Red Apollo / Gottesmörder – Split

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Red Apollo - Gottesmörder - Split
Wenn man sich nur inzestuös im eigenen Sud aufhält, dann entgeht einem so manch interessante Entwicklung. Zum Beispiel entwächst gerade eine spannende Gegenbewegung zu gängigen Klisches; aus dem Crust und Hardcore entspringt so manche, erfrischende Black Metal Band. Ideologisch sind Wolves In The Throne Room oder Altar Of Plagues sicher die bekanntesten Vertreter, musikalisch gibt es mit Embers, Unru, Ancst oder den mittlerweile avancierteren Downfall Of Gaia deutlich innovativere Kapellen.
Einen neuen Einblick in diese eher links-orientierte und im tiefen DIY-verwurzelte Szene, bringt Alerta Antifascista am 17. Mai heraus, die gemeinsame Split zwischen RED APOLLO und GOTTESMÖRDER.

Bisher waren mir RED APOLLO aus Dortmund eher als düstere Hardcore-Band ein Begriff und konnten mich im AZ zu Aachen und mit ihrer EP „Quiet As Death“ gut unterhalten. Das folgende Full-Length „March Funèbre“ (gleichsam über Alerta Antifascista) kann ich leider noch nicht mein eigen nennen, weswegen ich gleichermaßen wenig über die Entwicklung vom Debüt zum neusten Output sagen kann. Nur mit Kenntnis der EP bergen RED APOLLO aber einen immensen Schritt. „Transgression I“ ist ein großer Sprung vom finsteren Hardcore, hin zu deutlich Black Metal beeinflussteren Sound. Alleine der Anfang des Tracks ist sehr schwarz, in seinem mürbenden Minimalismus fast schon nihilistisch. Doch noch innerhalb der ersten Minute kommen sehr fette Elemente aus dem Hardcore hinzu, die an Fall Of Efrafa auf dem Post-Metal-Trip und ganz zum Schluss sogar an die letzte Downfall Of Gaia erinnern. In der Melanche aus treibender Geschwindigkeit, klirrend kalter Atmosphäre, pessimistischen Vocals und weiten Klangteppichen, sind diese 5.44 Minuten ein Überraschungshit, voller Hass und Wut. Nun steht das Album erst Recht auf meiner Kaufliste!

GOTTESMÖRDER haben mich bereits mit den zwei Songs auf ihrer selbstbetitelten Debüt-EP schwer beeindruckt. Doch deuteten die neuen Lieder bei ihrer Livepremiere bereits eine etwas andere Entwicklung an. Vielleicht war diese neue Ausrichtung auch der Grund, warum ich zunächst etwas von „Winds‘ Shadow“ enttäuscht war. Im ersten, oberflächlichen Vergleich, liefert die italienische Post-Black Metal Band den schwächeren Teil der Split ab. Doch Achtung, die Nummer ist intensiv, braucht Raum und wächst entsprechend!
Es ist ein schwerer, schleppender Song. Alleine die dunklen Hardcore-Vocals werden die meisten Black Metal Fans abschrecken. Wenn man sich aber auf „Winds‘ Shadow“ einlässt, dann entfaltet der Track eine wunderschöne Majestätik, die mich persönlich sehr an (wenngleich stark reduzierte) Wolves In The Throne Room erinnert.
Die Grundstimmung des Songs ist verdammt kalt und außerordentlich böse. Das schleppende Drumming und die dezent betonten Basslinien erheben diesen kargen Klangwald zu einem akustischen Erlebnis, das immer weiter wächst und wuchert. Im Nachhinein betrachtet, ist es eine wunderschöne Ode.

Die konträre Herangehensweise an die Neu-Interpretation des Black Metals macht diese Split sehr interessant. Beide Bands haben ihre Wurzeln im (düsteren) Hardcore, beide Bands beziehen Elemente aus dem Post-Rock/Metal in ihren Sound und spielen deutlich unorthodoxen Black Metal. Und beiden Beteiligte erschaffen damit einen eigenen, sehr ästhetischen Sound. RED APOLLO wirken zunächst dynamischer, aggressiver und noch deutlicher im Hardcore verwurzelt. GOTTESMÖRDER haben die Transzendenz bereits erreicht und begeben sich auf eine andere, atmosphärischere Ebene, die deutlich mehr Raum zum Atmen braucht. Doch beide Seiten zeigen wunderschön auf, wie die Idee des Black Metals in einer etwas anderen Attitüde leben und sich entwickeln kann. Irgendwie ist es ein schönes Zeitzeugnis. Ein Schnappschuss eines Mikrogenres, das abseits von Trends und großer medialer Beachtung stattfindet. Eben in autonomen Zentren und der DIY-Szene. Eigentlich schade, denn diese Interpretation bringt neue Impulse in ein Genre, das außer vereinzelten (französischen) Avantgardistien nur noch wenig zu sagen hat. Von meiner Seite gibt es vollste Empfehlung und besten Dank an Christoph/RED APOLLO für die MP3s zu dieser Scheibe! Wenn ihr demnächst in Aachen seid, dann freue ich mich schon auf eine physische Kopie der Split.

Infos:
Alerta Antifascista Records – 17.05.2013
Split 7″ – 2 Lieder / 12:33 Min.

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