Strange Facts In The Scalpel Case – Unearthed

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Strange Facts In The Scalpel Case - Unearthed
Vielleicht geht es auch nur mir alleine so. Aber dank einiger Beispiele aus Metal- und Deathcore, bin ich persönlich ein bisschen vorbelastet, wenn eine Band einen mehr oder minder vollständigen Satz als Namen wählt. STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE hinterlässt aber bereits mit ihrem Logo ein klares Statement. Das fies-krakelige Wort „Scalpel“ deutet schon eher in frühen Death Metal und Grindcore. Die Typografie um die restlichen Worte erinnern etwas an Venenum. Die Schädelsilhouette links und der der Zylinder rechts versprechen Inspiration aus altmodischem Horror. Und in der Tat bedienen sich die Texte auch aus mehr oder minder klassischen Themen. „Taphophobia (Dying To Get Out)“ zeigt deutliche Bezüge zur „lebendig begraben“-Thematik, die Poe ständig verfolgt hat.

Auch die knapp 22 Minuten der Debüt-EP „Unearthed“ lassen jedwede eventuell vorhandene Sorge ob des Bandnamens schnell verfliegen. STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE fahren alleine schon einen angenehm rohen und unpolierten Sound. Dreckig, aber sehr stimmig zur Musik. An manchen Stellen wirken die Details vielleicht etwas ungeschliffen, wenn die Gitarren etwas mehr in den Vordergrund gerückt werden könnten, und die Kickdrum poltert wie ein alter Pappkarton. Aber es passt vollends und sehr sympathisch zur morbiden Atmosphäre von „Unearthed„.

Die gleichsam altmodische Ausrichtung der Musik resultiert bei STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE erfreulicherweise nicht in einem weiteren Dismember/Entombed-Klon. Vielmehr erinnert mich die unkonventionelle Herangehensweise an finnische Ekzentriker wie Xysma oder Demilich. Dabei liegt die technische Verspieltheit zwischen den beiden Bands, etwas filigraner als Xysma (dafür stellenweise genau so groovy), aber nicht so abgefahren und kosmisch-wirr wie Demilich. An verrückten und frischen Ideen mangelt es dem belgischen Duo dennoch nicht. Mit teilweise zweistimmigen Gitarren-Linien und einem sehr effektiv eingesetzten Bass, der an manchen Stellen sogar dominante Position bezieht, konstruieren STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE sehr interessante Songs. In ihrer Finsternis klingen manche Stellen leicht Südamerikanisch, oder eben nach den amerikanischen Vorbildern Incantation/Immolation. Doch sind dies mehr atmosphärische Einflüsse denn wirklich musikalischer Anleihen. Gleiches gilt für den ein oder anderen fies-schleimigen Moment, der beispielsweise am Ende von „Taphophobia“ an Autopsy erinnert.

Unearhed“ ist auf seinen 22 Minuten sehr abwechslungsreich und sprudelt nur so von erfrischenden Ideen. Vielleicht sind die Riffs und Strukturen nicht die innovativsten, aber in der überzeugenden Darbietung heben sich EP und Band deutlich von anderen Bands ab. „Mortuary Odours“ schießt locker aus der Hüfte und hat einen sehr eigenen, durchaus mitreißenden Groove. „Unearthed“ besticht mit seinem konfusen Melodieverständnis, das schon nahe an Demilich liegt. Ähnlich morbide Harmonien und verrückte Ideen bezeichnen „Summoned„. Jeder Song hat seine eigenen Highlights.

Zwischen unkonventionellen Ideen, überraschenden Wendungen im Songverlauf und finsterer Atmosphäre, erschaffen STRANGE FACTS IN THE SCALPEL CASE irgendwie immer wieder eine gewisse Eingängigkeit. Und das ohne zuckersüße Melodien oder sich ständig wiederholende Liedteile. Das ist eine schwierige Kunst, die nicht viele Bands beherrschen! Diese Debüt-EP ist ein verdammt guter Szene-Einstand, den man sich als Fan von finsterem Death Metal mit makabren Beigeschmack nicht entgehen lassen sollte. Direkt von der Band, bekommt man die professionell aufgemachte CD für 11 Euro. Inklusive Porto!

Seither ist noch eine 2 Track EP „Monolith“ auf CDr erschienen, die auch als Download erhältlich ist und in Kürze hier gleichermaßen ihr Review findet. „Unearthed“ und „Monolith“ befinden sich gerade beim dänischen Label Deadbangers Productions als Tape in der Mache. Mit zwei Live-Bonus-Songs und professionellem Cover, wird die Kassette auf 250 handgemachte Kopien limitiert sein. Wer Interesse hat, wendet sich direkt an die Band oder Deadbangers.

Infos:
Eigenproduktion – 2012
CD-EP – 6 Lieder / 21:45 Min.

http://www.strangefactsinthescalpelcase.com/
https://www.facebook.com/Strangefactsinthescalpelcase
http://strangefactsinthescalpelcase.bandcamp.com/