Kathartik – Sublume Decay


Kathartik - Sublume Decay

Die aktuelle Retro-Welle überschwemmt das Land; die Szene! Da bin ich eigentlich froh, wenn eine Band versucht, ihr eigenes Ding durchzuziehen. KATHARTIK aus Essen sind so eine Band. Sie klingen eigenständig und schielen nicht auf einen momentanen Trend. Sie spielen modernen Death Metal mit vielen Black Metal Zitaten, ohne dabei in Deathcore oder sonstige Störmungen zu tendieren. Eigentlich alles Punkte für die Band… Doch ist das erste Full-Length immer noch sehr durchwachsen.

2008 gab es das erste Drei-Track-Demo, ein Jahr später folgten einige Songs auf Myspace. Seit Februar 2013 ist das erste Full-Length erhältlich. Sieben eigene Lieder, auf schwarzer CDr mit professionell gedrucktem, achtseitigem Booklet und Inlay. Limitiert auf 250 Exemplare. Soweit alles nett aufgemacht, wenngleich die Lyrics fehlen. Und wer diese „Kompanie Aachen“ ist, die in den Danksagungen erwähnt ist, weiß ich leider auch nicht. Doch ist dieses Detail wohl eher für mich als Öcher verwirrend und weniger für das Review relevant.

In Knapp 50 Minuten versuchen KATHARTIK ihre eigene Vision der Musik zu verdeutlichen. Wie gesagt, die Ideen sind frisch und abseits von aktuellen Trends. Oldschool Death(/Black) Metal und Deathcore spielen keine Rolle, obgleich das Quintett aus den Ruhrpott recht modern klingt. Der Sound ist sicherlich noch ausbaufähig. Allein das Drumkit klingt grausam! Wenn die schnelle Doublebass im Opener „Paroxysm Of Grief“ schon mal übertriebene Fills spielt, erinnert der synthetische Sound sehr an einen Drumcomputer. Glücklicherweise sind solche Ausbrüche im weiteren Albenverlauf recht selten. Die Gitarren bleiben leider durchgehend recht bauchlos, was dem Black Metal-Touch aber auch zu Gute kommt.

Musikalisch stehen den eigenen, dissonanten Ideen oft noch das frühe Stadium der Band im Wege. Zu häufig kommt die Band nicht direkt auf den Punkt, sondern verliert sich in ihren Vorstellungen. „Archaic Lament“ klingt noch sehr unstrukturiert, „Cult“ ist ein wenig chaotisch. Dazu kommt die Intention, psychedelische Momente in die Musik aufzunehmen. Spoken Words und der Versuch an Post-rockigen Elementen in „Aftermath Decay“ oder der Versuch des epischen, atmosphärischen Parts aus „P#rn„. An beiden Stellen ist die Grundidee gut, aber die Ausführung verlangt noch etwas Übung von KATHARTIK.
Masterplan“ schwingt zwischen netten Adaptionen von Satyricon und gut gemeinten Experimenten, die leider etwas über den Verhältnissen der Musiker ausgelebt werden und damit chaotisch klingen.

Im Into „Purgation By Fear“ und dem namenlosen Interlude nach der Pflicht, klingen Einflüsse aus E/IBM und Industrial durch, Elemente der Marke Godflesh, die sicher noch mehr in die eigentliche Musik einfließen könnten und KARTHARTIK noch mehr eigenes Profil verschaffen würden – Vorausgesetzt, dass die aktuelle Mischung aus Death, Black und psychedelischem Krempel pointierter serviert wird. „Sublime Decay“ hat an dieser Stelle deutlich Luft nach oben.

Bei der Cover-Version „In The Year 2525„, im Original von Zager & Evans, haben KARTHATIK hingegen gänzlich versagt! Der Beginn ist noch brauchbar, wenn die Instrumentalisierung das Hauptthema nett aufgreift und der klare Gesang noch halbwegs passt. Spätestens wenn pures Black Metal Geballer und sinnloses Gekeife den Song dominieren, rollen sich mir die Zehennägel auf. Etwas mehr Dynamik und Abwechslung hätte der Interpretation gut getan. Und am Ende muss man sich auch eingestehen, dass manche Songs einfach nicht für eine Metal-Version gemacht sind. „In The Year 2525“ ist sicherlich einer davon.

Bis auf dieses Cover, haben KATHARTIK ihr komplettes Debüt auf Soundcloud hochgeladen. Ich war so frei und habe die einzelnen Lieder mal als Set zusammengefasst und hier eingefügt, damit man sich selber ein Bild von Album und Band machen kann – ich hoffe, die Band ist mir nicht böse darum. Die Ideen sind Gut, bis zur Perfektion müssen die Essener noch etwas an ihrem Material feilen. Es ist halt noch kein Meister vom Himmel gefallen…

Infos:
Eigenproduktion – 2013
CD – 9 Lieder / 47:35 Min.

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https://soundcloud.com/kathartik