Beltez – Tod: Part 1

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Beltez - Tod - Part 1Ich weiß schon gar nicht mehr, wie es damals kam. Über irgendwelche, heuer nebulöse Wege, fand „Beltane„, das Debütalbum von (The True) BELTEZ, in meine Sammlung. In einer Mischung aus musikalischer Engstirnigkeit, Unverständnis gegenüber der dargebotenen Stilistik meinerseits, und schlicht mangelhaften Fähigkeiten bei der Band, avancierte gerade „Zug Durch Das Nebelgebirge“ für mich und eine Hand voll Eingeweihter zum Prototypen des schlechten Black Metals. Entsprechend hatte ich seither ein sehr pejoratives Bild von der Band aus Neunkirchen, entsprechend interessierte mich ihre weiterer Werdegang nicht. Auch wenn dieser ein Album später, 2004, jäh endete. Mehr oder weniger.

Nun wurde neun Jahre später das dritte Album „Tod: Part 1“ über Bret Hard Records veröffentlicht. Man kann sich meine Vorfreude in den schönsten Farben ausmalen, oder? „Tod: Part 1„. Warum das Denglisch? Warum nicht „Tod: Teil 1“? Das verstehe ich noch nicht. Immerhin ist es ein Konzept-Album über des Schlafes Bruder, gänzlich besungen auf deutsch.
Die genauen Hintergründe, auch über die lange Reifezeit, werden als kurze Liner-Note im Booklet von Gitarrist Dod erklärt. Passend unterstreichen ein Kafka und ein Stephan Mahler (Slime) Zitat das integrale Bild. Texte sucht man vergebens, wird dafür mit wunderschönen Illustrationen belohnt. Ich finde das Cover-Artwork wirklich verdammt hübsch und das Lettering sehr stimmig. Als Gesamtbild ist die visuelle Präsentation für sich stimmig und rundet auch das musikalische adäquat ab.

Denn bereits vorweg kann ich sagen: Gemessen an „Beltane“ sind BELTEZ überdeutlich gewachsen! Neun Jahre Reifezeit, das scheint nicht nur dem Whiskey in seinem Fass gut zu tun. Viele Ideen und Ansätze sind sehr spannend und zeigen Einflüsse, die über die gängigen Klischees hinauswachsen. Doch auf der anderen Seite nagen auch einige Längen und unentschlossene Momente an „Tod„. Vielleicht hätte manch impulsive Kurzschlusshandlung doch etwas mehr Kurzweile in das Album gebracht?

Bereits der Opener zeigt sich solide. „Das Schwarze Grab“ hat coole Melodien mit leicht morbidem Charme, der zuweilen an Dark Funeral und Hader erinnert. Dieses Harmonie-Verständnis durchzieht noch an anderen Stellen die knappe dreiviertel Stunde Spielzeit. Doch gerade die etwas atypischeren Momente machen die Musik interessant. Der angedeutete Marsch-Part aus „Selbstmord“ lässt Erinnerungen an die letzte Downfall Of Gaia in meinem Hinterkopf erwachen. „Endzeit“ oder „Nagelfar“ haben – zumindest für mich – einen deutlichen Schlag Death/Pagan Rock, der in Verbindung mit Black Metal hervorragend funktioniert. Die daraus resultierende, melancholische Atmosphäre ist richtig gut und driftet in „Nagelfar“ ein wenig in den Depressive Suicide Black Metal. Gerade der fiese, nekrotische Gesang erlaubt diese Bezüge. In „Endzeit“ passt das fiese Gekeife auch sehr gut zum fetzigen D-Beat am Ende. Hingegen an anderen Stellen sind die Grenzen zur Peinlichkeit recht dünn. Besonders am Anfang von „Zu Den Sternen Blickend“ ist das Geblöke nur affig und unstimmig in Kontext.

Neben diesen kleinen gesanglichen Ausrutschern, gibt es aber auch noch ein paar Defizite im Songwriting. Gerade in den beiden längsten Songs, „Selbstmord“ mit neun einhalb und „Zu Den Sternen Blickend“ mit gut 11 Minuten, hätte etwas weniger Reifeprozess und etwas mehr Impulsivität nicht geschadet. „Selbstmord“ hat viele gute Ideen, teilweise Momente, die mich an Post-Punk erinnern, aber oft fehlt der Flow. Die Passagen sind aneinandergestückelt oder von kruden Breaks zerrissen. Mal mit Klaviergeklimper, mal mit klaren Gitarren zerfetzt. Lediglich das Eröffnungsthema durchzieht die Reise wie ein roter Faden. Ob mit dieser vermeidlichen Unentschlossenheit der Prozess des Freitods illustriert werden soll? Für mich schwer zu sagen… Gleichsam sind die vielen Elemente in „Nagelfar“ nicht sehr homogen miteinander verstrickt.
Zuerst wollte ich dies auch über „Zu Den Sternen Blickend“ sagen. Nach dem – bereits erwähnten – Patzer im Auftakt, wenn der Gesang gänzlich unpassend zum melancholischen Intro ist, will BELTEZ nochmal die Dark Funeral Bezüge zeigen und sich dann davon emanzipieren. Die Intention scheint gut, aber man denkt: Andere Astro/Space Black Metal Bands haben die Transzendenz besser geschafft – spätestens nach (!) dem Totenmarsch-Zitat finden BELTEZ aber zueinander und spielen flüssig und stimmig. In seiner Entwicklung ist „Zu Den Sternen Blickend“ vielleicht der imposanteste Track des Albums.

Zum Abschluss gibt es noch das Slime Cover „Der Tod Ist Ein Meister Aus Deutschland“ – und damit ein Zitat aus der Todesfuge von Celan. Lyrisch und thematisch ein passender Exkurs. Musikalisch aber leider ein Desaster! Der rockige Tenor passt absolut nicht in das Gesamtbild, der klare Gesang im Refrain wirkt verstörend deplatziert. Man sehe es als Gimmick, aber nicht als interessanten, oder gar essenziellen Bestandteil von „Tod: Part 1„.

Wo ich mich persönlich mit BELTEZ ein wenig versöhnt habe, bleibt ein solides Black Metal Album mit dezenten, frischen Ideen. Wo es noch etwas holpert – und das beziehe ich nicht auf die D-Beats -, besteht das Potential für das nächste Album. Das lässt hoffentlich nicht wieder neun Jahre auf sich warten.

Infos:
Bret Hard Records – 2013
CD – 6 Liede / 42:59 Min.
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http://www.brethard.de/
https://www.facebook.com/brethardrecords