Dissouled – Inject The Grind-Cure


Dissouled - Inject The Grind-Cure

Da haben mich DISSOULED wirklich überrascht! Ich fand bereits die Idee beim Vorgänger sehr interessant, Grindcore, Rock’n Roll und Groove mit einem gewissen Augenzwinkgern zu vermischen. Leider war der damalige Versuch recht ermüdend, weil „Rock A Beatin Grind“ doch etwas monoton und nach Schablone F ablief. Diese Kritik haben sich die Wolfburger Grinder wohl sehr zu Herzen genommen und liefern drei Jahre später ein sehr unterhaltsames und abwechslungsreiches Album ab.

Viele Trademarks haben DISSOULED aufrecht erhalten, und man kann in gewissem Maße von einem eigenen Stil sprechen. Besonders „Rancid Birds, Rancid Bees“ hat diesen typischen Charakter. Ja, wenn man Fun und Augenzwinkern als elementaren Bestandteil der Band betrachtet, die Möglichkeit, zu einem Song derbe im Moshpit abspacken zu können, dann ist sicherlich auch „Schmutichputzichnich“ oder die Tanznummer „Phallometric Frency“ weiterhin genau das, was man von DISSOULED erwartet. Derweil letztgenanntes Lied mit prolligen Gangshouts zum Mitgrölen einläd, bietet das gesangliche Geblubber aus dem Schmutzig-Lied den Soundtrack für Handkanten-Circlepit-Mosh-Action. Und natürlich wurde dieser dicke Birdflesh-Einschlag weiterhin aufrecht gehalten. Besonders in der zweiten Album-Hälfte, in „Pulled Out Picked Coloured Brown“ oder ganz extrem in „Wobbling Exercration“ kommt diese Seite stark hervor. In letzterem schimmern aber auch einige Einflüsse von Haemorrhage hindurch, die – etwas weitergesteckt – auch „Complete Rectal Prolapse“ bestimmen. Das Regurgitate-Cover zeigt, dass die Einflüsse aus dem Goregrind allgemeiner, und nicht speziell auf Spaniens Vorzeige-Pathologen limitiert sind. Aber auch D-Beat und Crust kommen mehr in die Musik. Gerade der Opener „iCore“ klingt wie Autopsy auf dem D-Beat-Tripp. Spätestens „Success Becomes The Norm“ erinnert (auch stellenweise vom Gesang) an Mindflair oder Unlearned.

Inject The Grind-Cure“ ist eine schlüssige Reise durch verschiedene Aspekte, die die aktuellen DISSOULED unterhaltsam machen. Angefangen im Crust/D-Beat über Slam/Fun-Grind zu Goregrind und abschließend zu zwei Ausnahmen. Zunächst das Paroxysm Cover, wo ich leider das Original nicht kenne, spontan aber behaupten würde, so klingen Gronibard, wenn sie bösen Popo-Sex mit Haemorrhage haben. Zumindest würde ich auf Grind dieser Interpretation eine solche Aussage treffen (; Und als Bonus-Track gibt es eine dicke Kelle Rock’n Roll. An dieser Stelle Frage ich mich – nicht zum ersten Mal – wo ein Bonus-Track überhaupt noch „Bonus“-Zugabe ist, wenn er regulär auf jeder Version eines Albums enthalten ist (besonders, wenn es nur eine Edition gibt)? Sicherlich keine relevante Frage für das Review, aber interessieren würde es mich dennoch…

Etwas Genre-weisendes liefern DISSOULED mit diesem Album nicht ab. Aber das war auch gar nicht ihre Intention.Sie wollen einfach Musik machen, die ihnen Spaß macht. Und dazu gehört auch ein gewisser Faktor an Humor und Selbstironie. Einigen Die-Hards mag das aufstoßen. Das ist aber schnurzpupe, denn DISSOULED wollen auch gar nicht true sein. Sie nehmen sich die Freiheit, und machen mal einen auf sozialkritisch, wie in „Success Becomes The Norm„, erlauben sich auch plumpe Spaß-Nummern wie den „Schmutzichputzichnich“ oder klischee-tropfende Gore-Geschichten à la „Complete Rectal Prolapse„, auch, oder gerade weil es kein eigener Song ist. Am Ende ist „Inject The Grind-Cure“ ein Album, das locker durch die Anlage rotiert. Und live sicherlich der Oberknaller ist.

Unstrittig ist aber: Das Artwork und Layout der CD ist oberste Sahne! Das (natürlich leicht an Haemorrhage angelehnte) Comic-Pathologen-Thema vom Artwork und der Anatomie-Type auf der Rückseite der CD, sind einfach gut gemacht. So ein stimmiges Bild könnten ruhig ein paar mehr Underground-Bands erzeugen. In Zeiten von MP3 sollte ein physischer Datenträger auch was nettes zum Ansehen bieten.

Beim Kauf sollte man aufpassen. Zwar weiß ich nicht, was die Band selber für die CD haben will. Derweil manche Shops 10 Euro für die Scheibe haben wollen, bekommt man sie bei Rotten Roll Rex für faire 5 Euro. Da kann man eigentlich nichts falsch machen.

Infos:
666 Strings – 2013
12 Lieder – 21:56 Min.

http://www.dissouled.com/
https://www.facebook.com/Dissouled
http://www.666strings.com/
https://www.facebook.com/go666strings