Severe Mutilation- Spawn Of Hatred


Severe Mutilation- Spawn Of Hatred

Eigentlich kochen SEVERE MUTILATION auch nur mit Wasser. Und „Spawn Of Hatred“ ist sicherlich kein besonders hervorstechendes Album. Dennoch ist das Zweitwerk der Band aus Puerto Rico irgendwie ein Geheimtipp. Auch abseits vom Exotenbonus. Denn sie schaffen locker aus dem Handgelenk, was andere Bands mit viel Mühe und Arbeit nicht hinbekommen: Ein verdammt unterhaltsames und kurzweiliges Album rauszuhauen!

Spawn Of Hatred“ hat eine knackige Spielzeit. In 29 Minuten werden 9 Songs zuzüglich Intro runtergeholzt. Für die Musik absolut die richtige Mengeneinheit. Zumal SEVERE MUTILATION genau wissen, wann sie die einzelnen Songs beenden müssen. Zwischen 2:44 und gut vier Minuten werden die Ideen oft genug wiederholt, um zu wirken, aber gleichzeitig so pointiert beendet, damit sie sich nicht auslutschen. Verdammt, gerade dieses Gespür für die perfekte Lebensdauer von Ideen und Songs wünsche ich mir von so vielen Bands…

Zu diesem bestechenden Gespür für Wiederholungen und Laufzeiten, kommt die musikalische Vorstellung von SEVERE MUTILATION. Zum einen begeistert das Quintett dadurch, dass es nicht in der aktuellen Retrowelle lebt und sich musikalisch an skandinavischen Urgesteinen bedient. Zum anderen findet „Spawn Of Hatred“ immer die richtige Mischung aus früher amerikanischen Schule und der Interpretation aus den mittigen Neunzigern, einer Prise Thrash und einer dezenten Note europäischem Charmes. Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Cannibal Corpse, mittleren Dying Fetus, Vader, frühen Aborted und Desecration. Von den Thrash Momenten vielleicht auch bei Defleshed.

Das Groove-Moment auf dem Album wechselt angenehm zwischen dem typischen Cannibal Corpse Geschrammel und Dying Fetus zu „Killing On Adrenaline„-Zeiten. Natürlich ohne die High-Speed-Exzesse und mit wesentlich humaneren Vocals. Sänger Wesley erinnert mich da schon eher an Sven von Aborted, der auf Frank Mullen trifft, vielleicht noch eine Nummer bellender.
Gelegentlich kommen dezente Slams und andere Elemente aus dem Brutal Death Metal in die Musik. Beispielsweise in „I Kill For God„, „Fuck The World And Bring On The Hate“ oder auch „Practice What You Preach„. Doch wirkt es niemals prollig, sondern passt sich angenehm in den Gesamtsound ein. Gleiches gilt für die Thrash-Momente. Die fesche Uptempo-Melodie aus „Unholy Inquisition“ macht den Song zu einem echten Killer!

Generell ist das Riff- und Harmonie-Gefühl von SEVERE MUTILATION sehr gelungen. Zu keiner Zeit klingen die Melodien kitschig, sondern verschaffen den Songs einfach nur ein catchy Element. „All Respect For Life Is Lost“ wächst immens dadurch. Oder auch „Fuck The World And Bring On The Hate„. Oder das böse Lead am Schluss von „I Kill For God„, einfach köstlich!

Am Ende gefällt mir auch einfach das Tempo des Albums. „Spawn Of Hatred“ ist immer schön zackig unterwegs, brischt schon mal in ordentliche Blastbeats aus, ist aber immer aggressiv und menschlich unterwegs. Zu keiner Sekunde versuchen SEVERE MUTILATION so derbe wie möglich zu sein, keine Gravities, keine Pig Squeals, keine übertriebenen Apreggios. Die Musik kommt aus der Hüfte und ist alleine deswegen tausendmal brutaler, als all diese Technik-Wichser, die sich auf ihre Skalen und BPM-Zahlen einen runterholen müssen.
Selbst solche chaotischen Ausreißer in „Fuck The World And Bring On The Hate“ oder die furios-abrupten Breaks aus „My Misery Shall Be Your Tragedy“ verzeiht man in diesem Kontext gerne.

SEVERE MUTILATION sind vielleicht nicht originell. Aber das ist bei „Spawn Of Hatred“ wirklich sowas von egal! Die Musik kommt von Herzen und brettert brutal und kurzweilig aus den Boxen. Das alleine macht die Scheibe empfehlenswert. Denn selbst mit bekannten Bausteinen von anfangs genannten Bands, haben die Puerto Ricaner noch mehr Profil und erinnerungswürdige Momente, als viele andere Bands dort draußen. Party Hard und hört euch die Songs auf Reverbnation an – auch wenn die richtig coolen Songs leider nicht dort sind!

Infos:
Khaosmaster – 2013
10 Lieder / 29:36 Min.

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