Hate Force One – Wave of Destruction


Hate Force One - Wave of Destruction

Also rein optisch präsentieren sich HATE FORCE ONE gar köstlich! In schwarz-weiß-roter Tricolore hat Sebastian Jerke (der mir zuvor auch kein Begriff war) ein wunderschönes Gesamtkonzept erschaffen. Angefangen von dem umfassenden Cover, das sich über Vorder- wie Rückseite des Booklets erstreckt und irgendwo zwischen Evil Ernie, Spawn und Hellboy-Comics und der biomechanischen Alptraumwelt früher Egoshooter wie Quake oder Doom bewegt, über das wunderschöne Zombie-Bandbild im inneren des Beipackzettels. Dort fehlt es zwar an Lyrics, doch stattdessen zieren diverse Zitate die erste Seite des Einlegehefts. Von Filmen wie „Dawn Of The Dead“, „Dracula“ oder „Braindead“ zu einem Zombie Haiku. Krasse Sache, die mir richtig gefällt!

Da enttäuscht es mich gar doppelt, dass „Wave Of Destruction“ musikalisch mit der Integrität seiner visuellen Präsentation nicht mithalten kann. Zwar passt der schnörkellose Death-Thrash Metal irgendwie zum Comic-Artwork. Doch irgendwie reicht er weder in Stimmigkeit noch origineller Qualität an das Booklet heran.

Beim ersten Hören meinte ein Kumpel: „Kommen die aus Köln?“ – Naja, nicht ganz, sondern aus Geseke. Dennoch klingt dieser nordrheinwestfälische Mief durch, der HATE FORCE ONE irgendwie staubig und altbacken klingen lässt. Gewisses Potential für den Liveauftritt kann man dem Material aber genauso wenig absprechen, wie die Hingabe der Musiker an ihre Lieder.

Doch zunächst sind der Titeltrack dieses Debüts oder „New Zombiefield“ einfach nur ordinär. Besonders häufig finden sich uninspirierte Riffs auf „Wave Of Destruction„, beispielsweise in der Strophe von „The Joker“ oder das langweilige Geschrubbe aus „Before The War„. „Ideen“ wie diese hat man alleine aus Köln schon zig mal gehört. Prinzipiell kann HATE FORCE ONE aber auch anders. „Death Roll“ erinnert mich ein wenig in der Songstruktur und viel in der Gesangsführung an „Kinderfresser“ und seine Derivate von Jack Slater. Nicht originell, aber mit wesentlich mehr Drive als andere Songs der Platte.

Am besten sind aber die melodischeren Momente auf „Wave Of Destruction„. „Payback„, „Face The Mirror“ oder das richtig gute „Sick Philosophy“ klingen wie Solicitude (besonders im Gesang) und Abrogation (in der Harmonieführung) in einem Hexenkessel. Diese Lieder haben griffige Elemente, die trotz des leicht staubigen Touches in Erinnerung bleiben und deutlich aus dem Album hervorstechen. Und natürlich soll das „Jump In The Fire„-Tribut aus „The Joker“ auch nicht unerwähnt bleiben, wenngleich es den Track nur temporär aufwertet.

Abseits vom umwerfend stimmigen Artwork, ist „Wave Of Destruction“ noch etwas auf der Selbstfindung. Der Spagat zwischen unbedacht aufgenommenen Material, das leider etwas unausgegoren ist, und guten Ideen mit Potential, ist momentan noch etwas wackelig. Vielleicht kam dieses Debüt etwas zu früh auf den Markt. Doch vielleicht schlagen HATE FORCE ONE mit dem nächsten Album weiter die Richtung ein, die ihnen gut zu Gesicht steht. Solange kann man in „Wave Of Destruction“ gerne reinhören. Man verpasst aber auch nichts, wenn man es lässt.

Infos:
Bret Hard Records – 21.06.2013
CD – 10 Lieder / 32:58 Min.

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