Beyond – Fatal Power Of Death


Beyond - Fatal Power Of Death

Kennt ihr BEYOND aus Mainz noch nicht? Dann wird es aber allerhöchste Zeit! Bereits das Demo „Relentless Abomination Vortex“ (über Detest Records, 2011) und die EP „Enter Transcendence“ (über Iron Bonehead, 2012) waren gut, aber mit ihrem Debüt „Fatal Power Of Death“ liefert die Band ein wahrliches Meisterstück ab. Death Metal, böse, furios und voller negativer Energie. Trotz aktueller Retro-Welle habe ich selten eine solche ungezügelte Raserei in dem Genre gehört, es ist ein wahres Fest.

Die Intensität der Musik wird durch die überlange Spieldauer noch eine weitere Dimension gegeben, gut fünfzig Minuten für einen solchen Hassbratzen sind schon harter Tobak. Doch es funktioniert, denn BEYOND kloppen nicht einfach nur stumpf auf die Kacke. Vielmehr ist „Fatal Power Of Death“ ein fantastisch ausgeklügeltes Kunstwerk. Auf der einen Seite stehen simple, aber funktionale Gitarren im ungestümen Geballer. Doch direkt daneben sind vielschichtige Soli positioniert, die von minimalistisch-atmosphärisch über hingebungsvoll und emotional zur wildesten Saitenvergewaltigung alles abdecken. Gleichermaßen holzt das Schlagzeug nicht stumpf daher. Vielleicht könnte man beim oberflächlichen Konsum den Eindruck bekommen, aber Session-Mensch M. spielt verschiedene Geschwindigkeitsstufen der Blastbeats, platziert intelligente Breaks und verleiht den drückenden Midtempo-Passagen unglaublichen Groove; ja, an manchen Stellen in „Appearance From Beyond“ wirkt das ruhige Drumming sogar als Konterpunkt zum wahnsinnigen Riffing. Schade, dass M. nicht mehr dabei ist, aktuell sind BEYOND auf Schlagzeuger-Suche.
Auch Bassist R. macht einen hervorragenden Job, ohne sich dabei zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Dennoch ist der Tieftöner ein integraler Bestandteil des Gesamtbildes, was im Metal leider nicht immer der Fall ist. Hier ist sicher auch der Sound von Patrick Engel (Temple Of Disharmony) nicht ganz unschuldig an dem durchaus ansprechenden Klangbild, das in immer noch sehr direkt und ungehobelt aus den Boxen ballert.

Diesen Grundlagen entsprechend, bietet „Fatal Power Of Death“ eine Menge zu entdecken und bleibt über die Spieldauer verdammt spannend. Nach dem eerie Intro, das direkt in „Expression Of Invincibility“ übergeht, ist erstmal die atmosphärische Grundlage für das akustische Chaos gelegt. Spätestens ab „Merciless At Heart“ starten BEYOND dann vollends durch, alleine der fette Refrain macht diesen Track zu einem richtigen Hammer. „Whirlwinds Of Chaotic Carnage“ ist gleichermaßen ein Hit und wird seinem Namen mehr als gerecht, ein chaotischer Wirbelwind voller Power. Der Titeltrack bedient sich – wie auch ein paar andere Songs – dezent an Keyboards, um die Grundstimmung noch intensiver auszubauen. Ein subtiles Element, was die Lieder sehr heavy und böse macht. Geschickt, geschickt!
Etwas anders geht „Definite Decease“ heran, ist der Anfang noch leicht melancholisch, wobei immer noch voller Energie, baut sich dann wunderschön auf und überrascht mit seinen emotionalen Soli am Anfang und Ende, sowie dem dreckig punkigen Riff im letzten Drittel. Nach dieser eher ungewöhnlichen Zäsur, folgen zwei meisterhafte Lieder. Alleine der langsame Part aus „Appearance From Beyond“ mit seinem wahnsinnigen Riffing und panischen Schreien ist unglaublich verstörend und beklemmend, von der Atmosphäre sehr nahe an Gorguts – ohne aber in die überspitzte Zwölftonkonstruktion dieser zu verfallen.
Consuming Black Void“ geht noch einen Schritt weiter. In seinen epischen Ausmaßen von fast 13 Minuten findet sich so unglaublich viel zum erforschen, kollagenhafte Sounds, beklemmende Klangwände, fragmentarische Konstrukte. Dennoch ist dieser psychopathische Hammer schön in einem Fluss und wohl das größte Kunstwerk auf diesem Debüt. Leichte Kost servieren BEYOND damit sicher nicht. Aber eine eindrucksvolle und einzigartige Interpretation des Death Metals.

Es ist die Balance, die „Fatal Powers Of Death“ so großartig macht. Wenn es darauf ankommt, sind BEYOND sehr rudimentär und präsentieren ihre pure Wut schnörkellos, geradlinig und auf den Punkt. Für Ausschweifungen und Spielereien, lassen sie sich Zeit. Und dann übertreiben sie es mit ihren Experimenten nicht, sondern arbeiten – der Spieldauer mancher Songs zum Trotz – sehr pointiert. Auch wenn es viele Leute nicht glauben mögen, dieses Debüt ist verdammt intelligent gemacht. Und das macht gerade Spaß an der Scheibe. Sie ist böse, direkt, verstörend und dennoch wohl strukturiert, eingängig und kurzweilig. Über die Spieldauer von 50 Minuten eine grandiose Leistung.

Noch gibt es das Album bei den Kollegen von Decibel im Stream. Ansonsten haben Iron Bonehead die LP und Necroshrine die CD. Da BEYOND aber mal wieder ein sehr detaillverliebtes Artwork haben, würde ich aber alleine vom optischen Aspekt zum Großformat raten. Dann kann man sich beim Anhören auch richtig in den Dämonenfratzen verlieren und dem Gesamtkunstwerk „Fatal Powers Of Death“ fröhnen.

Infos:
Iron Bonehead Productions (LP) / Necroshrine Records (CD) – 2013
CD/LP – 8 Lieder / 49:37 Min.

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