ganze Schar von Leuten vorm und im Männerklo, um der etwas anderen Pinkelangelegenheit beizuwohnen.Sozusagen Porngrind pur! Mann, Mann wenn ich schon mal pissen will… Hm, hab ich da mal wieder ein besonderes Highlight des Abends verpasst, oder wie? Nein, nicht wirklich.

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Nachdem ich die letzten beiden Bands nicht ganz so spannend gefunden hatte, machten sich bei mir langsam doch die ersten Müdigkeitserscheinungen breit. Blockheads schafften es dann aber zum Glück doch noch mal, mich wachzurütteln. Die Franzosen sah man ja den ganzen Abend schon hinter ihrem Merchandise-Stand herumwerkeln, und man dachte sich so im Stillen, mal gespannt, ob die etwas betagteren Herren das entfachen können, was sie auf Platte vom Stapel lassen. Tja, und es gibt tatsächlich noch Wunder. Denn Blockheads, auch wenn das jetzt vielleicht der falsche Ausdruck ist, rockten wie eine wildgewordene Sau über die Bühne. Während Sänger Eric eher aussah wie eine Mischung aus Basketballspieler und Fahrradfahrer (klingt komisch, ist aber so) und Schlagzeuger Nico optisch eher rüberkam wie der brave Papa, zeigten sie uns beiden und allen anderen Zuschauern, dass Blockheads ein wahrer Tornado auf der Bühne sind. Es ist wirklich ein wildgewordener Wahnsinn, der hier wahrgeworden ist! Blockheads boten verdammt viele Songs von ihrem aktuellen Album „The World Is Dead“, spielten aber auch richtig alte Kracher. Blockheads waren nun auch die erste Band, die eine ganze Stunde spielte. Und es wurde auch genau eine Stunde nur 110% Vollgas gegeben. Man fühlte sich in der Menge dermaßen aufgeheizt und aufgestachelt, dass man sich von so einer Energie nur zu gerne anstecken ließ und dem Körper, der so langsam in Richtung Müdigkeit tendieren wollte, gar nicht die Möglichkeit gegeben wurde, zur Ruhe zu kommen. So soll’s sein, oder? Wirklich beeindruckend, wie man eine Stunde dermaßen Vollgas geben kann und das in einem Club, wo kurz vor Mitternacht die Luft ziemlich stickig war. Gerade Sänger Eric steckte dermaßen viel Energie und Wut in den Auftritt, dass man vor dieser Leistung echt den Hut ziehen muss. Neben seinem extrem angriffslustigen Geschrei, mit dem er sich regelrecht die Seele aus dem Leib brüllte, fand er auch noch die Energie für jede Menge Bewegung, so dass man sich echt fragte, wo der Mann denn bitte genügend Kraft und Sauerstoff hernimmt. Zwischendurch gabs sogar noch ein paar gewagte akrobatische Kletteraktionen an der Aufhängung der Bühnenbeleuchtung… Ehrlich, ein derartiges Energiebündel hat man selten erlebt! Hier hat einfach alles gepasst, und der Sound war eine regelrechte Wand. Zum Abschluss und Dankeschön wurde noch mal Mario auf die Bühne geholt, um dann im Duett zusammen mir Eric die Mikrofone zu malträtieren. Cooler Scheiß, den die zwei auf der Bühne verzapften.

1483864_556295684444684_438685620_oBlockheads waren zu Ende, mittlerweile machte sich im Publikum eine Mischung aus total aufgedreht und ordentlichen Ermüdungserscheinungen breit. Aber hey, scheiß drauf, eine Band gibt’s noch. Denn mit etwas Zeitverzögerung kamen dann die Tschechen und Grind-Rock’n’Roller Malignant Tumöur auf die bierverseuchten und schweißgetränkten Bretter. Und ich finde, man hätte diesen Rausschmeißer, was jetzt positiv gemeint ist, nicht besser positionieren können, denn Malignant Tumöur rockten den ganzen Schuppen auseinander. Und bewiesen mit ihrer dreckigen Mucke, dass man, ganz egal ob Grinder, Crustie, Metaller oder Kopfsocke, sich einfach mitreißen lassen kann, um ordentlich Spaß zu haben. Mittlerweile kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass die Jungs um den cowboyhuttragenden Sänger Bilos ganz am Anfang mal richtig stumpfen Pathologen-Grind gespielt haben und seit vielen Jahren ihre Erfüllung im Grind’n’Roll gefunden haben. Ich hatte ehrlich gesagt etwas Bedenken, ob die Tschechen zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch einsatzfähig sein würden. Schließlich standen Malignant Tumöur heute erst um Mitternacht auf dem Programm. Als ich die Bekloppten das letzte Mal live erlebt hatte, spielten sie auf einem Festival als erste Band am Vormittag – und waren um diese Zeit schon hackedicht. Fürs Grind Here haben sich Malignant Tumöur aber offensichtlich gewaltig am Riemen gerissen, denn die Horde enterte anscheinend topfit die Bühne. Ausfallerscheinungen waren jedenfalls nicht zu bemerken. Lediglich die wuschelige Pornoperücke von Bassist Robert saß schon nach ein paar Songs schief auf dem Schädel, aber das lässt sich wohl bei der entsprechenden Bewegung auf der Bühne kaum vermeiden. Der Funke sprang sofort auf die Zuschauer über, und es wurde gemoscht, geschubst, Stagediving betrieben, mit ins Mikrofon gegrölt, alles war erlaubt und willkommen. Nach all dem Lärm war es doch ganz angenehm, zum Abschluss mal einfach lässig abzurocken. Man kann von Malignant Tumöur halten, was man will, aber partytauglich ist ihre Mucke auf jeden Fall. Und so stand am Ende des Abends noch mal schlicht und einfach der Spaß im Vordergrund. Wenn mich meine Wahrnehmung nicht täuscht, meine ich mich erinnern zu können, dass Malignant Tumöur sogar zweimal dazu aufgerufen wurden, noch ein paar Songs zu spielen, und dieser Bitte kamen sie auch nach. Denn obwohl sie schon hinter der Bühne verschwanden, um sich auf ihren wohlverdienten Whiskey zu freuen, betraten sie dennoch ein weiteres Mal die Bühne, um der Meute das zu geben, was sie wollte: eine geballte Ladung dreckigen, gutgelaunten fucking Whiskey Cowboy Rock´n´Roll Grind, Thrash, um dieses Festival absolut geil ausklingen zu lassen.

Ein großer Dank geht an dieser Stelle an Mario von Boiler und Daniel von Katatonie, die hier ein wirklich großartiges, freakfreundliches Grindfestival auf die Beine stellten. Ein cooleres Geschenk hätte Mario sich selbst, aber auch den Bands und dem Publikum nicht machen können. Ich hoffe und wünsche, dass es von diesem Festival in Zukunft noch mehr geben wird, und vor allem, dass man der Stil-Ausrichtung treu bleibt und auch wirklich nur Grind/Crust/HC Bands einlädt, denn für Brutal Death Metal bzw Porngrindoder sonstiges Gedöns ist hier das falsche Publikum. Danke für dieses schweinegeile Wochenende in Trier!!! Bis zum nächsten Mal.

 

Rayk & Katja

https://www.facebook.com/grindhere.rightnow.fest