Graveyard Of Souls – Shadows Of Life

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Graveyard Of Souls - Shadows Of Life
Meine Hochachtung an FDA Rekotz! Das kleine deutsche Label hat sich in der aktuellen Retro-Death Metal-Welle einen ordentlichen Namen gemacht. Doch wider des Trends veröffentlicht Rico kurzerhand ein klassisches Gothic Metal Album von einer unbekannten spanischen Band. Und nein, es ist nicht der Rotz, wo dünner Frauengesang auf ein bisschen Gegrunze trifft und dann als „Gothic“ verkauft wird. „Shadows Of Life“ erinnert vielmehr an die melancholische Ausprägung von Doom/Death Metal, wie ihn Paradise Lost zu „Gothic„-Zeiten prägten und Amorphis, Tiamat oder R.E.T. seinerzeit spielten.

Dabei sieht man dem obskuren, fast surrealistischen Cover gar nicht die schwermütige Melancholie an, die diesem Debüt von Anfang bis Ende innewohnt. Musikalisch könnte man GRAVEYARD OF SOULS aber ohne Probleme in Finnland ansiedeln.

Prinzipiell bietet „Shadows Of Life“ keinerlei Neuerungen. Doch gerade diese konsequente Rückbesinnung auf ein längst verstorbenes und vergessenes Subgenre, macht das Album unterhaltsam. Ob es nun an eine Reminiszenz ist, oder ob GRAVEYARD OF SOULS mit ihren griffigen Songstrukturen, Riffs, Melodien und Gesangslinien einfach nur catchy Songs schreiben, kann man schwer sagen. Auf jeden Fall laufen die 45 Minuten der Scheibe fast ohne Längen direkt in den Gehörgang. Dort angekommen, fressen sie sich ins Langzeitgedächtnis und entwickeln einen extrem hohen Wiedererkennungswert. Einmal gehört, immer behalten.

Zumindest habe ich dieses Gefühl beim Titeltrack, „Dreaming Of Some Day To Awake“ und „Memories Of The Future (We Are)„, das spätestens beim Refrain sehr mächtig ist. So hinterlässt die erste Albenhäfte einen fetten Eindruck und macht richtig Spaß. Nur „Follow Me“ deutet gewisse Schwächen bereits an. Nach einer kurzen Zäsur (mehr dazu später), erschlafft „Shadows Of Life“ dann ein wenig. Klaro, die Songs sind immer noch locker aus der Hüfte geschossen, haben nette Atmosphäre und sind gut gemacht. „Dead Earth“ hat dazu noch ein cooles Lead, aber insgesamt fehlt es etwas an dem Ohrwurmcharakter, den den Auftakt des Albums nachhaltig geformt hat. „There Will Come Soft Rains“ zeigt sogar gewisse Längen und plätschert vor sich hin.

Als Bindeglied zwischen der fetten Reanimation des Genres und dem etwas flauen Abgang, findet sich ein Song mit exponierter Position. Das Tears For Fears Cover „Mad World„. Ich finde die Idee sehr geil, dass eine Metal-Band (besonders aus dem extremen Sektor) ein populäres 80s/Synthie-Pop/Wave-Lied covert. Doch leider scheitert die Umsetzung ein wenig, denn GRAVEYARD OF SOULS klingen sehr schleppend und drucklos. Da gefällt mir sogar das Piano-Cover von Gary Jules wesentlich besser, das vielleicht aus dem Film „Donny Darko“ bekannt ist. Gegen die tiefe Traurigkeit dieser Klavier-Interpretation wirken die spanischen Metaller wie manische Partylöwen.

Aber der Defizite zum Trotz, ist „Shadows Of Life“ ein überraschendes und überraschend gutes Album. Wer hätte gedacht, dass noch mal eine brauchbare Gothic Metal-Scheibe erscheint? Ob sich daraus die Initialzündung zu einer neuen Retro-Bewegung entwickelt, oder ob der melancholic/melodic Doom/Death Metal hier lediglich einen interessanten Fussabdruck im Zeitgeist hinterlässt, bleibt abzuwarten. Dass „Shadows Of Life“ Spaß macht, ist hingegen Fakt.

Infos:
FDA Rekotz – 21.07.2013
CD – 9 Lieder / 45:43 Min.

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