Entrails Massacre / Proletar ‎– Global Murder Messiah / Untitled (Split 7″)

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Entrails Massacre - Proletar - Split7″-EPs sind ein super Medium! Besonders für Grindcore. Und Split 7″-EPs sind perfekt, wenn man neue Bands kennenlernen will. Denn meist erwirbt man so eine Zusammenarbeit, weil man bereits eine beteiligte Kapelle kennt, und deren neues Zeug haben will. Der Split-Partner ist meist eine nette Zugabe, kann aber auch schnell zur großen Überraschung werden. Zugegeben, ich habe mir die Kollaboration von ENTAILS MASSACRE und PROLETAR nicht selber gekauft, der Tom von Power It Up war so nett und hat mir ein Exemplar zum besprechen rübergeschickt. Vielen Dank an dieser Stelle, denn physische Promos sind selten geworden, Vinyl zur Bemusterung gibt es eigentlich gar nicht mehr. Wirklich, dickes Dankeschön an dieser Stelle!

Auf jeden Fall kannte ich zuvor ENTRAILS MASSACRE. Wer sich etwas mit Grindcore beschäftigt, wird hier und dort schon mal über den Namen gestolpert sein, nicht zuletzt durch die aktuellen Shirts der Band, die das EP-Cover zieren. Dieses wunderschöne Artwork stammt – wie auch das von der letzten 11″ „Decline Of Our Century“ – aus der Feder von Jaspers (u.a. Days Of Desolation) Infested Arts, der mittlerweile scheinbar zum Stammkünstler von Power It Up geworden ist. Am Ende muss ich aber auch zugeben: ENTRAILS MASSACRE, schon tausend Mal von gehört, tausend Mal den Namen gelesen, aber bisher nichts im Plattenschrank. Darum war ich auch schon etwas überrascht, dass die Band bereits seit 1990 im deutschen Underground rumlärmt – wie konnten die bisher an mir vorbeigehen?
Der Partner in Crime, PROLETAR, war mir hingegen gänzlich unbekannt. Vielleicht liegt es an der Herkunft der Band, denn so häufig hat man ja doch nicht den Kontakt zu Bands aus Jakarta, Indonesien. Eigentlich ein Wunder und eine Schande, brodelt die Crust/Grind-Szene in Süd(ost)asien schon ziemlich…

Auf der 7″ mit der atypischen Umdrehungszahl 33,3rpm – normalerweise muss Grindcore doch auf 45 so schnell wie möglich durchgedroschen werden – liefern beide Parteien jeweils drei neue, eigene Songs und ein Cover ab. ENTRAILS MASSACRE bolzen ordentlich Nasums „I See Lies“ durch, PROLETAR geben Extreme Decays „Extremely Decay“ zum besten. Wiedermal eine Wissenslücke meinerseits, kenne ich weder das Original, noch die originäre Band. Darum an dieser Stelle kein Vergleich von meiner Seite, nur der Hinweis, dass der oldschool Grind-Punk gut zum Gesamtbild passt.

Entrails Massacre - Proletar - Split - ProletarEtwas stört mich der Sound von ENTRAILS MASSACRE. Die Songs klingen etwas dumpf und lassen ein paar Details – gerade in den Höhen – vermissen. Dennoch bekommt man einen guten Eindruck vom dreckigen Grindcore mit fettem Crust-Schlag. Gerade die Backing-Vocals erinnern an Mindflair/Unlearned und geben dem Ganzen noch einen räudigen Kick. Highlight der Seite ist „Human Pancake„, das ziemlich fetten Groove hat und fast schon catchy wirkt.

PROLETAR haben etwas weniger metallischen Einschlag als ihre Kollegen. Vielleicht liegt dieser Eindruck auch einfach an der etwas passenderen, dreckigen Produktion. Die etwas klassischere Herangehensweise sagt mir jedenfalls deutlich mehr zu. Im Stile von Terrorizer/Nausea oder Phobia holzt das Power-Trio ordentlich alles nieder, was sich vor den Boxen befindet. Dazu trägt besonders der dissonante Endteil von „Resistance“ bei, aber auch „Fuck Dog“ mit seinem Death Metal Riff und Hardcore-Groove ist ziemlich packend. Da passt das besagte Cover extrem gut rein und rundet die unbenannte Seite sauber ab.

Neben der limitierten Die-Hard-Version in 100 weißen Scheiben, kommt die regulär schwarze EP im schützenden Innersleeve und typischem EP-Cover. ENTRAILS MASSACRE haben ihre Seite sehr professionell aufgemacht, ohne Lyrics, nur mit Band-Foto und dem Sahne-Artwork von Infested Arts, sieht ihr Beitrag schon knorke aus. PROLETAR sind schon eher oldschool. Das Innenleben mit den Texten orientiert sich am klassischen „Grindcore is not music“-Thema, das Comic-Cover erinnert in seinem bläulich/gelblichen-Kontrast an das „Left Hand Path„-Motiv. Aber nur von der Farbstimmung, die rohe Zeichnung selber ist immer noch mehr Punk/Crust/Thrashcore. Ist aber auch wurscht, für vier Euro bekommt man die reguläre Version, einen Taler mehr muss man für limitierte Variante mit Sticker zahlen. Gutes Futter für den Grindfreak, das sich vor allen Dingen wegen PROLETAR lohnt. Trinkt mal ein Bierchen weniger und besucht Power It Up an seinem Merch-Stand!

Infos:
Power It Up Records – 2013
7″-EP – 8 Lieder / ??:?? Min.
https://www.facebook.com/entrailsmassacre
http://www.grindmaniapromotions.de/entrailsmassacre.html
https://www.facebook.com/proletarmince
https://soundcloud.com/proletargrind
http://www.power-it-up.de/