STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE – Belgische Grabräuber mit Spaß an viktorianischen Detektivgeschichten


Strange Facts In The Scalpel Case - Logo

Düsterer und obskurer Death Metal aus Belgien. STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE klingen wie eine furiose Mischung aus Demigod, Demilich, Incantation und Immolation. Und dabei haben sie noch ein sehr cooles Konzept, das an viktorianische Detektivgeschichten mit mystischen Touch angelehnt ist. Fett. Kein Wunder, dass mich die Debüt-EP „Unearthed“ und die Preview auf das kommende Full-Length, die 2-Track Promo „Monolith“ so sehr begeistern konnten. Kennt ihr nicht? Dann lest dieses intensive und interessante Interview mit Drummer, Lyriker und Konzept-Mensch Fynnbrenn und hört euch durch die Bandcamp-Player. Denn STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE haben all ihre bisherigen Songs dort zum Stream – und teilweise auch Download. Nun ab dafür!


1. Hallo Fynnbrenn, morbider Sammler von Todesanzeigen, willkommen in den Kerkern des NecroSlaughters! Ich hoffe, es geht Dir noch gut und Du hörst feine Musik, derweil Du meine bescheidenen Fragen des Terrors beantwortest…

FynnbrennCheers Chris! Revenants „Prophecies Of A Dying World“ liegt gerade auf dem Plattenspieler, ich denke, das ist ein passender Soundtrack für Deine Fragen des Terrors. Außerdem habe ich gerade einen Haufen netter Kassetten von UNHOLY DOMAIN RECORDS bekommen… Alles klar zum Start!

2. Im Jahre 2012 haben STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE mit „Unearthed“ ihr erstes Lebenzeichen direkt von den modrigen Friedhöfen Belgiens losgelassen. Also denke ich nicht, dass euch viele Leute kennen. Lass uns das Interview darum mit einer langweiligen Vorstellung beginnen. Du und Skullator haben die Band SCALPEL im Jahr 2005 gegründet. Wie seid ihr alten Grabräuber zusammengekommen, um euren hervorstechenden Metal-Style zu erschaffen? Und warum hat es so lange gebraucht, bis eure erste EP raus kam? Normalerweise brennt es einer jungen Band doch unter den Fingern, endlich ihr erstes Material unter die Leute hauen zu können, und sie warten damit nicht sieben lange Jahre… Lass mich raten: Ihr wart die ganze Zeit nur betrunken von fucking Duvel?

Es ist erstaunlich, wie schnell man mit diesem Scherz Aufmerksamkeit erregt… Eigentlich ist 2005 das Jahr, in dem wir beiden Grabräuber uns zum ersten mal getroffen und geprobt haben. Aber das hat nichts mit der „offiziellen“ Geburt von STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE zu tun. Wir hatten eine kurzlebige erste Ära, in der die Band mehr in die Death/Grind-Richtung ging und einfach nur SCALPEL hieß, aber das hat uns nicht sonderlich befriedigt. Wir haben uns ausschließlich auf Blastbeats konzentriert, nichts von dem Material wurde jemals aufgenommen. Was als Beschäftigungs-Projekt zwischen Auftritten und Aufnahmen mit anderen Bands und Projekten begann, bekam schnell unser Hauptaugenmerk. Wir sind nicht jung und bestimmt nicht frisch… Aber wir exhumierten unseren ersten Sarg recht schnell nachdem wir das Originalkonzept „(wieder) formiert“ hatten. Duvel hatte damit nichts zu tun, der Devil hat hingegen immer noch seine schmutzige linke Hand in unserem Projekt.

Live13. Offiziell sind STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE Du (Fynnbrenn Ó Torcklàn) und Skullator. Aber ihr habt feste Session-Mitglieder für eure Live-Rituale und die Aufnahmen von „Unearthed“ und „Monolith“. Es scheint also, als ob Jonas und „Fast“ Frederik irgendwie zur Familie gehören. Warum sind sie keine vollwertigen Mitglieder von SCALPEL? Ist es eine Frage der Zeit? Oder wollt ihr die Band so klein wie möglich halten, damit ihr beiden eure eigene Vorstellung der Musik verfolgen könnt? Oder kannst Du Dir vielleicht vorstellen, dass die Band wächst?

Der Grund, warum Jonas und „Fast“ Frederik nicht als vollwertige Mitglieder betrachtet werden, ist, weil sie nicht zum ganzheitlichen Konzept der Band oder den grundsätzlichen Arrangements der musikalischen Ideen beitragen. Und dennoch formen sie den notwendigen Gegenpart, der den Songwriting-Progess komplettiert. Als Mitglied von unterschiedlichen Bands über die Jahre weiß ich, dass ein kleines, hingebungsvolles Line-Up im Prozess des Songwritings wesentlich produktiver ist, als fünf Leute, die alle ihre musikalischen Ideen zusammenbringen müssen. Unser Prozess ist seltsam. Das erste Arrangement mache ich an den Trommeln, welches dann von Skullators Rhythmus-Gitarre komplettiert wird. Zusammen drehen wir diese Ideen in Form. Nun kommt „Fast“ Frederik ins Spiel, er versorgt uns mit Lead-Gitarren und Bass-Spuren. Dieses Vorgehen hat viele Vorteile. Meistens verkürzt es den zeitfressenden Songwriting-Prozess immens. Beide, Jonas und Frederik ergänzen uns live und im Studio. In dieser Art erweitert sich die Band immer noch: Gerade arbeiten wir einen neuen Bassisten ein, damit Skullator sich alleine auf seine unheilige Energie in der Stimme konzentrieren kann. Wir bewegen uns auf ein stabiles Line-Up, so far, so good… (so what!).

Live2

4. Du hast es vielleicht schon kommen sehen, es muss irgend eine dämliche Frage zu eurem Bandnamen sein, richtig? Anderenfalls wäre es aber auch langweilig, wenn STRANGE FACTS ION THE SCALPEL CASE keine Aufmerksamkeit erregen würde… Haha! Zunächst ging es bei euch als SCALPEL los – unglaublich, dass keine andere Band zuvor den Namen verwendet hat. Warum habt ihr den Namen dann zu einem vollständigen Satz erweitert? Für mich klingt das irgendwie nach „The Stange High House In The Mist“ oder „The Murders In The Rue Morgue“ oder einer anderen mysteriösen viktorianischen Geschichte….

Aufmerksamkeit zu erregen war nicht unser Ziel, aber scheinbar lässt der Name aufhorchen und leitet gelegentlich Leute in eine falsche Richtung. Wie bereits zuvor erwähnt, haben wir das initiale SCALPEL mit der Aura erweitert, die aus den Detektivgeschichten aus der viktorianischen Zeit stammen und die ich so sehr mag. Das ursprüngliche Splatter-Image, das mit SCALPEL einher ging, passte nicht mehr zu unserer Musik oder dem Konzept, das wir nun verfolgen; darum die Erweiterung. Ich glaube, es gab mal eine US-amerikanische Band mit gleichem Namen (also SCALPEL und nicht der Langform SFITSC – Chris), die irgendwann 2008 mal was machten.

5. Es ist nicht nur euer Name, der mich an Gotik-Romane erinnert, sondern auch euer Logo, das gleichermaßen einige Elemente aus dieser Zeit enthält. Neben der Death Metal-typischen Typografie des Wortes „SCALPEL“ sind der Umriss eines Schädels und eines Mannes mit Zylinderhut… Du bist verantwortlich für die Texte, das Layout und das Logo-Artwork. Wie wichtig ist dir der visuelle Aspekt von Death Metal? Hast Du für die Cover von „Monolith“ und „Unearthed“ auch gemacht?

Ah, nun bewegen wir uns auf dünnes Eis. Für mich ist der visuelle Aspekt einer jeden Band aus jedem Genre wichtig. Death Metal in Belgien ist degeneriert (… ich wollte fast schon „hat sich entwickelt“ sagen, aber das ist leider nicht der Fall) zu einem Spektrum von Bands, die Army-Shorts, Turnschuhe und Baseball-Caps tragen. Dafür kannst Du Chris Barnes oder John Tardy verantwortlich machen, wenn Du magst, aber ich denke es ist eine verdammte Schande. Da eine Live-Performance auf einer BÜHNE passiert, sollte sie dem Publikum auch was zum Ansehen bieten. Ansonsten könnten die Fans auch zuhause bleiben und sich einfach die Platte anhören. Ich ziehe nicht in den Zirkus, wenn wir mit STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE auftreten, aber keine (Death) Metal Band sollte mit nicht wenigstens ein paar Nieten, etwas Leder und Patronengürteln auf die Bühne gehen.

Ich versuchte unser Logo so zu gestalten, dass unser Konzept für den aufmerksamen Betrachter direkt ersichtlich ist. Ich begann mit dem typischen SCALPEL-Logo, verdammt vielen ähnlichen Logos und zwei Benediction-mäßigen Figuren, die die gotische Atmosphäre erzeugen, die oben erwähnt wurde. Da der Tod ein wiederkehrendes Thema für uns ist, gibt es auch eine alternative Version des Logos mit einem stilvollen Sarg dahinter. Zuletzt habe ich eine kleine Spinne und ein paar Spinnweben hinzugefügt. Sie erinnern mich an DENIAL OF GOD und ihr Konzept, was mich sehr inspiriert hat, als „The Ghouls…“ vor Jahren rauskam. Es gibt eine frühe Version des Logos, das ein wenig so aussieht, als käme es von einer Osteuropäischen Grind-Band. Wenn ich es in passender Auflösung finde, werde ich es dem Interview beilegen, nur zum Vergnügen.

Wir hatten die Ehre mit zwei sehr guten Künstlern zusammenzuarbeiten, die uns mit dem Design der Illustrationen für „Monolith“ halfen. Eric Musall hat eines seiner besten Cover-Artworks mit Namen „Terror In The Dark“ (http://subtrocity.deviantart.com/gallery) dazugegeben, und Chris Kieslings Misanthropic Art (http://www.misanthropic-art.de) wurde wieder für das Backcover verwendet. Chris versorgt regelmäßig Bands wie ATTIC, ALCHEMIST oder CHAPEL OF DISEASE mit Layouts und Artworks. „Unearthed“ hat eine Cover-Illustration von Bruynell Art, dessen Artwork auch auf dem Killer-Debüt von GAE BOLGA zu sehen ist. Da ihr Deutschen auf alten Speed/Thrash steht, solltet ihr sie definitiv anhören! Ich bin mir sicher, wenn ihr immer noch dem Dahinscheiden der schwedischen Band CRANIUM nachtrauert, wird diese belgische Band auf jeden Fall euren Verlust kompensieren.

Strange Facts In The Scalpel Case - Logo Coffing

6. Ich denke, es war Eric Cutler der mal in einem Interview über Bands geschimpft hat, die komplette Sätze als Namen haben. Ich denke zwar, dass er sich gegen Metal- und Deathcore-Bands richtete, wie „The Devil Wears Prada“, „Iwrestledabearonce“ und viele, viele andere. Oder würdest Du so eine Aussage persönlich nehmen? Wie auch immer, denkst Du nicht auch, dass ein langer Name schwerer zu merken ist?

Hm, ich kenne zwar Eric Cutlers Ansichten zu diesem Thema nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass viele Leute mit dem übereinstimmen, was er angeblich gesagt hat. Als ich den Namen zu der langen Version expandierte, tat ich das, weil es eine Menge zum Konzept der Band beisteuerte. Es war sicherlich keine kommerzielle Strategie, offensichtlich würde eine „old school“ Band die falschen Leute anziehen, wenn sie einen kompletten Satz als Bandnamen verwendet (und gelegentlich ZIEHEN wir die falschen Leute an, was immer sehr witzig ist). Von ein paar vernachlässigbaren Anmerkungen aus unseren ersten Reviews abgesehen, scheint niemanden unser „nicht-genretypischer“ Name zu stören. Für mich bedeutet es, Teil einer Untergrund-Musikszene zu sein, dass ich mich selber in einer untypischen Art ausdrücke, und nicht, dass ich versuche mich anzupassen. Das geht zu gewissen Teilen in den visuellen Stil und das Konzept, kann aber auch auf unsere musikalischen Arrangements übertragen werden. Wenn mein liebstes Power-Trio mir eines beigebracht hat, dann ist es, dass mein „mind is not for rent, to any god or government“ – Oder irgend einem Untergrund-Trend.

7. Ich las einige Interviews mit Dir und Du nanntest Deine Einflüsse Incantation,Immolation, Necrophagia, Carcass, Blood oder Asphyx. Zum gewissen Teil sehe ich auch die Referenzen zu Incantation und noch mehr zu Immolation. Ihr erzeugt wirklich intensive und düstere Atmosphäre. Aber alleine für die Gitarren würde ich mehr Parallelen zu finnischen Bands ziehen. Zum Beispiel der Titeltrack von eurer EP klingt Demilich sehr nahe. Ihr habt eine ungewöhnliche Herangehensweise an Melodien und Song Strukturen. Würdest Du dem zustimmen, oder interpretiere ich mal wieder komische Dinge in eure Musik?

Die Bands die Du erwähnst, sind Einflüsse, die in verschiedenen Reviews zu unserem Material genannt werden. Sie sind zu gewissen Ausmaß offensichtlich und zutreffend; aber wir ziehen unsere Einflüsse nicht nur aus Death Metal. Ich muss gestehen, dass Du Demilich nennst, ist ein größeres Kompliment als all die anderen erwähnten Bands. Ich mochte schon immer ihre eine und einzigartige LP, die sie je veröffentlichten – sehr originelle und düstere Arbeit. Wenn Du Glück hast, kannst Du immer noch eine der Splatter-Re-Issues von Xtreem Music bekommen, die vor ein paar Jahren veröffentlicht wurde. Du bist aber nicht der erste, der diese „Finnland-Connection“ feststellt, also muss da wohl ein Funken Wahrheit dran sein. Frederiks Killer-Gitarre neigt dazu, diesen finnischen Touch zu haben. Wenn er komponiert, sucht er nach der passenden Stimmung, die zum lyrischen Konzept passt. Wenn dieser Vorgang Sounds erzeugt, die an Demilich oder Demigod (welche – soweit ich weiß – nicht seine musikalischen Einflüsse sind) erinnern, zeigt das nur, dass wir auf der richtigen Spur sind.

Strange Facts In The Scalpel Case - Monolith8. In einem bestimmten Interview beschriebst Du euer Songwriting. Alles beginnt ein paar Schlüsselwörtern in Deinem Kopf, bestimmten Drum-Pattern und Vokallauten. Dannach fügt Skullator seine Riffs hinzu und Frederic finalisiert alles mit seinen Leads. Ich denke, die Wichtigkeit von Frederic als „Mitglied“ in SCALPELS wurde bereits früher in diesem Interview beantwortet. Aber an diesem Punkt würde ich gerne wissen, wie weit sein Einfluss geht. Steuert er „nur“ die Leads wie Soli und Melodien hinzu? Oder fügt er auch noch weitere Riffs hinzu? Es gibt so viele Momente auf euren Scheiben, wo die Riffs polyphon klingen und großartige Harmonien spielen!

Wie ich schon früher in dem Interview erklärt habe, kann man seinen Beitrag als wichtiger ansehen, als die bloße Position eines Session-Gitarristen. Er fügt die zweite Gitarre hinzu, steuert Lead-Melodien bei und schreibt auch die Bass-Linien. Man könnte fast sagen, dass Skullator und ich ihm einen glimmenden ersten Eindruck eines Songs hinwerfen, er schürt daraus ein Feuer und gibt uns einen Flammensturm zurück. Es ist kein traditioneller Weg zu Proben und Komponieren, aber es hat seine Vorzüge sowohl in Geschwindigkeit als auch Kontrolle erwiesen. Seine Kreativität wird von uns in keiner Art und Weise eingeschränkt. Ich gebe ihm gerne einen Blankoscheck, und er trifft gewöhnlich direkt den Punkt. Erwarte weitere seiner Soli in zukünftigen Tracks!
Wo wir von seiner Solo-Arbeit sprechen: Mehr dem Black Metal zugewandte Fans sollten sein Solo-Projekt MENSCHHEITSDÄMMERUNG anhören, die gerade das Debütalbum „Cleaver Of Skies And Tenets“, mit Konzept um Instinkt und Perversion, veröffentlichten. Das komplette Album ist auf seiner Bandcamp-Seite, es erinnert mich an frühe ABIGOR-Tage.

(Link: http://menschheitsdaemmerung.bandcamp.com/ – Chris)

9. Ein weiteres Trademark für SCALPEL sehe ich die Songnamen, die einen Subtitel in Klammern enthalten. So muss der Fan nicht notwendigerweise eure Texte lesen, um einen Eindruck von den behandelten Themen zu bekommen. Beispielsweise „Taphophobia (dying to get out)“, das mich an E.A. Poes „Lebendig Begraben“ erinnert (Taphophobia – die Angst lebendig begraben zu werden). Ist dieser bestimmte Song von der Geschichte beeinflusst worden? Woher nimmst Du die Einflüsse für Deine Texte? Und wie wichtig sind die Lyrics und Untertitel für SCALPEL?

Ich bin froh, dass Du das erwähnst. Dieser Aufbau öffnet in der Tat ein kleines Fenster, das dem Hörer erlaubt, ein paar Informationen über unseren lyrischen Inhalt zu bekommen, indem er nur die Titel der Tracks liest. Einfach darum, weil heute nicht jeder an dem lyrischen Konzept einer Band so sehr interessiert ist, wie wir es vor Dekaden waren, als wir zum ersten Mal KING DIAMONDs „Them“ in Händen hielten – nur um ein Beispiel zu nennen. Der Eröffnungstrack von der „Unearthed“-EP ist nicht von „der“ Geschichte beeinflusst; aber definitiv von einem Haufen Stories und nicht-fiktionaler Aufsätze über das Thema. Neben dem offensichtlichen Poe kann ich Einflüsse von Ashton Smith nennen. Was mein Interesse weckte, war eine Geschichte, die ich vor 20 Jahren von einem örtlichen Grabgräber hörte – die Klauenmarke am Sargdeckel und die abgebrochenen Fingernägel, die man immer wieder hört und in nicht-fiktionalen Arbeiten um das Thema liest, sind … sehr real. Wie dem auch sei, ich habe den Schädel, den ich wollte ;)

An dieser Stelle muss wohl kaum erwähnt werden, dass unsere Texte von großer Bedeutung sind. Einige Arrangements oder Pattern wurden nur erschaffen, weil ich ein paar Worte hatte, die mir immer und immer wieder in den Sinn gekommen sind. Ich habe so viele Bands gesehen, die wahrliche Künstler und ausgezeichnete Songwriter sind, aber denen es am Talent oder dem Willen mangelt, ihre Musik mit einem passenden Konzept zu unterstützen. Stell Dir Morbid Angel ohne die Ancient Ones vor, oder King Diamond ohne den Abigail-Zyklus.

Unearthed10. Ihr habt „Unearthed“ selber und ohne ein vorhergehendes Demo veröffentlicht. Warum habt ihr diesen Schritt in eurer Geschichte übersprungen? Und warum habt ihr euch nicht auf ein Label verlassen, das eure Musik rausbringt? War da einfach kein Interesse, oder wolltet ihr die Kontrolle über alles selber behalten? In welcher Auflage wurde die MCD veröffentlicht? Und habt ihr noch viele Kopien übrig?

Offiziell war „Unearthed“ unsere Debüt-EP. Wir haben ein paar Songs zuvor komponiert, aber sie wurden nie als ein Demo veröffentlicht. Wir haben keine Promotion für diese erste Release gemacht, wir wollten es einfach selber machen. Wir haben im Juni 2012 500 Kiopien auf CD pressen lassen und es sind noch ca. 200 übrig. Ich würde diese EP gerne über ein gutes Label auf Vinyl veröffentlichen lassen. All unser selbstproduziertes Zeug läuft unter der Flagge CYPTIC CAVERNS.

11. „Monolith“ waren lediglich zwei Songs als Vorschau auf euer kommendes Full-Length. Es wird digital als „Name-Your-Price“-Download auf Bandcamp vertrieben, ist aber auch als CDr im Slipcase erhältlich. Was muss der Fan machen, um eine physische Kopie zu bekommen?

Beide Tracks auf „Monolith“ wurden komplett selbst aufgenommen in den Kerkern von CPRYPTIC CAVERNS. Das entstandene Resultat war gut genug, um es als Preview des kommenden Full-Length-Albums zu veröffentlichen. Diese Songs gibt es als Download über unsere Bandcamp Seite, aber wir haben auch 150 Karton-Hüllen machen lassen. Die CDr gibt es nur bei Gigs und auf Anfrage. Es sind nur noch wenige Kopien übrig, also wenn Interesse besteht, meldet ihr euch so schnell wie möglich bei unearthed@hotmail.nl, da ein Repress ausgeschlossen ist. Und um ehrlich zu sein, besteht eine gute Chance, dass diese beiden Tracks nicht auf der Full-Length enthalten sein werden…

Monolith illustration12. Wie zuvor erwähnt, habt ihr „Monolith“ als Preview auf euer erstes Album veröffentlicht. Wann können wir denn mit dem Full-Length rechnen? Sind bereits alle Songs geschrieben, oder vielleicht sogar schon aufgenommen? Auf Bandcamp sagt ihr, dass „The Black Abbot“ eine Story verteilt über 5 Lieder erzählen wird. Das klingt nach einem beeindruckenden Konzept! Magst Du mir etwas mehr über das Album erzählen?

In dem Review auf Deiner Webseite bist Du der erste, der die Edgar Wallace-Verbindung herstellt. Das Konzept des kommenden Full-Length hat nichts mit der Storyline aus dem Wallace-Film zu tun, aber der Roman hat mich inspiriert, den Hauptcharakter zu formen. Das Konzept entwickelte sich auf den ersten drei Songs der „Unearthed“-EP („A Coffin Tale“) und bekommt sein zweites Kapitel auf dem Album. Die zentrale Figur des Abts bindet die einzelnen Geschichten zusammen. Er ist der Messias des Fleisches, sowohl Magier als auch Necromant, aber auch ein Jünger des schwarzen Sturmbocks.

Beinahe alle Tracks sind fertig, also werden wir bald mit den Aufnahmen beginnen. Ich kann noch nicht Titel oder Tracks enthüllen, aber haltet ein Auge auf unsere Webseite (www.strangefactsinthescalpelcase.com) und ihr werdet bald mehr erfahren.

13. Neben eurem Full-Length, wird auch ein Re-Release von „Unearthed“ und „Monolith“ über Deadbanger Productions auf Tape erscheinen. Diese Compilation wird zwei zusätzliche Live-Tracks beinhalten. Sind das die Songs, die man schon auf eurem Bandcamp-Profil streamen kann? Wie seid ihr mit Deadbangers in Kontakt gekommen? Kannst Du mir irgendwas über die Aufmachung der Kassette erzählen?

deadbangerscoverDa die Verkäufe von „Unearthed“ sehr gut liefen und „Monolith“ nur in limitierter Auflage erschien, haben uns die dänischen Metal-Magier angeboten, beide Releases als Compilation auf Kassette zu veröffentlichen. Was als Plan begann, unsere Debut-EP als ordentlichen Tape-Release rauszuhauen, entwickelte sich zu einem größeren Projekt mit der Zugabe beider „Monolith“-Tracks und zwei Live-Aufnahmen. Es sind in der Tat die Songs, die man bereits auf Bandcamp anhören kann, und die wir als Opener für die Show der Venenum/Ketzer/Alchemyst/Tribulation-Tour in Belgien gespielt haben. Einer von ihnen wurde niemals zuvor veröffentlicht und wird Teil unseres Full-Lengths sein („Charnel house heresy (in league with the abbot)“).

Das Tape ist limitiert auf 250 handnummerierte Kopien und kommt mit einem professionell gedruckten Cover und weißen Kassetten. Das Artwork kann bereits auf unserer Webseite gesehen werden und ist eigentlich die Illustration von „Unearthed“ gemischt mit dem Farbschema von „Monolith“.

14. Eine Frage aus der Reihe: Belgien ist bekannt für seine Biere. Was ist Deine Lieblingssorte? Wenn ich im Land der Riesenportionen Fritten bin, bekomme ich normalerweise Jupiler oder Carapils – das kann aber auch daran liegen, dass ich primär Crust- und Grind-Veranstaltungen besuche, haha! Ist das Deine Marke, oder verlässt Du dich eher auf Leffe, Duvel oder Grimbergen stattdessen?

Ich wusste, dass Du diese Frage stellst. Da Du regelmäßig Crust- und Grind-Konzerte besuchst und sogar schon Cara Pils nennst, brauchst Du definitiv einen guten Ratschlag, hehe. In Anbetracht der enormen unterschiedlichen Biersorten hier, ist es einfach unmöglich, eine bestimmte Sorte als Favorit zu nennen. Ich denke es sind an die 150 Brauereien im Land, die gerne 500 Biersorten herstellen, warum sollte man sich da selber auf die von Dir genannten Sorten limitieren? Komm mal etwas früher nach hier, verpass‘ die erste Band die spielt und erkunde etwas die Marken! Wenn Du Dich auf die Trappisten und Abteibiere fokussierst, kannst Du nichts falsch machen. Alles eine Frage des Geschmacks, aber ich tendiere gewöhnlich zu Rochefort oder Chimay. Es hängt viel davon ab, was du dazu isst (oder kochst!). Oder probier‘ mal die Belgische Bierwoche in Brüssel: http://www.belgianbrewers.be/en/beer-culture/belgian-beer-weekend/article/belgian-beer-weekend
Wenn Du schon mal da bist, besuch‘ Le Cercueil und trink Bier aus Schädeln und benutze Särge als Tische!

(Das klingt doch mal nach einem super Vorschlag! Vielen Dank für den Tipp – Chris)

15. Das Interview nähert sich dem Ende. Also kommt die obligatorische Frage nach eurer Zukunft! Was können wir in absehbarer Zeit von STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE erwarten? Kommt ihr bald mal nach Deutschland? Gibt es neben Compilation und Album noch einen Release?

Aktuell sind keine weiteren Veröffentlichungen geplant, aber wir haben einen besonderen Track der Teil einer Split oder einer 7″ EP sein sollte. Die CD-Verkäufe laufen gut und ich hoffe auf eine Vinyl-Veröffentlichung. Auf jeden Fall werden wir wahrscheinlich die CD des Albums wieder selber pressen und nach einem Label für die LP suchen.

Ein Deutschland-Gig steht definitiv auf unserer Liste, wenn Du uns also helfen kannst, würden wir im Gegenzug ein paar belgische Bier mitbringen.

16. Fynnbrenn, danke für Deine Zeit und Antworten. Ich freue mich schon auf neues Material von euch. Das ist die letzte Station unseres Gesprächs, also nimm Dir die Zeit und hinterlasse ein paar Worte an meine Leser und eure Fans!

Wir sollten Dir Danken für die Möglichkeit, unsere Sicht der Dinge mit Deinen Lesern zu teilen. Es war ein gründlich ausgearbeitetes Interview, also jeder der es geschafft hat, bis hier zu lesen, sollte ordentlich gegrüßt und mit einer „Monolith“-Promo-EP belohnt werden. Kontaktiert die Grab-vergewaltigenden Jünger des Fleisches über unearthed@hotmail.nl und schaut euch unsere Webhell unter www.strangefactsinthescalpelcase.com an. Cheers!

http://www.strangefactsinthescalpelcase.com/
https://www.facebook.com/Strangefactsinthescalpelcase
http://strangefactsinthescalpelcase.bandcamp.com/



Chris (NecroSlaughter.de) // Fynnbrenn (Drums/Lyrics @ STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE) // 31.05.2013 / 29.06.2013
© Bilder: STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE