WOUND – „Inhale The Void“ – Das Special mit Stream, Track-By-Track, Interview und Review


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Ancient Spirit und NecroSlaughter.de präsentieren:

Schon seit einigen Jahren werden wir Zeuge einer Renaissance unmoderner todesmetallischer Klänge allerlei Fasson: Rancid, purtid oder rotten, schlicht old school oder auch als bestial betitelt. Mal schwärzer, mal traditionell-beeinflusst, dann wieder doch eher von den Wirbelstürmen Südamerikas geprägt. Ja, vieles, was in den (80ern und frühen 90ern fast Gang und Gebe in eher undergründigen Zirkeln metallischer Subkulturen war und – so meinen böse Zungen – dem kommerziellen Erfolg einiger weniger in Mitten der 90er Jahre zum Opfer fiel, erfreut sich heutzutage zunehmend an Beleibtheit: Bands wie auch Minimalstlabels sprießen aus dem modrigen Friedhofsacker der Fangemeide, Vinyl, Tapes, Undergroundgigs, Fanzines… eine neue oder revitalisierte Subszene ist entstanden und zwischen alldem musste es einem irgendwann einmal auffallen, blieb ein Stil ja nahezu unberücksichtigt. Der so genannte Death’n Roll. Kurzum: Schwedentod vermengt mit Crust- und Punkrock-Anleihen, schmissig, direkt, auch melodisch und in die Beine gehend.

Nicht, dass ENTOMBED mit „Wolverine Blues“ nicht das vielleicht bekannteste und populärste Album dieser Art erschaffen hätten und nebenbei eine doch im Nachhinein recht überschaubare Menge an Plagiaten mit sich schleiften – was haben wir früher alle geschimpft! -, nein, vor allem in die HC/Crust-Szene sollte diese Werk und sein Nachfolger gehörigen Einfluss haben. Womit sich eben auch der Kreis schließt, den war es doch eben diese Szene die anfangs und auch noch bis hin zu „Wolverine Blues“ so einen gehörigen Einfluss auf die frühe schwedische Death Metal Szene hatte. Und Bands wie CURSED und WOLFBRIGADE und DISFEAR in ihren späteren Jahren erschienen fast schon dankbar für die düstere Dosis ENTOMBED-Metal als Ergänzung zu ihrem Punk. Und selbst aktuell populäre Gruppen wie TRAPTHEM und BLACK BREATH kochen nach dem gleichen Rezept. Doch in der aktuellen Death Metal Subkultur war außer gelegentlicher punkiger Attitüde wenig davon zu erahnen. Und nun kommen WOUND daher… (Lobi)

Darum an dieser Stelle: Ein tiefgehendes Feature mit kurzer Fragerunde mit Gitarrist Sø, vier Songs von „Inhale The Void“ zum Anhören, davon drei als exklusive Streams, einem kurzen Track-By-Track-Breakdown von Sø und Christian (Gesang) sowie schlussendlich drei Meinungen zu der Scheibe.

Aber Achtung: Die vier Song „Codex Arcanum„, „Echoes„, „Forever Denial“ und „The Price Of Tyranny“ sind nur eine Woche lang im Stream! Am Montag, 29.07.2013 ist der Spuk vorbei. Doch bereits am Freitag, 27.07. erscheint das Album ja bei FDA Rekotz. Kauft euch das Teil und dann könnt ihr sogar noch sechs weitere Songs immer und immer wieder hören (;

Inhalt:
Interview
Vier neue Songs zum Anhören
„Inhale The Void“ Track-By-Track von Sø und Christian
Die Reviews zum Debütalbum

Das Interview


1. Hey Sø, wie geht es Dir? Alles klar bei Dir? Seit unserem letzten Gespräch ist bei WOUND ja einiges passiert. Euer Demo wurde abgefeiert wie der zweite Messias und ihr habt Auftritte mit den alten Hasen Asphyxs und jungen Newcomern auf dem Unholy Mayhem veranstaltet. Nun kommt euer Debüt als CD und LP, klingt doch nach einer fetten Erfolgsgeschichte…

Hey Hey! In der Tat können wir uns in keiner Hinsicht beschweren. Bandtechnisch läuft derzeit alles ziemlich rund. Momentan konzentrieren wir uns gerade auf den anstehende Slot auf dem Party.San. Das ist definitiv die größte Nummer bisher und motiviert natürlich ungemein.

Wound - Band

2. Du meintest in der Retrospektive zu eurem Demo, Dir würde beim Hören „das ein oder andere verbesserungswürdige Detail“ auffallen. Dennoch haben es ein paar Songs von der Kassette auf euer Album geschafft. So viel Verbesserungsspielraum gab es dann scheinbar doch nicht, haha!

Mit verbesserungswürdigen Details meinte ich nicht unbedingt einzelne Songs im Allgemeinen, sondern kleine Spiel- und Timingfehler. Zu dem damaligen Zeitpunkt haben wir natürlich nicht damit gerechnet, dass das Teil so viele Hörer erreicht und entsprechend in der Kritik steht. Auf der anderen Seite muss bzw. sollte meiner Meinung nach eine Demo auch nicht perfekt klingen. Es muss ja schließlich noch Luft nach oben vorhanden sein.
Da wir faule Hunde sind und nicht allzu oft proben, sahen wir uns gezwungen auf alte Songs zurückzugreifen, ansonsten hätte sich die Debütveröffentlichung erheblich nach hinten verschoben.

Wound - Confess To Filth3. Obwohl Du selber Freund analoger Medien bist, wird es „Inhale The Void“ auch digital geben, als CD über FDA Rekotz – und soweit ich weiß, werden seine Sachen auch zum käuflichen Download angeboten. Wie kommt dieser Kompromiss zur Moderne? (; Im Necromaniac #10 wird auch noch von Godeater Records als eure Heimat für die Compact Disc gesprochen. Beim Rico seit ihr also recht spontan untergekommen, und er hat dann fix den Release der Scheibe eingeleitet. Erzähl mal was über die Hintergründe!

Analoge Tonträger haben bei mir als Hörer definitiv einen höheren Stellenwert als digitale Medien – keine Frage, da wir allerdings eine demokratische Band sind, ist meine Meinung nicht die einzige im Raum. Die anderen Bandmitglieder sind neuen Medien eher zugewandt und für Rico von FDA ist CD+Download Grundvoraussetzung. Wo wir auch schon bei dem angesprochenen Label Thema wären… Mit GODEATER REC. gab es leichte Kommunikationsschwierigkeiten, daher sahen wir uns gezwungen nach einem anderen Label umzuschauen. Aber ich will an dieser Stelle ausdrücklich erwähnen, dass zwischen GODEATER REC. und uns kein böses Blut herrscht. Im Gegenteil, Daniel ist ein feiner Kerl, dem sehr viel an der Musik liegt und aus rein ideellen Werten Bands unterstützt.

4. So ganz vom Tape kommt ihr aber immer noch nicht weg, oder? Anders kann ich mir nicht erklären, wieso ihr von „Inhale The Void“ noch eine Promo-Kassette rausgehauen habt. Über Coffin Filth Records, limitiert auf 25 Stück – wenn ich recht informiert bin. Wie kamt ihr auf diese Idee und diese wahnwitzig geringe Auflage? Und warum sind auf der Promo nur vier Songs und nicht direkt das komplette Album? Musstet ihr die Rechte der anderen Songs an Hannes und Rico abgeben?

Wound - Coffin Filth PromoDie Idee mit dem Promo-Tape kam nicht von uns, sondern von Patrick von COFFIN FILTH REC.. Patrick hat erst vor kurzem sein erstes Release (CARNAL GHOUL) auf Tape veröffentlicht und wollte im Anschluss noch einen nachsetzen. Wobei ganz klar gesagt werden muss, dass es sich bei der Kassette um keine offizielle Veröffentlichung handelt, sondern lediglich um ein Promomedium, daher auch die geringe Auflage und die gekürzte Songauswahl. Ich mag diese kauzige Art des Supports! Bzgl. vertraglicher Angelegenheiten will ich ehrlich gesagt keine Angaben machen. Ich kann nur so viel zu dem Thema sagen, dass Rico seine Bands absolut fair behandelt und wir keine Sekunde gezögert haben den Vertrag zu unterzeichnen.

5. Für den Vinyl-Release eures Albums seid ihr aber dem Hannes von Weed Hunter Records treu geblieben, sehr löblich. Erzähl mal etwas über die Schallplatte! In welcher Auflage wird sie erscheinen? Gibt es wieder besondere Gimmicks, wie den Aufkleber und das opulente Textblatt beim Demo? So ein fetter Backpatch wäre schon eine töfte Beigabe…

Die Zusammenarbeit mit Hannes möchten wir in keinster Weise missen. Trotz des irreführenden Labelnamens (zumindest für manche) ist der waschechte Berliner Jung ein absolut zuverlässiger, kompetenter Partner und Kumpel mit hervorragenden Beziehungen. Parallel neben dem Label hat Hannes übrigens noch ein sehr geschmackvoll bestücktes Distro am Laufen. Da zufälligerweise Rico und Hannes gut befreundet sind, war der Split für beide kein Problem. Das Vinyl Release liegt mir natürlich besonders am Herzen! Und es war definitiv ein besonderer Moment die Plaste das erste Mal in der Hand zu halten. Die ersten 100 Platten kommen übrigens in blau + zusätzliches Siebdruck-Cover + Patch, ich hoffe das reicht als „töfte“ Beigabe?!

6. Der visuelle Aspekt von WOUND ist Dir wichtig. Doch dieses Mal hast Du die Feder aus der Hand gegeben und Rebecca Hirschkonditor das Artwork für „Inhale The Void“ zeichnen lassen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie entstand das Cover? Habt ihr Rebecca Input gegeben, ihr bestimmte Vorgaben gemacht, oder hatte sie freie Hand? Das Bild ist düster und surreal, genau wie das Motiv im Inlay/auf der CD selber, der Korpus, der sich seinen Rippenbögen aufreißt und von Olivia Krawczyk gezeichnet wurde. Mich erinnert es irgendwie an eine groteske Mischung aus Dali und Beksinski.

Wound - TorsoRebecca lernte ich letztes Jahr auf dem PSOA kennen und im Gespräch erwähnte Sie, dass sie für sich privat malt. Da auf Anhieb die Chemie stimmte und der Kontakt weiterhin bestand, schickte sie mir irgendwann ein paar Scribbles, die auf Anhieb bandintern auf Zustimmung stießen. Im Prinzip hatte Rebecca freie Hand. Sie hatte als Input nur den Albumtitel und im Vorfeld gesammelte grobe Ideen. Das Endresultat kann sich sehen lassen, wie ich finde. Ich mag an dem Bild das vespulte, abgedrehte und vor allem das Spiel mit den Farbverläufen. Bei Olivia verhielt es sich ähnlich. Die detailierte Zeichnung des Korpus finde ich nach wie vor sehr gelungen und ist eine schicke Ergänzung zum Frontcover. Uns war es generell wichtig, dass das Artwork nicht den gängigen Klischees entspricht, sprich die Zombie/Friedhof/Sensenmann Leier.

7. Es ist eigentlich eine doofe, langweilige und ausgelutschte Frage. Sie wird von jedem „Journalisten“ gestellt, wenn ihm keine spezifische Frage zur Band oder dem Release einfällt, sondern das Interview einfach noch was länger werden soll. Außerdem interessiert sich in der Regel kaum ein Fan für die langwierigen und oft mürbenden Prozesse in der Entstehung eines Albums. ABER: Du erwähntest, dass Mix und Mastering von „Inhale The Void“ komplett analog liefen. Wie muss ich mir das als Digital Native vorstellen? Standen da überall die dicken Bandgeräte, die durchgehend rotiert haben? Das Recording selber habt ihr ja wieder bei eurem Basser Schulz im Schlafzimmer gemacht… Erzähl mal etwas über die Entstehung von „Inhale The Void“!

Das Recording passierte, wie du bereits erwähntest, in den HAUNTED STUDIOS unseres Bassisten, quasi der bandinternen Tonschmiede. Mix und Mastering sollte eigentlich zu aller Anfang zusammen mit Engel (TEMPLE OF DISHARMONY) durchgezogen werden, allerdings musste er aus persönlichen Gründen die Zusammenarbeit kurzfristig canceln und wir mussten uns nach einem neuen Studio umschauen. Armin Rave von den SOUNDSIGHT STUDIOS fertigte uns einen Vorabmix an, der uns allen ziemlich zusagte, so kam es letztlich recht flott zu dieser Konstellation. Armin arbeitet fast ausschließlich nur mit analogen Geräten, sprich die Tracks werden durch meterhohe Maschinen gejagt und nicht via digitale Plug-Ins modifiziert, wobei ich ergänzen muss, dass eine Bandmaschine nicht zum Einsatz kam. Die analogen Gerätschaften verleihen dem Sound einen warmen und echten Sound. Das ist genau das, was ich bei den heutigen Produktionen oftmals vermisse.

8. Alter, was sollen eigentlich die Blockflöten im Titeltrack? Schuldest Du der lokalen Grundschullehrerin noch einen Gefallen oder was? Haha, nein, im Ernst, ich finde die Idee sehr geil, der Track erinnert mich stark an Led Zeppelin. Wie kommen die Flöten in den Song? Hat einer von euch die eingespielt?

Die lokale Grundschullehrerin würde Dir an dieser Stelle erklären, dass es sich bei dem Instrument nicht um eine Blockflöte handelt, sondern um ein E-Bow. Aber hey… ich kannte das Gerät bis dato auch noch nicht. Ein E-Bow versetzt eine Saite elektromagnetisch in Schwingung und kann dadurch ein lang anhaltenden, gleichmäßigen Ton erzeugen. Bei OPETH und KATATONIA kommt das Teil des öfteren zum Einsatz.

9. Ich freue mich auf das FDA Label-Special im AJZ Bahndamm Wermelskirchen. Ich weiß jetzt schon, dass eine Packung Asperin bei dem dicken Line-Up nicht ausreicht. Doch was steht noch bei WOUND dieses Jahr an? Ich habe da eine Split-EP mit den mächtigen Obscure Infinity verlauten hören… was ist da dran? Wann kommt das Teil, und wer bringt es raus? Gibt es einen neuen Song, oder Warmgemachtes von Album oder Demo?

Wermelskirchen wird definitiv harter Tobak! Der Laden muss wohl sehr geil sein, wie mir neulich berichtet wurde. Wie bereits erwähnt, steht als nächstes das PSOA an, eine Woche darauf ist unsere Releasefete im Florinsmarkt in Koblenz, im Oktober geht’s dann nach Berlin auf das MORBID CATACOMBS Festival und im November sind noch zwei Konzerte in Sachsen geplant.
Eine Split mit OBSCURE INFINITY wäre sehr geil! Allerdings gibt es dbzgl. noch keine genaueren Pläne. Harren wir der Dinge… Schade, dass die Barden um Jules und Stefan nicht auch in Wermelskirchen vertreten sind, wobei dann mit Sicherheit eine Packung Aspirin nicht ausreichen würde.

2013-11-29 - FDA Rekotz Party Wermelskirchen

10. Danke Sø, es war mir wieder eine Freude. Ich hoffe, das Interview hat Dir auch etwas Spaß gemacht und ihr werdet mit eurem Album noch einiges an Erfolg haben! Der verbleibende Platz gehört mal wieder Dir!

Chris… Danke für den Support!!! Bleib weiterhin so idealistisch und kritisch!!! Und alle anderen da draußen, hört mehr URIAH HEEP!!!

Vier neue Songs zum Anhören

„Inhale The Void“ – Track-By-Track von Sø und Christian


Odium
Sø: Ich mag einfach Alben die mit einem Intro beginnen. Bei „At The Fathomeless Depths“ von DISSECTION bekomme immer wieder aufs Neue eine Gänsehaut.

Codex Arcanum
Sø: Auffällig an dem Opener ist der durchgängige treibende Uptempo-Beat und die skandinavisch geprägten Gitarrenläufe. Hier und da schimmert AT THE GATES oder auch DESULTORY als Inspirationsquelle durch. Diese beiden Bands sind nebenbei in Sachen Death Metal über allem erhaben. Da kommt so schnell nichts ran.

Christian: In dem Song geht es um rituelle Gewalt in okkulten Kreisen. Das Gesetz „Codex Arcanum“ ist sozusagen ein Schweigegelübde über alle Vorkommnisse innerhalb des Zirkels. Bricht man es, hat das tödliche Konsequenzen. Der Text ist bewusst ziemlich plakativ gehalten um für ein gewisses Kopfkino zu sorgen.

Echoes
Sø: knackige Death/Punk Nummer, die wunderbar live funktioniert. Eine meiner Favoriten auf dem Album. Die Aufnahme des Schreis in der Mitte des Songs werde ich so schnell nicht vergessen… Edvard Munch lässt grüßen!

Christian: Der Text lässt dem Hörer einen gewissen Interpretationsspielraum. Leitidee ist allerdings das nachgewiesene Echo des Urknalls als Gegenargument zum Weltbild des Kreationismus.

Unsolved Obscurity
Sø: Quasi der erste Song den wir als Band zusammen geschrieben haben. Thrashige Uptempo-Nummer mit einem verdammt groovigen Mittelteil.

Christian: ich bin hin und wieder angefixt von Mystery-Stories. Neben diversen Reportagen, Büchern und einem Spielfilm gibt es ja schon fast alles zu dem Thema „Mothman“. Da dachte ich mir ein Song muss noch her; quasi als eigene Interpretation zu dem Thema.

Forever Denial
Sø: Melodische Death/Black Riffs treffen auf crustiges Punkgeschrubbe. An dem Song mag ich die wilde Kombination der verschiedenen Genres. Das Rock´n Roll Solo setzt dem ganzen dann noch den Hut auf.

Christian: „Forever Denial“ ist ein Song über bzw. gegen religiöse Indoktrination. Sicherlich kein neues Thema, aber auf manchen Dingen kann man einfach nicht oft genug herumreiten. Religiöse Erziehung ist für mich der Feind von Objektivität und freiem Denken.

Confess To Filth
Sø: Der Titeltrack unserer Demo. Klassischer old school DM Song mit ziemlich eingängigem Refrain. Es gab vermutlich bisher kein Konzert an dem wir diesen Song nicht gespielt haben.

Christian: Die Kirche ist ja ganz groß darin Missbrauchsfälle und die eigene Perversion zu vertuschen. Anstatt sich zum eigenen Dreck zu bekennen, windet man sich lieber immer wieder raus. In dem Songtext geht es genau darum und um die wachsende Wut gegenüber dieser Tatsache.

Corroded From Within
Sø: Die wohl punkigste Nummer auf dem Album! Alte DISFEAR höre ich immer wieder gerne und da blieb es nicht aus, dass irgendwann mal ein Song in dieser Machart auf dem Papier landet.

Christian: Hier beschreibt eine Droge wie Sie einen Menschen besitzt, steuert und systematisch dahinrafft.

Among You
Sø: Meiner Meinung nach, ging bei diesem Song das gewisse etwas verloren und daher ziehe ich die Version von der Demo-Kassette gegenüber dem Album vor. Obwohl wir nichts großartig an dem Song verändert haben, kommt für meinen Geschmack nicht die selbige Energie rüber.

Christian: In dem Song werden Gedankengänge aus Sicht eines Psychopathen geschildert. Man geht davon aus, dass in Deutschland knapp eine Million Psychopathen leben. Die meisten von Ihnen bleiben unerkannt. Es sind auch nicht zwangsläufig Killer, eher gewissenlose, manipulative Menschen die in diversen Führungspositionen in unserer Gesellschaft Ihr perfektes Biotop gefunden haben.

The Price Of Tyranny
Sø: Der mit Abstand facettenreichste Song des Albums. Der schleppende Anfang steht in der Tradition alter ASPHYX und gegen Ende wird nochmal ne ordentliche Schippe BPM draufgepackt. Ganz klar mein Lieblingssong auf dem Album.

Christian: Der Text beschreibt die Rachegelüste und den Hass eines unterdrückten, gebeutelten Volkes gegenüber seinem Tyrannen.

Inhale The Void
Sø: Eigentlich müsste jetzt unser Basser Schulz seinen Senf abladen, schließlich geht die Nummer auf seine Kappe. An dem Instrumental hört man, dass Schulz ein Musiker durch und durch ist, egal ob Gitarre, Bass, Synthies oder Gesang. „Inhale The Void“ existiert übrigens ebenfalls als Piano-Version, allerdings entschieden wir uns für die Akustikvariante, da sie unserer Meinung besser in das Gesamtbild passt.

Die Reviews zum Debütalbum

Ancient Spirit

… und vermochten schon mit dem Demotape „Confess To Filth“ Akzente zu setzen. Medial: „Demo des Monats“ soundso, beste Rezis sowieso. Und bei den Fans kam dieses Demo nicht nur in Hessen bestens an. Belege dafür sind mit minimalstem Aufwand zu finden. Doch dieser Senkrechtstart ist wohl begründet, kam „Confess To Filth“ doch herrlich unverkrampft und unverschämt direkt daher mit seiner trockenen Mischung aus ENTOMBED, AT THE GATES’schem Drive und diversen Crust-Vermerken: Catchy, dennoch heavy und vor allem locker. Biertrinkerdeathmetal, meinte damals eine wenig böse Zunge. Nicht zu Unrecht, denn WOUND zeigten einfach, dass Death Metal nicht nur verrottet, eitrig und sonstnochwas sein muss, sondern einfach auch Spass machen kann – vor allem live – ohne auf irgendwelche zeitgenössischen Attribute zurückzugreifen.

Nun liegt uns endlich der Debütlongplayer „Inhale The Void„, der neben den bekannten Stücken des Demos als Neuaufnahmen (die einige Mängelchen des Tapes wett machen) auch eine ganze Latte an neuen Songs zu bieten hat. Zum einen bleibt vorwegzunehmen, dass sich stilistisch nicht so viel getan hat – zum Glück. Soll heißen, es regiert noch immer ein stures Brett aus Schwedentod mit Melodien und rockend-rotziger Crust-Schlagseite, ja, sogar weitgehend in völlig gleichem Geiste wie das Demotape. Ein bisschen wurde am Gesang gearbeitet und auch das Songwriting wirkt etwas kompakter, wohl tatsächlich auf seine livehaftige Umsetzbarkeit konzentriert. Und – und hier kann man das Fazit schon vorwegnehmen: – diese Songs knallen! So einfach ist das. Ungekünstelt, sympathisch, voller Spielfreude. Death Metal aus dem Bauch heraus mit Sinn für mitreißende Melodien und treibende Walzen, ganz und gar nicht platt und dennoch eingängig genug um durchweg Hitpotential zu haben – vor allem live. Und dies trotz dem weitestgehenden Verlust des punkigen Feelings des Demonstrationswerkes. Aber letzteres ist wohl tatsächlich der Progression als Band geschuldet und sollte nun kein Beinbruch sein, denn gerotzt und räudig gerockt wird hier noch genug und das ohne zu verheimlichen, dass die Songschreiber auch mal ein gutes Heavy Metal Album von vor 1990 gehört haben!

Neben all dem zugegebenermaßen geilen Retrokram ragen WOUND mit ihrem Metal auch tatsächlich aus der Masse der jüngeren Bands hervor, zeigen damit aber auch schon frühzeitig so etwas wie eine eigene Identität und beweisen, dass „Confess To Filth“ keine Eintagsfliege war, sondern lediglich die Basis, auf der man aufgebaut hat, die man verfeinert und weiterentwickelt hat und zeigen auch, wie zeitlos doch ENTOMBEDs „Erfindung“ klingen kann, wenn Musiker dahinter stecken, die vielleicht weniger eine gewissen Stimmung und ein Image im Sinn haben, denn gute Songs, die ordentlich Popo treten können, ohne zu beliebig und austauschbar zu sein. Und auch wenn ich die punkige Attitüde etwas misse und tatsächlich nicht alles schon perfekt ist, so darf ich „Inhale The Void“ als das verdiente Highlight preisen, dass es eben ist. Und das wäre es wohl auch, wenn wir nicht gerade eine neue Death Metal Welle erleben würden. (Lobi, 11 Punkte)


Das Wiesbadener Quartet WOUND fackelt nicht lang! Nach dem gefeierten 2012er „Confess To Filth“ Demo gibt’s nun bereits schon die erste Langeisen – Keule auf die Zwölf. Vier Tracks vom besagten Demo haben es auch auf das Debüt geschafft. Viele Worte sind nicht nötig, um zu sagen, dass sich WOUND in der momentanen OSDM Welle nicht verstecken brauchen. Im Gegenteil, es ist schön zu sehen, dass gerade die deutsche Szene in Sachen Death Metal gerade Kraftfutter ohne Ende abwirft.

Imponierend an WOUND ist, dass Ihr Soundcocktail nicht als totales Tribute Ding an die 90er Jahre endet, sondern das Wiesbadener Gebräu hat mit einer Mischung aus ENTOMBED (Ja, auch Death’n’Roll Ära), alte AT THE GATES Anleihen und einer knackigen Spur Crust a la WOLFBRIGADE & Co. durchaus was Eigenes mit einer latenten schwedischen Prägung. Zum Ende hin wird die Scheibe richtig heavy!!!

Codex Arcanum“ oder „Confess To Filth“ sind schön catchy und machen Laune auf mehr, vor allem da es WOUND Ihrer Hörerschaft auch nicht zu kompliziert besorgen. Das Coverartwork von „Inhale the void“ ist schön eigenwillig gehalten, was nicht der Masse der momentanen DM Release Welle entspricht. In Sachen Sound hatte ich das Gefühl, dass das Demo mit dem etwas räudigeren Feeling mehr Charme hatte. Ein kleiner Funke mehr Bratz & Schmutz hätte dem Album sicherlich auch gut gestanden. Anyway ganz sicher einer besseren Releases in der momentanen Death Metal Flut. Jetzt sind wir mal gespannt auf die Liveumsetzung beim PARTY SAN! Ach ja, die Vinyl Version wird über WEEDHUNTER Records erscheinen. Für mehr Infos checkt: https://www.facebook.com/wound.deathmetal (Hauber)

NecroSlaughter.de

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass WOUND mit ihrem Demo ordentlich Eindruck in der hiesigen Metalwelt hinterließen. Von überaus lobenden Stimmen aus dem Underground über den Trostpreis „Demo Des Monats“ vom großen Kioskblatt, war die Resonanz auf „Confess To Filth“ mehr als ordentlich. Nachdem die Szene Appetit bekommen hatte, verkündete Godeater Records im Februar das Debüt-Album der Wiesbadener Newcomer. Daraus wurde schlussendlich leider nichts. Oder vielleicht doch „zum Glück“? Denn so nahm sich FDA Rekotz in die Verantwortung, damit „Inhale The Void“ Standesgerecht auf CD erscheint. Die LP-Version kommt wieder von Weed Hunter Records, der bereits das Demo-Tape herausbrachte. Und soweit ich bisher mitbekommen habe, gibt es hier auch wieder ein schickes Gimmick, einen Patch zur blauen Version der Vinyl-Langrille.

Inhale The Void“ knüpft mehr oder minder an „Confess To Filth“ an. Alleine die Präsenz alter Bekannter wie „The Unsolved Obscurity„, „Forever Denial„, „Among You“ oder „Confess To Filth“ schlagen eine logische Brücke. Dennoch wirkt das Gesamtbild des Debüts schlüssiger und homogener als das Demo; die Zweiteilung entfällt und Ausbrecher wie „Moloch“ verzeichnet das Full-Lengh (leider) nicht mehr. Dafür schießen WOUND wieder locker aus der Hüfte dreckige Songs zwischen schwedischem Death Metal, Crustpunk und dem fetten Melodieverständnis At The Gates‚, dass sich so manche andere Band eine Scheibe vom dynamischen und frischen Songwriting abschneiden kann.

Gerade die feinen Nuancen sind es, die WOUND so spannend machen. Die gelungene Balance aus fetten Riffs in den Strophen, griffigen Gesangslinien und mitreißenden Melodien in den Refrains; die richtige Wiederholung der Elemente, angereichert durch genügend Dynamik und Abwechslung, um über die Spieldauer spannend zu bleiben. Kurzum: „Inhale The Void“ ist zu jeder Sekunde direkt, aber auch spannend und variationsreich genug, um sich nicht all zu schnell abzunutzen.

Das recyclete Material ist bereits mächtig. „Forever Denial“ mit seiner leichten Melancholie zu Beginn und dem rockigen Solo, ist einfach ein Hit. Gleiches gilt für „Confess To Filth„, das so catchy Hooklines hat und mit seinen fetten Gitarren direkt in Mark und Bein geht. Doch auch wenn diese rohen, punkigen Relikte aus den Anfangstaten WOUNDs meine Lieblinge sind, muss ich gestehen: Die neuen Sachen stehen den Altlasten in nichts nach. Alleine das bereits vorab veröffentlichte „Codex Arcanum“ strotzt nur vor intelligenten Ideen: Kluge Breaks zu Anfang, fette Melodien, überraschende Wendungen, alles Elemente, die einen guten Song ausmachen. Noch ausgeklügelter ist „The Price Of Tyranny„, das mit fast 6 Minuten wohl der epischste Song der Platte ist. Manche Riffs sind schwer wie Blei, werden zuweilen aber von leichtfüßigem Drumming begleitet. An anderen Stellen zermürben WOUND den Hörer mit ihrer dreckigen Herangehensweise, nur um ihm dann an anderer Stelle wieder die versöhnliche Hand der At The Gates Melodik anzubieten.

Abseits vom eigentlichen Geschehen, hinterlässt der Titeltrack aber die tiefsten Spuren beim Hörer. Es ist kein ordinärer Song, er hat keinen Gesang und ist auch nicht sonderlich Death Metal. Es ist ein fragiles Outro, das aus Regengeplätscher langsam entwächst. Im Crescendo steigert sich die Akustikgitarre immer weiter, bekommt polyphone Ausmaße. Doch immer wieder zerbricht das zarte Konstrukt, entwickelt sich neu – und wird zuweilen von Flötenklängen begleitet, ergänzt, vervollständigt. Mich erinnert das sehr stark an die Hochphase von Led Zepplin, ein großartiger Schluss für ein sehr gutes Debüt. Und gleichzeitig auch ein richtig guter Indikator für das musikalische Verständnis von WOUND.

Doch sind die Fähigkeiten der Musiker weitläufig auf „Inhale The Void“ zu betrachten.Wie bereits auf dem Demo, findet der Bass eine gewisse, exponierte Position im Gesamtbild. Alleine die Fills und Linien in „Codex Arcanum“ oder „Corroded From Within“ sprechen Bände. Das leichtgewichtige Drumming in „The Price Of Tyranny„, locker neben den tonnenschweren Gitarren, ist gleichermaßen Eindrucksvoll. Und eigentlich muss man die Gitarrenarbeit nicht sonderlich hervorheben, das Gleichgewicht zwischen punkigen Riffs, mitreißenden Melodien und atmosphärischen Momenten, spricht für sich. Eher mag ich da den Gesang erwähnen, der zwischen Growls und fiesen Schreien schön variiert und damit passend zur Musik ist: Spannend.

Inhale The Void“ wird durchweg den hohen Erwartungen aus dem Demo gerecht. Und durch glückliche Umstände, sind WOUND bei FDA Rekotz auch in einer guten Heimat gelandet, dass dieses super Debüt auch genug Aufmerksamkeit bekommt. Also zuschlagen und abfeiern! (Chris)

Infos:
FDA Rekotz (CD) / Weed Hunter Records (LP) – 26.07.2013
CD/LP – 10 Lieder / 38:14 Min.
Webs:
https://www.facebook.com/wound.deathmetal
http://www.fda-rekotz.com/gx/
http://weed-hunter-records.blogspot.de/