Killtown Death Fest 2013


KTDF - Header 2013

KILL-TOWN DEATHFEST! Endlich. Nachdem die vergangenen Jahre wirklich jedes Mal irgendetwas dazwischen kam, so hat es nun endlich geklappt. Wundervollerweise sogar mit kurzem Kopenhagen-Urlaub drumherum, mit vielen bleiben, schönen Eindrücken und einem gewissen Verliebtsein in diese tolle Stadt! Und erst recht in dieses Festival, das von vorne bis hinten, von der wundervoll entspannten DIY-Atmosphäre, dem supergeilen Veganfutter, den steilen Cocktails, dem entspannten und sympathischen, internationalen Publikums, den für kopenhagischen Verhältnissen super Preisen, dem absoluten Freiraum von Nazis, pöbelnden Idioten und so weiter, und so weiter… dazu gab es stets einen super Sound und die Atmosphäre während den Shows im Ungdomshuset war auch immer angemessen düster gehalten. Kurzum: perfekt!

Warm-Up

Urlaubsstressbedingt ließen wir die Warm Up Show im Loppen saußen, muss aber gut gewesen sein, abgesehen vom dortigen, wohl ziemlich beschissenen Sound. REVERIE müssen ziemlich wild und chaotisch losgedrescht haben – zugegeben, deren Demo finde ich sehr geil und das hätte ich mir schon gerne gegeben. Deutschlands ESSENZ dürften so ziemlich wie immer gewesen sein und da ich diese bereits mehrmals sehen durfte, kann ihr Death/Doom/Schwarzsludge eigentlich nur überzeugt haben. DEATH STRIKE waren dann eben wohl wie MASTER. Und wer MASTER kennt, der weiß, wo der Hammer hängt. Speckmann herrscht.

Tag 1

KTDF - 300 - tumblr_mvjfxoMZ5h1smjdfko1_1280Nun gut, da wir in unmittelbarer Nähe zum Ungdomshuset ein Appartement bezogen hatten, so waren wir zeitnah an der Location. Gleichum viele Bekannte, viele Vorabbier um dann direkt zu Frankreichs CADAVERIC FUMES im Haus aufzuschlagen. Ich stehe auf das bisher einzige Demo des ehemaligen Ein-Mann-Projektes und so wussten die Vollband auch so zu überzeugen. Nicht gleich allerdings konnte ein Funken überspringen, etwas sperrig gestaltete sich der INCANTATION-nur-komplexer-Sound, wobei es mir jedes Mal in die Beine ging, wenn alt CARCASS-artige Strukturen von der Bühne schallten. Eigentlich ist es ziemlich schade, dass quasi seitdem von der Band nichts mehr zu hören war… guter Einstieg.

Viel besser jedoch ging es direkt mit ALCHEMYST weiter. Sehr nebelig, sehr düster präsentierten die Ostdeutschen ihren schwarzen, etwas schrägen Todesblei. Heavy und äußerst stimmungsvoll wurde das Ritual vollzogen und auch ALCHEMYST wussten ganz ordentlich zu überzeugen, auch wenn man noch immer stetig das Gefühl hatte, das Publikum sein noch nicht ganz so warm gelaufen.
Weniger atmolastig und mehr auf die Glocke gab es dann bei OGDU JAHAD. Derber Black/Death der ultrablasphemischen Schule, irgendwie total infantil, klischeebeladen, nicht besonders gut performt und wenig kickend. Da ging es zwar dann deutlicher ab im Publikum, ich dagegen aber eher zum Essenstand um einen dieser hervorragenden Veganburger zu vernaschen.
ENTRAILS haben wir Dank ausgeprägtem Desinteresse gleich mit übersprungen und uns sozialen Aktivitäten gewidmet. Muss kein Fehler gewesen sein, obwohl ich annehme, Fans der Durchschnittsschweden werden zufrieden gewesen sein. Aus meinem dortigen Bekanntenkreis hat sie allerdings kaum jemand angeschaut.

Nach ENTAILS jedoch ging es Schlag auf Schlag, nicht nur mit den Bieren. CONVULSE. Eine DER finnischen Legenden schlecht hin, live, 2 Meter vor meiner Schnauze. Wow! Und am Ende leider doch nicht ganz so cool, wie erhofft, aber dennoch alles andere als schlecht. CONVULSE performten ihr Set aus vielen älteren und einigen neuen Songs einheitlich in einem recht zeitgemäßen Soundgewand. Das war sehr fett und mächtig, allerdings klangen so naturgemäß auch die alten Stücke nicht so, wie man es vielleicht gewohnt war. Dennoch kamen die Finnen äußerst cool rüber und machten mir sehr viel Spass, ohne allerdings irgendeinen nostalgischen Nerv zu treffen. Schade? Nicht unbedingt.

Anschließend zerlegten DROWNED das Haus. Für mich nicht umsonst eines der im Underground versteckten Juwelen Deutschlands. In wiederum neuerer Besetzung, dieses Mal unter Beteiligung von ESSENZ-Leuten, was dem Sound, dem Songwriting und dem Auftritt (im Vergleich zu den Malen zuvor, deren Zeuge ich war) deutlich gutgetan hat. DROWNED haben sich stilistisch etwas gen INCANTATION/GRAVE MIASMA bewegt, ohne irgendwie die Doom-Wurzeln und auch einige eigenwillige Ideen außeracht zu lassen. Das Ergebnis, passen umrandet mit Kerzen, Ketten, Totenköpfen und Kutten kam nicht nur ultrafies und böse, auch heavy ohne Ende daher. Ich für meinen Teil war eine ganze dreiviertel Stunde mehr als gebannt, mehr als von nahezu jeder anderen Band an diesem Wochenende! Saustark!

Nun war es Zeit für den Headliner. ROTTREVORE, Semi-Legende, erster Europaauftritt ever. Wie auch bei CONVULSE soundtechnisch kaum mit ihrem früher performten Neanderthalrock vergleichbar, so erschallten ROTTREVORE eher zeitgemäß, Brutal Death eben – und fühlten sich einfach fehl am Platze an. Dank des ebenso zeitgemäßen Sounds erkannte ich – natürlich ein bisschen anderweitig beeinflußt – nicht mal wirklich die Hits der alten Singles und Scheibe. Alles klang irgendwie nach TXDM und NYDM und überhaupt nicht nach dieser urartigen Dampfwalze, die ROTTREVORE und auch der zeitweisige Nachfolger EVISCIUM (mit Sharon von DERKETA) waren. Schade. Aber der Party am Ende dieses tollen Tages taten auch diese Amis keinen Abbruch!

KTDF - Collage

Tag 2

Tag zwei im Ungdomshuset zu Kopenhagen. Ausgepennt, kurz in die Stadt, ab ins Haus des Todes. OBSCURE INFINITY gaben den Opener, wobei mir Drummer Thomas als erstes eine Stunde vor Beginn über den Weg lief und das heutige Reigen an Reden und Reden und Reden mit vielerlei Menschen sympathisch eröffnete. Und OBSCURE INFINITY? Völlig zu Recht zu Gast am KTDF: Wie immer recht tight und voller Spielfreude, heavy und melodisch – so kann Death Metal zu den ersten Bieren schon Spass machen! Klasse Show einer der besseren deutschen Hopefuls.

KATECHON als zweites übernahmen dann die Rolle OGDRU JAHADs vom Vortag. Nur viel besser. Die Norweger sind ebenso chaotisch und BLASPHEMY/CONQUEROR-lastig vom Stil, ihre Blastattacken arteten stellenweise sogar in schlichten Noise aus, konnten dennoch gerade mit den langsamen, sehr schweren Parts Abwechslung und anerkennendes Kopfnicken in’s satanische Treiben bringen. Respekt, das war echt cool, trotz des etwas peinlichen Kasperltheaters auf der Bühne.

Nun folgte mit den aus der Türkei stammenden Ex-BURIAL INVOCATION ENGULFED, die mit ihrem INCATATION/IMMOLATION meets CANNIBAL CORPSE brutalo Brett mir mal vollkommen die Rübe abdrehten. Wie unerwartet fett war das denn bitte? Heavy und wetzend, dann wieder flink und brutal. Saugeil, definitiv eine DER Überraschungen des Fest – und vielleicht die schüchternste Band. Wären die Herren etwas geschwätziger und agiler gewesen, das ganze hätte noch mitreißender werden können.

KTDF - 300 - tumblr_mvjfvuvJkX1smjdfko1_1280LANTERN. Ersehnt. Für mich sind LANTERN eine der besten Death Metal Bands der letzten, sagen wir mal zehn Jahre. ‚Below‘ ist ein wirklich eigenständiges, kreatives, dennoch old schooliges Death Metal Album, dass sich nicht nur bei den Genreklassiker bedient, sondern auch etwas drüber hinaus schaut und gerade die starken CELTIC FROST Einflüsse reißen sehr viel heraus! Zügellos, atmosphärisch, episch. Und ebenso stark war deren Auftritt. Mitreißend, leidenschaftlich performt, heavy und direkt in die Magengrube ohne irgendwie irgendwelche Klischees zu sehr zu bemühen. GROSS!

Anschließend sollte es kein Halten mehr geben. Hollands Death Metal Legende PENTACLE taten, was sie eben am Besten können: zerstören. Wie lange nicht mehr mit zwei Gitarren, dem wie immer übersympathischen Wannes und mit den besten Death Metal Songs, die je geschrieben wurden. PENTACLE sind einfach auch ein Garant des prähistorischen Todesbleis, da gibt es nicht! Dead heavy, dead evil, DEATH METAL! UGH!

BLASPHERIAN lieferten das dann ab, was ROTTREVORE hätten tun sollen: Barbarischen, neanderthalischen Todesstahl, erbarmungslos heavy und mächtig, stumpf walzend und bitterböse. Dazu perfekt performt von diesem texanischen Langläufer. Vielleicht haben BLASPHERIAN einen Ticken zu lange gespielt, da sich am Ende etwas Abnutzungserscheinungen breit machten, aber bei so einer massiven Wand kann das schon mal passieren – und schließlich hatten wir schon fast 2 Tage ununterbrochenen Death Metals hinter uns.

Wesentlich filigraner und wahrlich furios sollten Schwedens TRIBULATION sein. Nicht nur, dass diese mit dem die Monate zuvor veröffentlichten Album eines DER Alben des Jahres ablieferten, sondern damit auch ein tatsächlich innovatives Metalalbum, das Black/Death der Schwedenschule mit progressiven und psychedelischen Momenten der 70er Jahre Rockmusik versieht. Und live? Viel, viel besser als die vielen Male zu vor, finde ich. Mitreißend, wahrlich, mit leidenschaftlichen Protagonisten und ebensolchen Songs, so konnten die Schweden nur gewinnen, trotz dem manchmal etwas fremdartig wirkenden Gepose des sehr femininen Klampfers. WAHNSINN!

KTDF - Tribulation

Warum man gerade EXHUMED extra als Headliner einflog, bleibt mir auch als Fan ein Rätsel. Nach der Reaktivierung sind die Amis nicht gerade selten Gäste auf europäischen Bühnen und waren es auch schon zuvor nicht. Sicher, den Klassikerstatus haben sie inne, tolle Alben sowieso immer im Gepäck, aber das hätte gerade bei der Anzahl an großartigen Bands nicht wirklich sein müssen. Finde ich. Dafür boten EXHUMED neben eines doofen METALLICA Covers eine wundervolle old school Performance mit vielen Klassikern bis hin zu Demozeiten, witzigen Sprüchen gerade zu den textlich wenig zimperlichen Songs von „Slaughtercult“ – gerade zum Beispiel „Forged in fire (formed in flames)„. Neben der tadellosen Performance gab es – wie früher bei EXHUMED auch – eine witzige Show mit Vomit- und Kettensägenkillereinlagen, die nicht nur dem Publikum ordentlich Spass machen, der Band offensichtlich auch! So muss das sein und so waren EXHUMED auch ein schöner, stimmiger Abschluss des Festivals.

Unser Dank für dieses tolle Festival und die gute Zeit in CPH an dieser Stelle geht an Daniel für die Einladung und unkomplizierter Hilfe, Julie für die günstige, kurzfristige Logie und Hilfe, Cruciatus/LANTERN, Mr. Noisehunter, David M., Kim und Luca, Rami/CONVULSE, Thomas/OBSCURE INFINITY, OPHIS und an alle anwesenden und neu gewonnenen Freunde und Bekannte, Matze, Hage, Rebecca, Patrick, Roman, Hannes und Betti und die anderen Berliner, Leimy, Hacker und den Rest der NRW-Crew, und, und, und… Bis nächstes Jahr!

Olivia und Lobi. Fotos: Olivia Krawczyk.