Spheron – Ecstasy Of God


Spheron - Ecstasy Of God

Schlagworte können einem das Leben vereinfachen! Durch schnelle Kategorisierung kann man den täglichen Input filtern. Gerade durch Genre-Schubladen erleichtern die momentan verfügbare und immer weiter wachsende Masse an Musik zu selektieren. Doch leider sind die Begrifflichkeiten mittlerweile nicht mehr so abgegrenzt, wie man es sich vielleicht wünschen würde. „Technical Death Metal“ – das umfasst alles von späten Death zu Atheist, von Necrophagist, Obscura und Deadborn zu Origin und Braindrill. Diese undifferenzierte Masse wirkt teilweise erschreckend, will man nur noch emotionsloses Gewichse auf Akademiker-Niveau? Musik ist doch eigentlich eine Sache von Feeling und Attitüde, gerade im Death Metal…

SPHERON sind da ein Positiv-Beispiel. Die vergleichsweise junge Band aus Ludwigshafen ist sicherlich technisch versiert. Aber der Anspruch bewegt sich auf verdaubarem Niveau, abseits von unmenschlichen Griffbrett-Reitereien und BPM-Rekorden. Im Gegenteil, teilweise ist das Drumming sogar schon so reduziert im Ufta-Ufta-Polka-Beat unterwegs, dass ich fast schon den Kopf schütteln will. Doch die Einheit macht das Gesamtbild! Und da sind SPHERON eben nicht übertrieben und der Technik als Selbstzweck unterworfen. Vielmehr stehen die Songs im Vordergrund.

Damit bewegen sich die Debütanten auch in schwieriges Gewässer. Gerade regiert die Retro-Welle als Kontergewicht fungiert sterile Mechanik an den Instrumenten. Funktioniert da eine Balance aus Atmosphäre, Gefühl und technischem Anspruch?
Kurzum kann man sagen: Ja, total! „Ecstasy Of God“ umfasst gut 53 Minuten Spielzeit, die niemals sonderlich langatmig wirken. Alleine das spricht für SPHERON. Und im Detail verstecken sich sogar richtige Hits auf dem Album! „The Beheaded Coachman“ hat im hinteren drittel verdammt coole Gesangslinien mit griffigen Gitarren. „Saturnian Satellites“ ist ein mächtiger Song, der mich bereits vor Albumrelease auf die Band aufmerksam gemacht hat.

Leider zeigen sich auch schwächere Momente auf „Ecstasy Of God„. Abgesehen von den eigentlich recht coolen Interludes und Instrumentalstücken „A Means To An End„, „Prelude To The Misery„, „Anthropogenic„, sind auch einige mittelmäßige Nummern auf der Scheibe. Gerade im schleppenden „Pulse Of Instinct“ passiert irgendwie gar nichts. Da hat das nachfolgende „Tragedy Of The Clerics“ schon wesentlich mehr zu bieten, auch wenn mit das Schema des Songs sehr bekannt vorkommt. Die Stakkatos aus „Prestiges Of The Mortals“ nerven irgendwie, und „From The Glint To Crackling“ ist ein wenig zu pathetisch.

Im Albenkontext hätte SPHERON eine Straffung richtig gut getan. Wenn man die 53 Minuten von „Ecstasy Of God“ um die genannten Längen reduziert hätte, wäre es ein überragendes Debüt geworden. So zeigen sich leider die leichten Schwächen deutlicher. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass die Attitüde stimmt! Die Soli sind alle voller Herzblut und Emotionen, die Atmosphäre und einige Melodien erinnern an Nile oder Melechesh, „Clasp The Throns“ hat zu beginn sogar einen gewissen Atheist Vibe. Und die Immolation-Düsternis aus „Saturnian Satellites“ oder „The Beheaded Coachman“ hat mir natürlich besonders gefallen.

Nach dem Interesse-weckenden Funken „Saturnian Satelites„, halten SPHERON nicht gänzlich die hohen Erwartungen. Doch das liegt primär einfach an der Überambitioniertheit. Wäre „Ecstasy Of God“ etwas kompakter und hätte etwas mehr Elemente aus genanntem Song oder dem verdammt mitreißenden Ende von „The Beheaded Coach„, sähe es schon anders aus, und das Album wäre ein echtes Highlight. So muss ich aber gestehen, dass es sich „lediglich“ auf gutem Niveau bewegt.

Fans von aktuellen Deadborn sollten ruhig mal reinhören. Die Band selber darf gerne meine Kritik annehmen und beim nächsten Mal einen ordentlichen, gestrafften Hammer hinlegen (;

Infos:
Apostasy Records – 2013
12 Lieder / 53:03 Min.

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