Accion Mutante – Worse Than A Virus


Accion Mutante - Worse Than A VirusBeim Namen ACCION MUTANTE sollte es eigentlich klingeln. Jeder, der sich schon mal mit Crustcore auseinander gesetzt hat, wird wohl über die untriebige süddeutsche Truppe gestoßen sein, die bereits seit 1994 ihr Unwesen im Underground treibt. Unzählige Splits und Eps gehen auf das Konto der Band. Doch viele Full-Length Alben gibt es nicht. Wenn ich mich nicht irre, ist „Worse Than A Virus“ der erste oder zweite Langspieler (Compilations mal außen vor gelassen) – doch an dieser Stelle lasse ich mich gerne von den Punks dort draußen korrigieren!

Schlussendlich kann ich aber auch verstehen, warum ACCION MUTANTE primär auf EPs und Splits setzt. Crust wirkt in kompakter Form einfach am besten. Auf die Dauer von knapp 40 Minuten zeigt „Worse Than A Virus“ schon mal einige Ermüdungserscheinungen. Da zeigt sich mal wieder: Less is more!

Doch von vorne! Standesgemäß sind die ollen Krusten angepisst von der Gesellschaft. Die Menschheit, ein Virus. Ein These, die man in Punk, Crust, Grind, Metal immer wieder antrifft. Alles Stile, die ACCION MUTANTE für sich instrumentalisiert. Da bietet sich der Monolog von Agent Smith aus Matrix förmlich an, wenn er von der Menschheit als parasitäre Lebensform spricht. Nicht direkt erkenntlich, aber eindeutig stammt das verzerrte Intro aus dem philosophischen Film. Gefolgt von derben D-Beat. Schnörkellos, dreckig und pessimistisch. Einfach volle Kanne auf die Fresse!
Doch gerade das typische D-Beat Crustcore-Schema wird auf „Worse Than A Virus“ an manchen Stellen zu häufig benutzt. „Narcississm Of Mankind„, „Stop FGM„, „Misanthropolis„. Coole Songs, mit coolen Riffs, die eigentlich Spaß machen. Ab „The First Stone“ wird es dann aber langsam etwas gleichförmig. Obwohl ein paar geringfügig neue Fassetten hinzukommen, ist „Bored“ gleichermaßen durchschnittlich. Natürlich darf das Genre auch nicht zu viel Variation bringen, es muss simpel, brutal und schnell sein. Das sind die Grundpfeiler des Crustcores. Die zweite Albenhälfte zeigt jedoch, dass man mit diesen Zutaten auch agiler arbeiten kann.

Der schleppende Downtempo-Part in „The Key„, der coole Refrain und rollende Teil aus „Prophecy„, das etwas hoffnungsvollere Riff vom „Zombie J„. Oder „Evil Aliens„, das auch diesen gewissen Birdflesh Charme hat.
No“ oder „I Would Do It Again“ gehen mehr in die Grindcore-Ecke und sind schnörkellos brutal – mit einer Menge Blastbeats. Alles super Songs!
Und auch die kleinen Details wissen auf „Worse Than A Virus“ zu gefallen. Die Gesangsphrasierung aus „Kranenwald“ oder das Wolfbrigade-Riff von „Der Erste Schnee„.

ACCION MUTANTE sind gut. Aber sie verwenden über die lange Spielzeit einfach etwas zu viel Füllmaterial. Das ist sicherlich auch gut gespielter D-Beat, aber eben recht gesichtslos. Wäre das Album etwas komprimierter, wäre es eine Bärenscheibe! So ist „Worse Than A Virus“ einfach nur „gut“ mit ein paar Längen.

In Szenekreisen erwartet man aber sicherlich auch eine gewisse Portion Klischees. Sowohl musikalisch, wie auch ästhetisch. Darum muss man auch dem etwas einfallslosen Cover-Artwork verzeihen. Oder auch dem Booklet, das eine Mischung aus gesellschaftskritischen Standardbildern und Bandfotos ansammelt. Doch Moment! Zwischen weinenden Kindern und schwer vermummten Polizisten finden findet sich auch „Dusty The Dog“ und Stuttgard 21. Es sind also nicht nur Floskeln, die ACCION MUTANTE erfüllen will, sondern dahinter steht schon eine Botschaft. Das vermitteln auch die rudimentären Liner-Notes, die einige Texte kurz erklären und zusammenfassen. „Worse Than A Virus“ ist eben doch mehr als Musik, es ist ein Statement.

Infos:
Power It Up/Give Praise Records – 2013
CD/LP – 17 Lieder – 38:02 Min.
http://accion-mutante.com/
https://www.facebook.com/pages/Accion-Mutante/219904161433291
http://www.power-it-up.de/
https://www.facebook.com/pages/Power-it-up/423461250157