Wound – Inhale The Void


Wound - Inhale The Void

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass WOUND mit ihrem Demo ordentlich Eindruck in der hiesigen Metalwelt hinterließen. Von überaus lobenden Stimmen aus dem Underground über den Trostpreis „Demo Des Monats“ vom großen Kioskblatt, war die Resonanz auf „Confess To Filth“ mehr als ordentlich. Nachdem die Szene Appetit bekommen hatte, verkündete Godeater Records im Februar das Debüt-Album der Wiesbadener Newcomer. Daraus wurde schlussendlich leider nichts. Oder vielleicht doch „zum Glück“? Denn so nahm sich FDA Rekotz in die Verantwortung, damit „Inhale The Void“ Standesgerecht auf CD erscheint. Die LP-Version kommt wieder von Weed Hunter Records, der bereits das Demo-Tape herausbrachte. Und soweit ich bisher mitbekommen habe, gibt es hier auch wieder ein schickes Gimmick, einen Patch zur blauen Version der Vinyl-Langrille.

Inhale The Void“ knüpft mehr oder minder an „Confess To Filth“ an. Alleine die Präsenz alter Bekannter wie „The Unsolved Obscurity„, „Forever Denial„, „Among You“ oder „Confess To Filth“ schlagen eine logische Brücke. Dennoch wirkt das Gesamtbild des Debüts schlüssiger und homogener als das Demo; die Zweiteilung entfällt und Ausbrecher wie „Moloch“ verzeichnet das Full-Lengh (leider) nicht mehr. Dafür schießen WOUND wieder locker aus der Hüfte dreckige Songs zwischen schwedischem Death Metal, Crustpunk und dem fetten Melodieverständnis At The Gates‚, dass sich so manche andere Band eine Scheibe vom dynamischen und frischen Songwriting abschneiden kann.

Gerade die feinen Nuancen sind es, die WOUND so spannend machen. Die gelungene Balance aus fetten Riffs in den Strophen, griffigen Gesangslinien und mitreißenden Melodien in den Refrains; die richtige Wiederholung der Elemente, angereichert durch genügend Dynamik und Abwechslung, um über die Spieldauer spannend zu bleiben. Kurzum: „Inhale The Void“ ist zu jeder Sekunde direkt, aber auch spannend und variationsreich genug, um sich nicht all zu schnell abzunutzen.

Das recyclete Material ist bereits mächtig. „Forever Denial“ mit seiner leichten Melancholie zu Beginn und dem rockigen Solo, ist einfach ein Hit. Gleiches gilt für „Confess To Filth„, das so catchy Hooklines hat und mit seinen fetten Gitarren direkt in Mark und Bein geht. Doch auch wenn diese rohen, punkigen Relikte aus den Anfangstaten WOUNDs meine Lieblinge sind, muss ich gestehen: Die neuen Sachen stehen den Altlasten in nichts nach. Alleine das bereits vorab veröffentlichte „Codex Arcanum“ strotzt nur vor intelligenten Ideen: Kluge Breaks zu Anfang, fette Melodien, überraschende Wendungen, alles Elemente, die einen guten Song ausmachen. Noch ausgeklügelter ist „The Price Of Tyranny„, das mit fast 6 Minuten wohl der epischste Song der Platte ist. Manche Riffs sind schwer wie Blei, werden zuweilen aber von leichtfüßigem Drumming begleitet. An anderen Stellen zermürben WOUND den Hörer mit ihrer dreckigen Herangehensweise, nur um ihm dann an anderer Stelle wieder die versöhnliche Hand der At The Gates Melodik anzubieten.

Abseits vom eigentlichen Geschehen, hinterlässt der Titeltrack aber die tiefsten Spuren beim Hörer. Es ist kein ordinärer Song, er hat keinen Gesang und ist auch nicht sonderlich Death Metal. Es ist ein fragiles Outro, das aus Regengeplätscher langsam entwächst. Im Crescendo steigert sich die Akustikgitarre immer weiter, bekommt polyphone Ausmaße. Doch immer wieder zerbricht das zarte Konstrukt, entwickelt sich neu – und wird zuweilen von Flötenklängen begleitet, ergänzt, vervollständigt. Mich erinnert das sehr stark an die Hochphase von Led Zepplin, ein großartiger Schluss für ein sehr gutes Debüt. Und gleichzeitig auch ein richtig guter Indikator für das musikalische Verständnis von WOUND.

Doch sind die Fähigkeiten der Musiker weitläufig auf „Inhale The Void“ zu betrachten.Wie bereits auf dem Demo, findet der Bass eine gewisse, exponierte Position im Gesamtbild. Alleine die Fills und Linien in „Codex Arcanum“ oder „Corroded From Within“ sprechen Bände. Das leichtgewichtige Drumming in „The Price Of Tyranny„, locker neben den tonnenschweren Gitarren, ist gleichermaßen Eindrucksvoll. Und eigentlich muss man die Gitarrenarbeit nicht sonderlich hervorheben, das Gleichgewicht zwischen punkigen Riffs, mitreißenden Melodien und atmosphärischen Momenten, spricht für sich. Eher mag ich da den Gesang erwähnen, der zwischen Growls und fiesen Schreien schön variiert und damit passend zur Musik ist: Spannend.

Inhale The Void“ wird durchweg den hohen Erwartungen aus dem Demo gerecht. Und durch glückliche Umstände, sind WOUND bei FDA Rekotz auch in einer guten Heimat gelandet, dass dieses super Debüt auch genug Aufmerksamkeit bekommt. Also zuschlagen und abfeiern!

Infos:
FDA Rekotz (CD) / Weed Hunter Records (LP) – 26.07.2013
CD/LP – 10 Lieder / 38:14 Min.

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