Hammerheart Fanzine – Ausgabe 7

 

2013 - Hammerheart - Ausgabe 7
Irgendwie bin ich zwiegespalten. Rein von der Aufmachung und der Qualität des Inhaltes, ist die neueste Ausgabe des Hammerheart Fanzines wiedermal ganz großes Kino! In konsequenter Tradition braucht sich dieses Fanzine vor keinem Kioskblatt zu fürchten. Offset-Druck, vierfarbiges Cover, glossy Seiten und ein sehr sauberes Layout. Dennoch bleibt eine coole Grundstimmung erhalten. Dazu trägt sicherlich auch das typische Cover aus der digitalen Feder von Frank Melech bei. So schön minimalistisch, düster und aufgeräumt, präsentiert sich wohl kein zweites Fanzines!

Im Inneren, hätte ich vielleicht an manchen Stellen den Text noch etwas mehr vom Hintergrund abgehoben, beispielsweise im Interview mit Schammasch oder gerade den optisch unruhigen Gesprächen mit Eïs oder Alchemyst. Diese kleinen „Ausrutscher“ überraschen im Gesamtbild ein wenig. Denn an vielen Stellen werden die Texte durch entsprechende Flächen/Textrahmen vom Hintergrund besser abgehoben. Doch sind dies kleine Details vom großen Ganzen. Ich habe das Gefühl, dass das Layout insgesamt noch etwas runder und stimmiger geworden ist!

Im Vergleich zur vorigen Ausgabe, hat die Seitenzahl deutlich abgenommen. Wo Heft Nummer 6 noch auf 100 Seiten kam, gibt es heute gerade mal 80. Entsprechend ist auch der Inhalt „weniger“. 13 Interviews und 25 dedizierte Seiten für Reviews jedweder Couleur. Durch die reduzierte Anzahl der Gespräche, ist leider auch der gemeinsame Nenner zu meinem persönlichen Musikgeschmack geschrumpft. In der Schnittmenge „Death Metal“, finden sich Alchemyst, Crimson Death, The Forsaken und Retaliacao Infernal. Einzig erstgenannte ist für mich von wirklichem Interesse.
Doch das Hammerheart hat eine besondere Stärke: Es wird von begeisterten Enthusiasten geschrieben, die es mit Leichtigkeit schaffen, ihre Leidenschaft für eine Band in Schriftform zu bringen, damit beim Leser den Funken zünden zu lassen. Würde ich mich normalerweise für Symphonic Black Metal interessieren? Nein, aber Chefredakteuer Christian Metzner macht schon irgendwie Appetit auf Saille. Gleiches schafft der Autor auch in seinem Interview mit Eïs oder A Forest Of Stars. Zwei Namen, die mir nun tief im Gedächtnis sitzen, und die ich alleine auf Grund der Zwiegespräche anchecken MUSS. Leider war Schreiber Thor wohl sehr mit seinem eigenen Fanzine, dem Mörkesky beschäftigt. Von ihm sind die Unterhaltungen mit Lux Divina und der „Stoner“-Band Stonehead in dieser Ausgabe, die leider nicht an das brillante Gespräch mit Audravil aus Heft #6 rankommen. Darüber hinaus stammen aus seiner Feder noch die drei Buchbesprechungen und Liveberichte – bei den CD-Reviews bin ich an dieser Stelle nicht sicher, ist aber auch Wurst!

Die Bücherrezensionen sind interessant. Neben dem obligatorischen Review zur Voices From The Darkside Anthologie, gibt es noch eine Besprechung von Sebastian Berndts „Gott haßt die Jünger der Lüge“ – ein „Versuch über Metal und Christentum“ – und als Schlusswort des Heftes: „Rechtsextreme Gewalt in Deutschland 1990-2013„. Zwei eher atypische Werke, die intelligent betrachtet werden.

Wer das Hammerheart kennt weiß, dass es nicht nur Bathory vergöttert, sondern auch Emperor liebt. Entsprechend war ein Special über das Tribut-Album „In Honour Of Icon E“ verpflichtend. Neben einem ausführlichen Interview mit dem verantwortlichen Label Tryzna Productions und einer tiefgehenden Besprechung des Samplers, finden sich auch kurze Unterhaltungen mit einigen beteiligten Bands: Demonical, Necrodeath, Troll, Midnight Odyssey und Mesmerized. Emperor selber waren leider nicht für ein Gespräch zu haben, was Christian Metzner auch sehr bedauert.
Außerdem gibt es eine flotte Unterhaltung zwischen Rayk und Heavy Forces Records als Label-Special.

2013 - Hammerheart - Ausgabe 7 in voller Pracht

Wo die Interviews noch recht stimmig in bestimmten Genregrenzen verlaufen, scheren die CD-Besprechungen schon mal etwas weiter aus. Rayk und seine Freundin Katja bedienen mal wieder ordentlich die extremen Stile. Death Metal und Black Metal. Gefühlt machen die zwei das Gros der Besprechungen aus und sind alleinig für die Vinyl und Tape-Sektion verantwortlich. Fast möchte man gleiches über die Fanzine-Ecke behaupten, aber da spielen Christian Metzner und Thor Joakimsson, der mitunter eine fantastische Besprechung zum Doom Metal Front-Fanzine geschrieben hat, mit. Als Ausgleich für die Übernahme der Vinyl/Tape-Abteilung, steuert Metzner alle – also die beiden – DVD-Reviews hinzu.
Neben Death und Black, finden sich natürlich wieder viele Doom- und Pagan-Geschichten unter den CDs. Auch Okkult-Rock, traditioneller Heavy/Speed Metal, Kasperle-Theater à la Children Of Bodom/Cradle Of Filth, Ausreißer in Neue Deutsche Härte (ja, das ist ein Genre und ja, das gibt es schon ein paar Jährchen), Thrash Metal oder moderne Stilistiken wie Metalcore/Deathcore vervollständigen das heterogene Bild. Für mich etwas zu divers, denn zum Großteil interessieren mich die besprochenen Sachen nicht. Und mich irritieren etwas die Partner-Reviews von Christoph Heß und Oliver Moorsdorf. Sind wir hier bei „Zwei Stühle Eine Meinung“? Nein, ich will keinen gemeinsamen Konsens, sondern eine totalitäre Einzelmeinung! Dafür ist das Hammerheart doch ein Fanzine.

In diesem Haufen an unterschiedlichen Kritiken, gibt es natürlich immer wieder auch gewisse Highlights, besonders der Kollege Rayk haut wieder große Klöpper raus! Beispiel?

„Hochgradig schwuler Mumpitz, der es nicht wert ist, besprochen zu werden. (0P.)“

Vielleicht nicht die professionellste Art einen Tonträger zu besprechen, und absolut nicht politisch Korrekt. Aber durchaus unterhaltsam, diese emotionale Bewegtheit in Rayks Reviews.

Zum Thema Politik ist mir eine klitzekleine Unstimmigkeit in diesem Hammerheart aufgefallen. Das Fanzine bezieht immer klar Position gegen Rechts, fragt schon mal gerne strittige Bands nach ihrer Stellungnahme und kommentiert in Interviews, wenn die ein oder andere Aussage nicht unkommentiert bleiben sollte. So auch im Gespräch mit Winterfylleth, wo Christian sich klar gegen Drudkh ausspricht. Schade, dass bei den Reviews, in der Besprechung von Svyatogor, ausgerechnet diese Band als Referenz angegeben wird. Aber ein Fanzine ist auch immer die Summe aller Schreiber – wobei ich der Katja (Schreiberin der Svyatogor-Rezension) keine, ich wiederhole, keine Rechtsoffenheit oder ~Sympathie unterstellen will! Und dieser Kritikpunkt auch nur am Rande, soll die Erwähnung einer NSBM-Band nicht das Gesamtbild des Hammerhearts überschatten.

Wie anfänglich geschrieben: Irgendwie bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite sind die Interviews und Specials (dazu zähle ich nun auch die Live-Reviews) grandios. Es ist Herzblut als Text, spannend, packend und ansteckend. Doch sind die Themen dieser Ausgabe eher so… Meh. Das ist aber lediglich meine eigene Meinung, da ich eigentlich aus einer musikalisch ganz anderen Ecke komme und entsprechend einfach nicht das Verständnis für die präsentierten Bands habe. Gleichermaßen kann mich das breite Spektrum der Reviews nicht richtig fesseln – obwohl ich mir für diese Rezension wirklich jede Kritik durchgelesen habe. Das ist aber lediglich meine persönliche Meinung zu den Inhalten.

Wenn ich das Hammerheart differenziert betrachte, und meine eigenen Vorlieben außen vor lasse, dann ist es nach wie vor ein hervorragendes Fanzine, das definitiv Support verdient hat. Besonders Fans aus den Bereichen Doom, Pagan, Black sollten hier eine Pflichtlektüre haben! Gleiches gilt aber auch für jeden Metaller, der sich gerne in guten Interviews verliert und Inspiration holen will.

Zum Schluss gilt vielen Dank dem Rayk, der mir wiedermal mein Rezensionsexemplar zuschickte und damit viele kurzweilige Stunden bei der Zugfahrt und auf der Toilette beschert hat!

Infos:

  • Inhalt:
    • 13 Interviews mit: Winterfylleth, A Forest Of Stars, Eis, Lux Divina, Alchemyst, Crimson Death, The Forsaken, Schammasch, Memory Garden, Saille, Tragic Cause, Stonehead, Retaliacao Infernal
    • Live-Berichte zu: The Sword, Lonely Kamel und Long Distance Calling, Solstafir, Audrey Horne
    • Specials: Emperor Tributalbum „In Honour Of Icon E“ und Label-Vorstellung Heavy Forces Records
    • Reviews auf 25 Seiten: 122 CDs, 8 LPs/EPs, 1 Tape, 2 DVDs , 11 Fanzines, 1 Buch
    • Plus Reviews zu den Alben der interviewten Bands, Plus zwei Buch-Reviews, die mitten im Heft sind
  • Umfang: 80 Seiten / Aufmachung: 4c-Cover, Innenteil s/w, professionelles Layout und Offset-Druck
  • Sprache: Deutsch
  • Preis: 3 Euro (+ 1Euro P&P)
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