Bölzer – Aura


Bölzer - Aura

Mit ihrem Konzept-Demo „Roman Acupuncture“ waren BÖLZER irgendwie ein Geheimtipp. Ohne großes Aufsehen, hat ihre unkonventionelle Interpretation des Death Metals eine Hand voll Fans ansprechen können, darunter auch Patrick / Iron Bonehead Productions, der das Teil kurzerhand noch mal neu aufgelegt hat. Dies war auch die Basis für die folgende Zusammenarbeit, die 12″-EP „Aura„.

Auf den ersten Blick mag es vielleicht etwas mager erscheinen, für 12 Euro gibt es drei neue Songs – zuzüglich einer Minute Outro. Doch die Gesamtspielzeit beträgt 23 Minuten, die Songs staffeln sich von sechs und sieben zu knapp elf Minuten. Und am Ende zählt die Qualität, und nicht die Quantität.

Denn BÖLZER spielen ungewöhnlichen Death Metal. Einige Momente erinnern vielleicht an Necros Christos, wie der Anfang von „CME„, wenn sich der Song schleppend aufbaut. Und an manchen Stellen kommen sicher auch einige Elemente aus dem Black Metal hinzu. Auch klingt der spoken-word-mäßge Gesang in Verbindung mit einigen atmosphärischen Momenten etwas nach den australischen Alchemist – ohne die progressive Instrumentalisierung dieser zu übernehmen. Doch spottet „Aura“ eigentlich jeder Beschreibung.

Repräsentativ mag an dieser Stelle nur „Entranced By The Wolfshook“ hervorgehoben sein, den man auch auf dem Soundcloud-Profil des Züricher Duos anhören kann. Die Lead-Melodie ist simpel aber verdammt griffig. Das folgende Geschepper reduziert bis aufs nötigste, dadurch aber mürbend und ultra-effektiv. An den richtigen Stellen unterstreichen die Keyboards polyphone Gitarrenwände, die wie Keyboards klingen entweder die atmosphärischen Teppiche oder übernehmen auch schon mal melodieführende Funktion. Im Gesamtbild durchschreitet der Song eine sehr coole Entwicklung, die trotz aller Bausteine und Ideen am Ende stimmig ihren Abschluss findet und eine infernalische Einheit bildet.

Aura“ an sich verdient das Attribut „infernalisch“. Vielleicht gerade, weil das Vokabular von BÖLZER nicht plakativ und abgedroschen ist, sondern mit neuen Farben ein finsteres Gemälde zeichnet. Ja, es ist schier fantastisch, wie zwischen schleppendem Doom, monotonem Geballer, intelligenten Keyboards interessante, polyphone Gitarrenteppiche und unkonventionellen Harmonieführungen drei mitreißende und ungewöhnliche Songs entstehen. Vielleicht brauchen die drei Songs der EP am Anfang den ein oder anderen Hördurchlauf. Aber nach ein paar Rotationen sind die zwölf Euro für das Minialbum durchaus adäquat. Zumal die Aufmachung mit schwerem Vinyl und golden bedrucktem Cover durchaus einen handfesten Gegenwert darstellen.

Wem Worte nun nicht genügen, der bildet sich selbe rein Urteil mit den beiden Songs „CME“ und „Entranced By The Wolfshook“ von der Soundcloud-Seite BÖLZERs. Anschließend wird aber brav die Schallplatte gekauft, okay?

Infos:
Iron Bonehead Productions – 2013
12″-EP – 4 Lieder / 23:08 Min.

https://www.facebook.com/pages/B%C3%96LZER/108657105834227
https://soundcloud.com/bolzer
https://www.facebook.com/IronBoneheadProductions
http://www.ironbonehead.de/