Bloodspot – By The Horns


Bloodspot - By The HornsEs ist verlockend! Spätestens das erste Underground-Konzert mit unbekannten, meist doch eher lokalen Bands, versprüht diese Magie, legt einen Schalter um. Man verliebt sich in diesen Charme. Abseits vom Mainstream funktionieren Musik, Konzerte, Szene. Man kann sich einbringen, als Fan, der die Bands unterstützt, haufenweise Merchandise und Tonträger kauft. Doch irgendwann reicht das nicht mehr, man will mehr! Man will sich aktiv einbringen, selber mitmischen im großen Spiel des Heavy Metals! Die Möglichkeiten scheinen so mannigfaltig, wie in keiner anderen Stilistik: Fanzines, Distros, Labels, Konzertveranstalter – im Underground alles keine Utopie, sondern in greifbarer Nähe! Manch einer will aber noch direkter an die Musik, will selber sein Instrument ergreifen und seinen Idolen nacheifern. Egal, ob er eine eigene akustische Vision hat, oder einfach nur den Sound produzieren will, den er selber so sehr liebt. Aber: Manche Bands wären doch besser enthusiastische Fans geblieben.

Für mich trifft dieses Urteil auch auf BLOODSPOT zu. Seit 2006 aktiv, spielen die Limburger sicherlich genau den Krempel, auf den sie selber voll Bock haben. Und ich kann mir vorstellen, dass sie damit live auch gut ankommen. Simple Riffs, die man auch mit ein paar Bierchen im Schädel noch nachvollziehen kann, schnelles Uptempo, das das Publikum einfach gut durchföhnt ohne mit übertriebenen Blastbeats zu überfordern, ein paar einfache Grooves zum Headbangen. Eine gefällige Mischung aus Death und Thrash, die man Anfang der 2000er Jahre häufig in den kleinen Läden gehört hat, besonders in und um Köln herum. Genau das richtige für Fans von Scornage, Contradiction, Verdict und vielleicht auch Guerrilla. Vielleicht etwas reduzierter und direkter. Und dennoch tausendmal gehört und somit mittlerweile generisch, gesichtslos, nichtssagend.

Natürlich haben sicher Band und Fans Spaß, wenn „Far From Innocence„, das hier seine Reinkarnation vom ersten Demo erfährt, mit ordentlich Drive aus den Boxen brettert. Auch das solide „Enter The Gray“ sollte für die nötige Stimmung im Moshpit sorgen. Doch objektiv betrachtet spielt „By The Horns“ (das Album) einfach das Schema F runter. Seien es die Gangshouts aus dem Titeltrack, die Alibi-Blastbeats aus „Burst Black„, das natürlich auch die rhythmischen Stakkatos auf einem Akkord reiten muss oder eben die dicke Hose aus „Volcanos„. „And They Brought Gold“ ist mit seinem Zwei-Akkorde-Riff eher eindimensional. Dabei kommt „Death Down There Hold My Approach“ noch nicht mal annähernd an diesen plumpen Vibe heran und hat eher die Musikschul-Gitarren für Sextanten. Ähnlich langweilig sind die Soli, die irgendwie null Power haben. Lediglich „The Legend Of Butch Miller“ hat etwas mehr Rock’n Roll auf der Latte und ist das einsame Highlight der Scheibe – was aber auch nicht viel heißt.

Verpackt in recht typischen, dynamiklosen Sound ohne sonderlichen Charakter, ist „By The Horns“ eher das akustische Äquivalent zum Bratwurst-Journalismus. In der Dorfliga ist es unterhaltsam. Mit ordentlich Bier im lokalen Bürgerzentrum kann man sicherlich gut zu der Musik headbangen und Spaß haben. Doch am nächsten Morgen folgt die Ernüchterung – sowohl vom Alkohol, wie auch von der Musik. BLOODSPOT spielen halt höchstens soliden Death/Thrash mit den gängigen Bausteinen, die man leider schon ein paar mal zu häufig gehört hat.

Infos:
Bret Hard Records – 2013
CD – 9 Lieder / 37:57 Min.
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http://www.bloodspot-music.de/
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