Abyssal – Novit enim Dominus qui sunt eius

 , , , , , , ,

Abyssal - Novit enim Dominus qui sunt eius
Ich kann nicht mehr schlafen! Es ist, als hätte ich Pickmans Modell gesehen. Nur war es keine visuelle Erfahrung. Und um ein Haar wäre ich um diesen Albtraum herum gekommen. Als ich seinerzeit auf ABYSSAL aufmerksam (gemacht) wurde, verschlief ich leider die Möglichkeit der ersten, selbst veröffentlichten Auflage als CDr. Oh, hätte ich doch weiter geschlummert. Doch leider wurde ich der Neuauflage als richtige CD im Digipak, veröffentlicht durch Profunde Lore im April 2013, vier Monate nach der ersten Auflage, bewusst. Als fatalen Fehler erwarb ich dies unheilvolle Klangwerk…

Nun befinde ich mich in einem Wachzustand voll tiefstem Horror. „Novit enim Dominus quis sund eius“ versetzt mich in schlaflose Albträume und beklemmende Angstzustände. Es hat von dieser schwärze, die Drowned so böse macht. Gelegentlich erinnern die vertrackten Momente an Immolation, sind aber nie so verspielt, progressiv und lebendig. Eher gleichen ABYSSAL aus dem Vereinigtem Königreich der surrealen Klangwelt von Portal aus dem entfernten Australien. Death Metal, voller Finsternis, eng verwoben mit Black Metal und Doom, bedrohlich und obskur. Verstörend!

Novit enim Dominus qui sunt eius“ ist eine einstündige Beschwörung der ältesten Mächte, ein Hochgesang an die tiefsten Ängste. Es ist keine einfache Kost, obwohl die musikalische Sprache zuweil pointiert simpel ist. Mürbende, repititivie Klangwände formen eine klaustrophobische Atmosphäre. Rituelle Mantras aus „Under The Wretched Sund Of Hattin“ beschwören alte Gottheiten. Klangkollagen durchziehen das ohnehin absurde Bild. Ist „Created Sick; Commanded To Be Well“ eine Ausnahme? Als Instrumentaler Vortex zieht es den Hörer immer tiefer in den Schlund es Albums. Gelegentliche Momente des Jazz, aus „The Last King“ oder „As Paupers Safeguard Magnates„, täuschen nur an, ist dies doch auch die Musik des Teufels. Selbst die hoffnungsträchtigen Lichtschimmer in der Musik, die gleichermaßen in den beiden Liedern oder „A Sheat Of Deceit“ aufblitzen, sind eher Trugbild denn wirklicher Rettungsanker. Wo ABYSSAL einmal zugegriffen haben, reißen sie den Hörer erbarmungslos in die Tiefe.

Dabei ist das Album eine steile Wendeltreppe in die Dunkelheit, die im Verlauf immer und immer größere Gravitation hat; gerade die zweite Albumhälfte ist absolut fatal! Mürbende Wiederholungen und simple Riffs, furiose Breaks, zermalmendes Downtempo, alles mit alptraumhafter Atmosphäre. Man will entkommen, schafft es einfach nicht. Fehlt am Ende der wirkliche Wille zur Flucht? Oder ist der Sog ABYSSALs doch zu mächtig? Ich vermute beides, jeweils bedingt aus dem anderen.

Novit denum Dominus qui sunt eius“ ist schwarze Magie, eine Nachtmar aus vergessenen Zeiten, lange vor der Zeit und weit außerhalb ihres Kontexts. Es sind primitive, beklemmende Ängste vor der Finsternis, den absurdesten Entitäten, gebannt als Tonträger. Und damit ist dieses zweite Album von ABYSSAL ein kultisches Werk, das neben Portal und Altars definitiv das Highlight im obskuren Sound 2013 ist. Für mich ist es das Stockholm-Syndrom. Ich habe Angst vor diesem Album, aber dennoch liebe ich es. Schlaf wird eh überbewertet….

Infos:
Profunde Lore – 2013
Digi-CD – 11 Lieder / 59:32 Min.

http://abyssal-home.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/AbyssalUK
http://abyssal.bigcartel.com/
http://www.profoundlorerecords.com/
https://www.facebook.com/profoundlorerecords
http://profoundlorerecords.bandcamp.com/