This Gift Is A Curse – I, Guilt Bearer


This Gift Is A Curse - I, Guilt Bearer

Ach, welch süßem Irrglauben man doch unterliegen kann. „Black Metal“ – schwarze Musik. Dabei ist vieles in diesem Genre nur noch Make-Up und optisches Klischee. Vielleicht garniert mit dämlichen Plattitüden. Dass die finstere Musik hingegen mehr durch Attitüde lebt, vergisst so mancher Fan und Musiker. An dieser Stelle sind Avantgardisten und Stil-Mischer viel interessanter. Wenn man außerhalb der neuen französischen Progression und abseits von Post-Entwicklungen sucht, findet man die spannendsten Interpretationen im Blended Hardcore. Bands wie Tombs, Planks, Downfall Of Gaia, Celeste oder Hexis vermischen die Genre und erschaffen eine wütende Klangwelt, die sich viele reinrassige Black Metal Bands nur wünschen könnten.

In diese Reihe kann sich eigentlich auch das schwedische Quartett THIS GIFT IS A CURSE gesellen. Völlig zwischen den Stühlen, reist „I, Guilt Bearer“ von Black Metal zu Drone, von Hardcore zu Sludge und ist dabei pechschwarz wie eine sternenlose Neumondnacht unter wolkenverhangenem Himmel.

Dabei durchschreitet das Debütalbum eine klare Entwicklung. Zu Beginn dominiert noch mehr der Black Metal. „The Swarm“ mit deutlichen Spuren von Tombs, „Inferno Ad O“ mit Planks in den Riffs. Intensive Songs mit verdammt viel Energie und dichter Atmosphäre, nihilistischer Klanggewalt. Doch merklich ändert sich der Stil, wenn „Att Hata Allt Männskligt Liv“ mit seinen Drones und dissonanten Ideen mehr an Altar Of Plagues oder Nesseria erinnert. Spätestens ab „Deceiver“ emanzipieren sich THIS GIFT IS A CURSE immer weiter von gewohnten Ideen und Strukturen. „1901“ oder „Head And Arms“ sind Kollagen, mit Musik nur noch im entfernten verwandt. Vielmehr sind es noisy Mantren, repititiv und reduziert, in den Ttiefen des dunkelsten Dooms. Zwar erhebt sich das Hardcore-lastige „Sounds Of Broken Bells“ wieder etwas aus dieser krachigen Entwicklung, aber spätestens das abschießende „I Will Swallow All Light“ zeigt die klare Tendenz in seinen knapp neuneinhalb Minuten; THIS GIFT IS A CURSE haben keine Hoffnung und offenbaren auf „I, Guilt Bearer“ ganz klar und drastisch ihre Frustration. Die aufkeimende Melodie in diesem letzten Song ist nur der letzte sterbende Funke Zuversicht.

Die Reise durch die zerrüttete Welt von „I, Guilt Bearer“ ist episch, lang und unbequem. Zum einen zehrt die Spieldauer von fast 50 Minuten. Doch gerade das verstörende Spiel mit Drones, zähen Tempi und dissonanten Klangwänden macht einige Passagen noch mürbender und anstrengender. Wenn ich ehrlich bin, hat mich der Mittelteil des Albums beeindruckend befremdet. „Deceiver„, „1901“ oder „Head And Arms“ sind wirklich abgefahrene Nummern. Doch gefallen mir persönlich die Songs mit etwas mehr Drive besser. Highlights sind „Sounds Of Broken Bells„, „Inferno Ad O“ oder das mächtige „The Crossing„, ein Hammersong!

Das Gesamtbild ist sicherlich sehr ambivalent. Wer mit Scheuklappen an das Album geht, wird es wohl kaum verstehen oder auch nur ansatzweise die Ausmaße erfassen können; dafür sind THIS GIFT IS A CURSE zu mannigfaltig. Und selbst mit einem offenen Geist ist „I, Guilt Bearer“ nicht gänzlich funktional. Da haben gerade Tombs oder Planks es wesentlich besser raus, die verschiedenen Einflüsse zu mischen und trotz der langen Spieldauer auf den Punkt zu bringen.

Dank dem guten Service von Band und dem Label Monotonstudio Records, kann man das Album in Gänze auf Bandcamp anhören und sogar kostenlos runterladen. Wer dann Interesse an einer physischen Kopie hat, sollte sich ranhalten. Monotonstudio Records hat von „I, Guilt Bearer“ bereits die zweite Pressung draußen – und diese neigt sich gerade rapide dem Ende entgegen! Die CD gibt es von Ecocentric Records.


Infos:
Discourage Records / Ecocentric (CD, 2012) / Monotonstudio Records (LP, 2012/2013)
CD/LP – 9 Lieder / 49:25 Min.

http://thisgiftisacurse.bandcamp.com/
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