UNRU – Es schiebt sich zwischen uns, wie Schatten

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Unru - Logo

Sie sagen „Black Metal Crust“ – ich sage: Verstörende Scheiße! UNRU aus dem AJZ Bielefeld fabrizieren finsterstes Chaos und zerlegen meine Boxen und Hirnwindungen gleichermaßen. Von dieser unheilvollen Zerstörungswut vollkommen fasziniert, verpasste ich leider die erste Auflage des wunderschön aufgemachten Demos. Nachdem ich von der zweiten Edition aber eine handgefertigte Kopie erhaschen konnte, musste ich einfach ein paar Fragen an das Schreckgespenst UNRU verschicken. Macht den Bandcamp-Player an und lasst euch in den Malstrom mitreißen!


1. Hallo Stephan! Vielen Dank, dass Du und UNRU sich die Zeit nehmen, um ein paar Fragen für mich zu beantworten. Wie lebt es sich in Bielefeld, der Stadt, die es eigentlich gar nicht gibt? Hat Bielefeld überhaupt ein AZ oder ein besetztes Haus, in dem man feiern kann?

Hallo Christian, danke, dass du dir Zeit genommen und die Mühe gemacht hast uns zu interviewen. Vorweg: Da sich das bei diesem schriftlichen Mail-Interview anbietet, werden wir die Fragen einfach alle gemeinsam beantworten.
Ja, in Bielefeld gibt es das AJZ (www.ajz-bielefeld.de), welches in diesem Jahr sein nunmehr 40 jähriges Bestehen feiert. Da läuft halt wie sonst überall auch der übliche AZ Kram, soll heissen: Shows, Parties, Politik, Werkstätten, Proberäume, Kneipe, Vokü…

2. Passend zur urbanen Mystik um die Stadt Bielefeld, die Stadt, die es nicht gibt, agieren hinter UNRU lediglich Buchstaben: A., H., S., und T.. Warum diese Anonymität? Hat es was mit der Mystifizierung aus dem Black Metal zu tun? Oder entspringt dies der Verschleiherung aus der autonomen Szene, die auch oft unerkannt agieren will?

A. H. S. T. sind die Anfangsbuchstaben unserer Vornamen. Dass wir lediglich diese verwenden hat keineswegs mit der Absicht zu tun, dass wir uns anonymisieren wollen würden. Unru als Gruppe und als Konzept steht für uns im Vordergrund. Es ist für uns dafür nicht von Bedeutung, namentlich genannt zu werden oder auch zu benennen, wer was spielt. Andererseits würde es sich für uns auch nicht gut anfühlen uns gar nicht als Akteure hinter der Musik kenntlich zu machen oder uns Fantasienamen zu geben.

3. Als junge Band kommt UNRU leider nicht um eine Vorstellung rum. Wann und wie hat alles bei euch begonnen? Habt ihr vorher schon in Bands, vielleicht sogar schon zusammen, gespielt? Warum wolltet ihr unbedingt die Musik machen, die UNRU nun präsentieren?

Wir haben alle schon vorher teils gemeinsam in unterschiedlichen anderen Bands gespielt und ungefähr Anfang letzten Jahres kam es zur ersten Probe in der Zusammensetzung die nun Unru ist. Wir hatten schon ein diffuse Vorstellung davon, was für Musik wir gemeinsam machen wollen, aber mit der Zeit hat es sich dann erst zu dem entwickelt, was es ist. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Unru - Live

4. Ihr umschreibt UNRU als „Black Metal Crust“. Damit macht ihr es euch ein bisschen einfach, zumal ich weniger die Crust-Elemente raushöre. Ich denke, das bezieht sich wohl auch eher auf die Attitüde der Musiker dahinter, oder?
Euer Sound ist auf jeden Fall derber Black Metal. Teilweise unorthodox und weit abseits vom typisch norwegischen Sound. Tendenziell würde ich eher die französische Avantgarde an dieser Stelle raushören, Bands wie Way To End. Und einige Einflüsse entspringen sicherlich der Post-Black Metal-Bewegung, die Wolves In The Throne Room, Altar Of Plages, späte Blut Aus Nord deutlich geprägt haben. Gewisse Momente aus dem Hardcore, wie sie jüngst Red Apollo oder Gottesmörder etabliert haben, kann man aber auch vernehmen. Wie verortest Du UNRU? Welche bewussten und vielleicht auch unbewussten Referenzen zieht ihr in euren Sound?

Das Kind brauchte halt schlicht und einfach einen Namen, nicht? Black Metal / Crust umreißt unserem Empfinden nach schon weitestgehend was wir machen. Wir könnten nicht sagen, dass wir uns bewusst im Spannungsfeld eines bestimmten Genres verorten wollen würden. Unsere Musik ist so entstanden, da wir sicherlich auch von Black Metal und Crust beeinflusst sind, aber entscheidender war hier die Zusammensetzung der Band, aus der sich das dann einfach so ergeben hat… Allgemein könnte man schon behaupten, dass die Geschmäcker bei uns allen sehr breit gefächert sind und in Bezug auf Unru bedeutet das in Konsequenz, dass die nächsten Aufnahmen auch viel mehr in Richtung Doom, Drone, Noise oder Wasauchimmer gehen könnten.

5. Ein bisschen habe ich die Frage bereits angedeutet. Und wenn ich ehrlich bin, übernehme ich an dieser Stelle einfach einen Teil aus dem Interview, was ich an Ancst geschickt habe: Rechte Tendenzen und NSBM sind seit Jahren ein Problem, mit dem sich der Black Metal und seine Fans immer wieder rumschlagen muss. Oft zu recht, an anderen Stellen aber leider auch aus falscher Pauschalisierung heraus. Weniger Publik ist hingegen die aktuelle Strömung aus der linken und autonomen Ecke, die langsam im Black Metal Fuss fasst. Teilweise noch mit deutlichen Bezügen zur zweiten norwegischen Welle, andererseits aber auch herrlich befreit von Genrezwängen und dadurch in den Mikro-Schubladen Post- und Hipster-Black Metal daheim. Populärste Beispiele wie Wolves In The Throne Room oder Altar Of Plagues nannte ich bereits, auch die Untergrund-Kämpfer Gottesmörder, Ancst, Embers, Endless Disease oder jüngst auch Red Apollo, um nur ein paar zu nennen. Warum denkst Du, dass eine Gegenbewegung aus einem anderen musikalischen und auch soziopolitischen Kontext entwächst? Reichen Crust, Punk, Hardcore und Grindcore nicht mehr aus, um eine deutliche Botschaft zu transportieren?

Zu deiner ersten Frage: uns stellt sich eher die Frage, inwieweit da von Gegenbewegungen gesprochen werden kann. Unseres Erachtens nach geht es da doch letzten Endes einfach nur um ästhetische und musikalische Vorlieben. Das es, da mehr und mehr Menschen aus der „linken“ Szene Black Metal beeinflusste Musik machen, zu einer vermehrten Ausseinandersetzung und Abgrenzung zu NSBM kommt ist halt einfach der Geschichte von BM als Ästhetik und Szene geschuldet. Auseinandersetzung, Kritik etc. mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist für uns eher ausserhalb von Musik verortet. „Deutliche Botschaften“ sind auch nicht an irgendwelche Genres gekoppelt und unseres Erachtens nach auch effektiver in Politgruppen,Aktionen etc und vor allen Dingen in zwischenmenschlicher Auseinandersetzung (was ja eine Show oder eine Platte nur bedingt hergibt). Um einen Freund zu zitieren: „Argumente kann man nicht tanzen“ auch wenn uns bewusst ist wie wichtig Musik und Kunst als Medium für Politik sein kann, selbst wenn es sich dabei nur um etwas handelt, was einen Stein ins Rollen bringt, zum Nachdenken anregt.

6. Eine deutliche Botschaft nutzt ihr auf Facebook bereits zur Selbstbeschreibung: „Extase, Dissoziation | Ohnmacht, Flucht | Verdrängung“. Kannst Du dieses Triumvirat genauer erklären? Warum gerade Extase und Dissoziation, Ohnmacht und Flucht in einer Spalte? Widerspricht sich das nicht teilweise? Ist die Musik von UNRU nicht gerade das Gegenteil von Verdrängung, sondern aktive Auseinandersetzung mit der Situation?

Die von uns genannten Begriffe sind menschliche Zustände / Verhaltensweisen, die sowohl als psychische Zustände auftreten, als auch über bewusstseinsverändernde Substanzen erreicht werden können, als auch in ganz anderen Kontexten wie z.B. Religion und Sexualität, aber eben auch über Musik. Inhaltlich und ästhetisch sind dies Dinge die in unserem Interesse stehen, die Gefühlswelt, die sich aus ihnen ergibt versuchen wir in unserer Musik zu erfassen.
Warum wir ausgerechnet diese Begriffe gewählt haben hat keinen besonderen Grund, sie erfüllen lediglich eine auf Assoziation basierende, exemplarische Aufgabe um das zuvor genannte zu verbildlichen. Die Begriffe sind zum Teil zusammengefasst, da wir so die in unserer Wahrnehmung unabdingbaren Zusammenhänge und das Einhergehen dieser augenscheinlichen Widersprüchlichkeiten voneinander veranschaulicht sehen wollten.
Sicherlich bedeutet Unru für uns auch Auseinandersetzung mit gewissen Problemen, allerdings eben auch eher in Form von temporärer Verdrängung, maximal Katharsis. Wer sich aktiv auseinandersetzen möchte macht eine Therapie oder Ähnliches.

Unru - Demo 2nd Edition

7. Warum verwenden UNRU eigentlich deutsche Texte? Und wie wichtig sind euch die Lyrics? Ihr Abstraktionsniveau spricht dafür, dass ihr euch schon Gedanken darüber gemacht habt. Auch präsentiert ihr sie dem Käufer eures Demos richtig ansehnlich. Verstehen wird sie dennoch keiner bei dem Gebrüll, haha! Aber gerade das mag ich. So angepisst und bestialisch klingen wenige der ultra-trven Black Metal Bands!

Niemand von uns ist leider in einer anderen Sprache so gewandt oder hat die Zeit und Muse sich das raufzuschaffen, als das Texte verfasst werden könnten, die unserem inhaltlichen als auch ästhetischen Empfinden genügen würden. Unsere Texte sind genauso wichtiger Teil wie alles andere was UNRU ausmacht. In der Musik selbst ist der Gesang kein Inhaltsträger, sondern ein Teil des Sounds, der Stimmungen und Assoziationen hervorrufen soll.

8. Eure texte sind sehr abstrakt, absurd, teilweise obskur. Für diejenigen, die nicht euer aufwändig hergestelltes Demo besitzen, zeigt sich das alleine in den Songtiteln. Wie erklärt ihr Namen und Lyrics wie „Aber waren die, die schrien, die wuchsen?“, „Ich bin der Hexenmeister“ oder „Es schiebt sich zwischen uns, wie Schatten“? Was ist das textliche Konzept von UNRU? Kann man es überhaupt abstrahieren, oder ist es dafür zu entrückt?

Jetzt die einzelnen Texte zu erklären würde ein wenig den Interviewrahmen sprengen, nicht? (Och, im digitalen Nexus ist viel Platz…. – Amn. d. Verf.)
Unser (nicht nur auf die Texte beschränktes) Konzept ist aktuell das, was sich auch in der Aufzählung (Extase, Dissoziation …) widerspiegelt. Grob zusammengefasst: personelle und interpersonelle Konflikte. Wir sind dabei deutlich mehr beeinflusst von morbider Literatur, psychoanalytischer Theorie als von Gesellschaftstheorien (Gendertheorien zb), obwohl diese auch eine Rolle spielen.

9. Die 25 Minuten von „Demo MMXIII“ durchziehen durchnummierte, sehr abstrakte Zwischenspiele. Mit den Namen I-V gibt es ebenso viele Instrumentale, teilweise nur bestehend aus Drones, die eine sehr unheimliche und bedrohliche Atmosphäre erzeugen. Wie kamt ihr auf die Idee zu diesen Zwischensequenzen und wie wichtig sind sie für das Gesamtbild eures Demos.

Wir fanden es schon zu Beginn interessant mit Noise und Drone zu experimentieren. Auch wenn sie auf der Demo als Intro/Outro und Interludes fungieren, sind sie Teil unseres musikalischen Konzepts (auch live). Wie du selbst sagst eben eine weiter Möglichkeit eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen.

10. Euer Demo kam in sehr begrenzter Auflage raus. Die erste Edition waren gerade mal 50 Einheiten. Warum habt ihr nur so wenige Exemplare gefertigt? Als junge Band zwischen vielen, ist dies vielleicht ein gesunder Start. Doch als ich ein Exemplar haben wollte, war bereits alles aus der Erstauflage weg. Wart ihr nicht selber ein wenig überrascht, dass euer erstes Lebenszeichen so gut ankam? In welcher Menge existiert die zweite Charge? Gibt es Unterschiede zwischen der Aufmachung der ersten und zweiten Auflage?

Wir hatten halt wirklich nicht damit gerechnet, dass die Nachfrage so hoch sein würde – daher die begrenzte Auflage bzw. die zweite Auflage, von der es ungefähr 40 Stück gibt. Die beiden Auflagen unterscheiden sich in der Art es Papiers, als auch in der Art der Seitenbefestigung und das Artwork ist unterschiedlich.

Unru - Demo Caligari Tape11. Nachdem es bereits zwei Editionen als CDr gab, wird Caligari Records euer „Demo MMXIII“ demnächst auch als Kassette veröffentlichen. Wie kam hier der Kontakt zustande? Gibt es schon ein Release-Date? In welcher Auflage wird das Tape erscheinen und wie wird die Aufmachung aussehen? Wieder DYI mit Siebdruck-Cover? Oder einfach nur professionell gedruckt? Gibt es Gimmicks wie Patches, Buttons oder Slipcase?

Caligari wird das Tape in Nordamerika veröffentlichen und Colossus in Deutschland und Europa. Wir freuen uns sehr auf beide Veröffentlichungen und sind für die Unterstützung überaus dankbar! Wie das Colossus-Tape aussehen wird, wissen wir noch nicht, aber das, was wir bisher an Ideen mitbekommen haben, klingt sehr vielversprechend. Das Caligari-Tape wird etwas professioneller maschinell gefertigt und gedruckt. Für das Design hat sich das Label selbst verantwortlich gezeichnet und wir sind sehr zufrieden damit. Was andere Merchandise-Geschichten angeht, ist (bisher) nichts in Stein gemeißelt.
https://www.facebook.com/CaligariRecords
https://www.facebook.com/colossus.tapes

Unru - Runen-Logo12. Wenn ich eure Patches und das Logo auf eurem Demo betrachte, scheint ihr eine gewisse Symbol-Ästhetik zu pflegen. Ich sehe ein umgedrehtes Kreuz, zwei Halbmonde und mit etwas Phantasie die Rune „M“ aus der Futhark-Runenreihe.
Euer Bandlogo von eurem Facebook-Profil zeigt euren Namen in Form von Bäumen, die einem umgedrehten Dreieck entwachsen, das sich wiederum in einem Kreis befindet. Was bedeuten diese geometrischen Symbole für euch? Wie wichtig ist solche Symbolik für UNRU und wie weit hat die Verwendung solcher Zeichen für euch wirklich etwas mit Okkultismus zu tun? Was ist nun das eigentliche Bandlogo? Die Bäume, die Stiche oder das UNRU in Fraktalschrift?

Was unsere Musik als auch unsere visuellen Elemente anbelangt, sind wir keinem festen Konzept verhaftet. Wir haben auch kein „richtiges“ Bandlogo oder einen Schriftzug, sondern schöpfen alle diese gestalterischen Teile aus einer abstrakten Bildwelt, die uns zu geteilten Assoziationen verleitet und von der wir deswegen glauben, dass sie gut zum „feeling“ der Band und unserer Musik passt.

Unru - Patch Boy13. Der Patch „Boy“ entspricht nun weniger der typischen Black Metal Ästhetik, sondern deutet schon eher in die autonome Ecke. Welche Bedeutung hat dieses Motiv? Oder ist es einfach nur ein fancy Bild, das sich schick auf der Jeansjacke macht?

Bei der Herstellung der ersten Demoauflage sind wir ein wenig unter Zeitdruck geraten und haben dann einfach „Lobotomy“ bei der Bildersuche eingegeben. Daher kommt der Junge und die Frau (im Artwork der ersten Demo (Ich denke, es ist die Auflage gemeint – Anm. d. Verf.)). Wir finden, dass sich Bilder aus diesem düsteren Kapitel der Psychotherapie ziemlich gut mit unseren Inhalten und der Gesamtästhetik verbinden lassen.

14. Die Illustration aus dem „Booklet“ eures Demos ist wiederum anders. Die abstrakten Bilder, teilweise bestehend aus schlichten Pinselstrichen und stilisierten Darstellungen, passen für mich weder in die gängige HxC- noch die Black Metal-Szene. Habt ihr diese Bilder selber gemacht? Haben sie eine bestimmte Bedeutung, oder sollen sie einfach die düstere und verstörende Ästhetik eurer Musik verbildlichen?

Wenn du von der zweiten Auflage sprichst: das Artwork hat Tini für uns gemacht. Sie hat sich unsere Musik angehört und die Texte durchgelesen und dann davon beeinflusst die Bilder gemacht.
Auch wenn wir selbst ein recht umfassendes ästhetisches Konzept haben, finden wir es eigentlich umso spannender, was andere Menschen ausgehend von unserer Musik/unserem Artwork künstlerisch umsetzten.

15. Eure Demo kommt zwar als CDr, aber nicht einfach in ein billiges Slimcase gepackt, sondern nett aufgemacht. Im DinA5-Format, ansprechendem Artwork (wieder der Junge, der auch die Patches ziert), einem großformatigem Booklet mit Texten und Illustrationen und durchsichtiger Banderole mit eurem Namen um das Gesamtbild herum. Das sieht ziemlich nach DIY aus. Auch zieren diese drei Buchstaben eure Bandbeschreibung auf Bandcamp: „Black Metal/Crust/DIY“. Wie wichtig ist euch dieser Aspekt an UNRU? Habt ihr auch die Aufnäher selber bedruckt, oder habt ihr da auf einen Dienstleister wie Pressure And Ink zurückgegriffen? Mit welcher Technik wurde das Booklet hergestellt? Einfach das ungewöhnliche Papier durch den heimischen Tintenstrahldrucker gejagt? War es eigentlich beabsichtigt, dass in meinem Booklet stellenweise die Poster zu eurem gemeinsamen Gig mit Sun Worship auf der Rückseite der Blätter sind? Hattet ihr nichts mehr von dem fancy Papier, oder versucht ihr Wertstoffe möglichst effektiv zu verwerten?

Beide Editionen sind im überwiegenden Maß nach DIY-Prinzip hergestellt. Nur die Bedruckung des Papiers haben wir von einem Copyshop übernehmen lassen, da Siebdruckverfahren hier schlicht unpraktisch gewesen wäre. Aber ansonsten stammt, zumindest im Fall der ersten 50 Exemplare, alles aus unserer Feder: Layout, Design und Verpackung haben wir selbst entworfen und verarbeitet. Das ist auch einer der Gründe, warum die Stückzahlen so begrenzt sind. Die Herstellung war mit keinem geringen Aufwand für uns verbunden, wie immer, wenn man Dinge selbst macht. Aber DIY ist für UNRU tatsächlich ein Kernbestandteil und auch fest in unserem persönlichen Selbstverständnis verankert. Dazu gibt es keine Alternative.

16. Geht eure Attitüde auch über das Selbermachen eurer Tonträger hinaus? Engagiert ihr euch in eurem autonomen Zentrum, lebt vegan und versteht euch als Aktivisten? Oder ist das Unterhalten einer Band im DIY-Stil schon Arbeit genug?

Man könnte sagen, dass wir insgesamt schon in unserer regionalen Szene vernetzt sind, einige sehr stark, andere weniger. Wir würden uns eher nicht als „politische Aktivisten“ verstehen, aber durchaus als politische Menschen. Dazu kann eben auch gehören, z.B. vegan zu leben (das tun wir aber nicht alle), Konzerte und politische Veranstaltungen zu organisieren oder eben einfach Musik zu machen, die für uns, und im schönsten Fall auch für andere, etwas bedeutet.

Unru - Band

17. Wie schaut es mit der Zukunft von UNRU aus? Wo euer Demo auf solch positive Resonanz gestoßen ist, einer zweiten CDr-Auflage nebst Kassetten-Edition verlangte, folgt demnächst ein Album? Oder gibt es zunächst noch weitere Demos, EPs und vielleicht sogar Splits? Oder wollt ihr erstmal die AZs und besetzten Häuser Europas bespielen? Wann kommt ihr mal hier ins Aachener AZ? Ich gebe euch auch einen Club Mate oder ein Bier aus, ganz wie euch beliebt, haha!

Deine Einladung nehmen wir selbstverständlich gern an, wenn es uns nach Aachen verschlägt! Aktuell legen wir, mit Ausnahme einiger weniger Konzerte, unser Hauptaugenmerk den Rest des Jahres auf Songwriting und neue Veröffentlichungen. In welcher Form das alles von Statten gehen wird, muss an dieser Stelle allerdings Zukunftsmusik bleiben.

18. Vielleicht magst Du mir die Bands verraten, die Dich im Moment richtig begeistern. Egal, ob es nun die Kollegen aus dem Squat sind, oder Größen aus dem Rock-Olymp. Was war Deine letzte Neuentdeckung?
 
Wir verfügen alle über einen sehr breiten Musikgeschmack und es wäre reine Willkür, an dieser Stelle besondere Bands herauszustellen. Deswegen wäre es eher angebracht, über Bands zu sprechen, mit denen wir in letzter Zeit einige gute Abende verbracht und in denen wir auch Freunde gefunden haben: SUN WORSHIP, ABEST, DEUIL und PARAMNESIA, aber auch unsere Nachbarn von RUINS, HYENA und PATSY ‚O HARA deren Proberaum und Equipment wir gerne Mal mitbenutzen.

19. Stephan, vielen Dank für Deine Zeit und Deine Antworten. Ich habe wirklich viel Spaß mit eurem Demo und bin sehr auf das Tape gespannt. Die letzten Worte gehören Dir und UNRU!

Danke auch dir für das ausführliche Interview und das Lob.

http://unru.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/pages/UNRU/369861329766252



Chris (Verstörter @ NecroSlaughter.de) / Das Unru-Gespenst – 2013-05-22/2013-06-07
© Bilder: Bandcamp und Facebook von UNRU/Caligari Records