Embalming Theatre / Exulceration – Buried With Friends

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Embalming Theatre - Exulceration - Buried With FriendsGelegentlich passiert es, dass sich eine Band kurz nach den Aufnahmen eines neuen Albums auflöst, und das finale Werk niemals offiziell veröffentlicht wird. Doch manchmal ist ein Bandmitglied so gnädig und lässt wenigstens den ein oder anderen Freund oder Bekannten an dem teilhaben, was hätte sein können. Dies war auch der Samen für die Zusammenarbeit zwischen den schweizer Bands EMBALMING THEATRE und EXULCERATION. Dank den Liner-Notes im Booklet, kann man sich die Geschichte richtig gut vorstellen: Die untriebigen EMBALMING THEATRE haben mit Dani von Revenge Productions über dieses „damals®“ und Sammlerstücke aus dieser Zeit gequatscht. Da erwähnte der Labelchef eine Kassette mit dem zweiten Album von EXULCERATION, das 1992 bereits aufgenommen wurde, aber nie das Licht der Öffentlichkeit sah. Nach einiger Zeit wurde deren Gitarrist und Sänger Laurent ausfindig gemacht und man einigte sich auf eine gemeinsame Split-Veröffentlichung. Für EMBALMING THEATRE kein großes Problem, produziert die Band doch neues Material in ähnlicher Frequenz wie Agathocles. Die alten Aufnahmen wurden 2009 extra noch mal im Schweinesoundstudio remastered. Schlussendlich erschien die Split dann im Oktober 2012 über Power It Up Records auf CD…

EMBALMING THEATRE eröffnen die Scheibe mit 10 Liedern in knapp 18 Minuten und nehmen damit die deutlich geringere Spieldauer ein. Sicherlich eine nette Geste, den Gästen EXULCERATION mit ihrem persönlichen „Bernsteinzimmer“ den Bärenanteil des Mediums einzuräumen. Und eigentlich funktioniert diese Musik im kompakten Format auch am besten. Doch irgendwie gibt es hier eher Business as usual. Gute Punk-Nummern mit Blastbeats, simple Riffs und schnelles Geballer. Wer EMBALMING THEATRE kennt, weiß bereits was ihn erwartet. Gelegentlich gibt es schon mal markante Momente, wie den fröhlichen „Happy Crap“-Singalong-Teil aus „Feces In A Bikini„, die Disko-Nummer „Lesbian Demon“ oder der Black Metal-mäßige Refrain in „Camp Necro„. Insgesamt sind die herausragenden Momente aber etwas zu rar gesät, um den Unterhaltungsfaktor permanent auf Level zu halten. Dazu kommen ein paar zu viele Samples und Intros, die den Fluss geringfügig stören. Als positiven Bonus gibt es das extrem gut umgesetzte Doom-Cover „Police Bastards„.

EXULCERATIONs Beitrag merkt man direkt an, dass er eigentlich als eigenständiges Album konzipiert war. Mit umschließenden Intro und Outro, kommen die insgesamt 12 Lieder auf gut 36 Minuten. Der derbe Einschnitt in der Soundqualität wäre als eigenständige Veröffentlichung auch nicht so sehr aufgefallen. So merkt man aber schon stark, dass die Aufnahmen ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Besonders der Gesang blubbert wie aus der Toilette und das Drumkit scheppert wie aus der Dusche. Auch wenn man sich an diesen „Sound“ erstmal gewöhnen muss, tut er der Brutalität keinen Abbruch. „Celestial Vomit“ ballert direkt extrem derbe aus den Boxen. Dazu kommt diese rohe Ungeschliffenheit, die eigentlich nur Bands aus den frühen Neunzigern haben. Ihr Stil ist unentschlossen irgendwo zwischen Death Metal der Marke Broken Hope, frühem Death-Grind, etwas Grindcore/Goregrind früher Carcass und gelegentlich starker Schlag Crust/Punk á la Disrupt. Das kann schon mal etwas wirr wirken, wie in „Suffer’s Die„, doch ist gerade diese ungestüme Herangehensweise sehr ehrlich und strotzt vor Feuer.
Ein paar schwächere Momente umfasst diese Mischung natürlich auch. „Fatal Error“ hat ein sehr experimentelles Riff, das nicht so recht zündet, und auch die Kobolt-Schreie sind eher peinlich. Und „Lost“ ist auch eher ein durchschnittlicher Grindcore. Im Großen und Ganzen war die Veröffentlichung dieser „Lost Records“ aber berechtigt.

Dazu gibt es wieder ein hervorragendes Cover-Artwork, diesmal beeinflusst von „Evil Dead 2“ und den Deadites. Wirklich sau gut umgesetzt und passend für beide Parteien. Bei EMBALMING THEATRE gibt es wieder die erklärenden Liner-Notes zu den kaputten Texten, die einen noch wesentlich kaputteren, realen Hintergrund offenbaren. Bei EXULCERATION wird die Hintergrundgeschichte zur Split erzählt und die Diskografie vorgestellt.

Derweil EMBALMING THEATRE einen soliden, aber auch verzichtbaren Job abgeliefert haben, stellt die Veröffentlichung des 20 Jahre alten Materials von EXULCERATION ein interessantes Zeitdokument dar. Ein verlorener Klassiker ist das Album sicher nicht, aber ein durchaus gutes und unterhaltsames Zeugnis für Fans von frühem Goregrind, Death-Grind, Death Metal abseits von Skandinavien und Florida. Zu haben für lockere 10 Euro direkt bei Power It Up Records.

Infos:
Power It Up – 2012
CD – 22 Lieder / 53:27 Min.
Embalming Theatre – 10 Lieder / 17:43 Min.
Exulceration – 12 Lieder / 35:44 Min.
http://www.embalmingtheatre.ch/
https://www.facebook.com/pages/Power-it-up/423461250157
http://www.power-it-up.de/