Unkind – Pelon Juuret


Unkind - Pelon Juuret

Wir waren mal wieder mit der Band zu vier Mann, inklusive Equipment, quer durch Deutschland unterwegs. In einem Suzuki Swift, aus den Boxen ballerte Disfears „Live The Storm„. Autobahn, klappriger Kleinwagen, das entwickelte gewisse Störgeräusche, die mein Hirn zu Blechbläsern interpolierte. Und erstaunlicherweise passten die imaginären Trompeten super zum D-Beat. Als ich dann den Song „Kaivannot“ vom Relapse-Einstand hörte, mit echten Bläsern, waren UNKIND meine Helden!

In der Tat war „Harhakuvat“ ein ungewöhnliches Hardcore-Album. Trompeten, Klavier, baladeske Downtempo-Momente, alles vermischt mit düsterem, skandinavischem Hardcore. Bämm, damit haben UNKIND sicherlich polarisiert – und gleichzeitig eine eigene Duftnote in die Szene gesetzt.

Pelon Juuret“ ist nicht mehr ganz so experimentell. Vom generischen Durchschnitt sind UNKIND aber immer noch meilenweit entfernt. Vielleicht ist es aber gerade die Mischung aus verspielten eigenen Einflüssen und traditionellem Neocrust, die das Album etwas eingänglicher, leichter verdaubar macht?

Genre-fremde Instrumente finden sich leider nur noch im Rausschmeißer „Saattokoti„, wenn ein Banjo ein bisschen rumklimpert. Ein bisschen mehr Big-Band hätte ich mir persönlich schon gewünscht. Aber es sind die kleinen Details, die „Pelon Juuret“ immer noch abheben. Beispielsweise der dicke Dark Wave-Schlag aus „Valatakunta„. Treffen hier Sisters Of Mercy auf neuere Tragedy? Ich würde den Song zumindest so umschreiben. Das sludgy schleppende „Viallinen“ klingt auch mehr nach einer Light-Version von Mourne als nach einer typischen Dark Hardcore-Band, voller Nihilismus und musikalischer schwärze. Und auch „Olemisen Pelko“ spricht eigentlich Bände: „Die Welt ist in Schutt und Asche, wir leben in der Endzeit, haben aber immer noch einen gewissen Funken Hoffnung!“ Vielleicht der bezeichnendste Lichtblick von „Pelon Juuret„, das an sich in einer fatalistischen, postapokalyptischen Welt lebt.

Doch es gibt auch andere, leicht melancholische Momente der Wanderlust. „Laki“ oder „Vihan Lapset“ rufen zur Reise auf Wolfbrigades „Unknown Roads„. „Ketoon Tapetut“ unterstreicht diese Aufforderung mit dickem Nachdruck und ordentlich Energie. Doch primär sind UNKIND fatalistisch und ziemlich düster drauf. Oft klingt dieser Tragedy/His Hero Is Gone/From Ashes Rise Tenor durch. Und auch wenn die brillanten Melodien an Massmörd erinnern, ist es eher das zynische Auflachen der Verdammten.

Wenngleich es homogener ist, wirkt „Pelon Juuret“ direkter, stimmiger und packender als „Harhakuvat„. Es ist ein dichtes und intensives (Neo-)Crust/Dark Hardcore/D-Beat Album, ausschließlich mit guten Songs. Wer immer noch skeptisch ist, findet – Relapse sei Dank – die komplette Scheibe im Stream auf Bandcamp!

Infos:
Relapse Records – 2013
8 Lieder – 34:27 Min.

https://www.facebook.com/UnkindHardcore
http://unkindband.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/RelapseRecords
http://www.relapse.com/