Noisear / Department Of Correction – Split


Noisear - Department Of Correction - SplitEs ist gar nicht so lange her, da hat Gast-Schreiber Rayk noch seinen Senf zu dieser Split hier veröffentlicht. Doch hat der Gute die 7″-Version dieses akustischen Chaos‘ besprochen. Nun bekam ich von Power-It-Up die CD-Version mit der Bitte um Review. Und diese unterscheidet sich ein wenig von der Vinyl-Variante. Zum einen ist das Artwork hier ein Konsens aus der kaputten DEPARTMENT OF CORRECTION-Seite und deinem organischen Tentakelmonster (zum Vergleich, die Artworks der 7″ und der CD). Das entschärft ein etwas das verstörende Bild, das die Franzosen mit ihrem Cover erzeugen – macht den Inhalt der Scheibe aber nicht minder gefährlich!

Denn da sind von jeder Band noch drei neue Songs hinzugekommen. NOISEAR haben insgesamt 9 Lieder in 9:36 Minuten, DEPARTMENT OF CORRECTION kommen auf 5:55 Minuten für 11 Songs. Das sind insgesamt 20 Tracks in gerade mal einer viertel Stunde. Die 7″ kam auf 14 Lieder, was aber keineswegs weniger Rillen-Overkill bedeutet. Ich bin mir sicher, es macht absolut keinen Spaß einen bestimmten Song auf der Platte zu suchen. Da lobe ich mir fast den Luxus der Skip-Taste für die CD-Version.

NOISEAR sind nach wie vor vertonter Stress! Irgendwo zwischen den total abgefahrenen Ideen von Brutal Truth, modernen Einflüssen von Math/Death/Djentcore wie See You Next Tuesday, Poostew, Fleshwrought sind die knapp zehn Minuten hier absolut anstrengend und vollgestopft mit sprunghaften Ideen. Erstaunlicherweise klingen die Lieder aber nie hektisch, sondern immer nur total überfrachtet. Bei manchen technischen Läufen frage ich mich zwar nach Sinn uns Zweck, denn für mich hört sich ein prägnantes, brutales und direktes Riff etwas anders an. Aber am Ende ist das Ergebnis das gleiche: NOISEAR sind ein D-Zug, der den Hörer plattwalzt.
Die „Ballade“ „Cease Existence„, das mit oldschool HxC-Uptempo gewürzte „Slit It From The Back“ und das leider viel zu abrupt endende „The Nameless“ stechen positiv aus dem Verkehrslärm hervor. Eigentlich müsste man auch noch „The Final Omen“ erwähnen, doch das ist eigentlich kein richtiger Song. Die erste Hälfte besteht aus dissonanten Drones, die zweite ist das Schlagzeug, das immer schnellere Blastbeats, hin zu Gravities spielt. Nett, aber eigentlich auch unnütz.

Wie bereits gesagt, das Cover der CD ist etwas entschärft. Der Hörer weiß nicht direkt, was für kaputter Scheiß ihn erwartet. Denn DEPARTMENT OF CORRECTION sind schlicht hektisch und chaotisch. Aber im angenehm positivem Sinn. Natürlich ist das wilde Geballer irgendwo zwischen tscheschichem (Death-)Grind und französischem Noise- und Grindcore in der Spanne von Yattaï über Gastrick Burst/Inhumate zu Gronibard immer noch schwer verdaulicher Lärm, aber für mich persönlich ist es auch die Schokoladenseite der Split.
Besonders das leicht vertrackte, Mathcore-angehauchte „Tarte Gisele“ mit seinem pessimistischem Charme oder das vertonte „Crack“ sind richtige Dampfwalzen. Auch „In Bed With Department Of Correction“ glänzt mit seinen unberechenbaren Breaks und Wechseln. Ist „Doomstar Booking Wars“ mit seinem Deathmarch vielleicht eine – nicht sonderlich gut – versteckte Nachricht an die gleichnamige Booking Agentur? Ich weiß es nicht. Der Song geht auf jeden Fall volle Suppe auf die Fresse!

Technisch-Progressiver Grindcore und hektisch-chaotischer Noisegrind. Bämm, was ein fieses Geschisse! Damit kann man definitiv all diejenigen umbringen, die We Butter The Bread With Butter oder Job For A Cowboy für Grindcore halten. Und selbst für Fans vom klassischen Sound, von Napalm Death, Terrorizer, Extreme Noise Terror, Electro Hippies oder Agathocles werden an dieser EP zu schlucken haben. Wer hingegen die extremen Auswüchse der französischen und tschechischen Szene mag, wird diese Split lieben! Trve Underground Crustpunks holen sich – sofern noch möglich – die Vinyl, wer gerne ein paar Augenblicke mehr Musik möchte, sollte die CD mit den sechs Zugaben holen. Insgesamt sind die 15 Minuten des digitalen Tonträgers mehr großzügig dosiert. Mehr von diesem Lärm und das Hirn würde schmelzen…

Infos:
Power It Up Records – 2013
CD / 7″-EP – 20 Lieder / 15:31 Min.

https://www.facebook.com/Noisear
http://noisear.bandcamp.com/

http://departmentofcorrection.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/departmentofcorrection

https://www.facebook.com/pages/Power-it-up/423461250157
http://www.power-it-up.de/