Orphalis – Human Individual Metamorphosis

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Orphalis - Human Individual Metamorphosis
Human Individual Metamorphosis“ ist ein mächtig abstraktes Album. Dabei glaube ich nicht mal, dass ORPHALIS es als solches konzipiert haben. Nun, vielleicht in den Grundzügen. Denn das biomechanische Coverartwork und die futuristische Schrift im Booklet unterstreichen die ungegenständlichen Texte. Hier positioniert sich die 2010 gegründete Band aus Dortmund bewusst in einem kybernetischen Kontext.

Und irgendwie ist auch die Produktion von „Human Individual Metamorphoses“ eine Transzendenz weg vom Menschlichen. Die Gitarren klingen schon sehr mechanisch, lassen etwas Bauch und Volumen in den tiefen Klängen missen. Obligatorisch ist auch das Schlagzeug die reinste Trigger-Hölle, Presslufthammer Kickdrum und knatternde Snaredrum, die in den Gravityblasts jedweden Bezug zum humanoiden Trommler Kai verliert.

Doch die größte Abstraktion durchlebt dieses Debütalbum wohl in seinen Songs. Ob ORPHALIS wirklich einen leicht mechanischen Cyborg-Soundtrack erschaffen, oder einfach nur ordentlich brutalen Highspeed Death Metal abliefern wollten, vermag der Hörer nicht zu sagen. Im ersten Durchlauf ist es 32 Minuten Maschinenlärm ohne irgendwelche nennenswerte Charakteristika oder gar erinnerungswürdige Momente.
Dann fallen aber die Details auf. Beispielsweise der vergleichsweise menschliche Gesang, der, entgegen der musikalischen Parallelen, ORPHALIS von Visceral Disgorge unterscheidet. Der gesteigerte technische Anspruch der Dortmunder tendiert an manchen Stellen auch eher in Richtung Brain Drill. Aber zum Glück nie in die selbstverliebte Wichserei, die die amerikanischen Tech-Deather unerträglich macht. ORPHALIS sind da songdienlicher – sofern man das bei dem emotionslosen Getacker sagen kann.

Gute Ansätze sind aber auf „Human Individual Metamorphosis“ zu erkennen. Leicht versteckt, in der Albenmitte. „Veins Of Delusion“ hat ein brauchbares Riffing und ein nettes Sweeping-Solo. Auch „Gnosis On Self Immolation“ ist im Vergleich zum restlichen Material differenzierter und hinterlässt einen gewissen Eindruck.

Bis OPRHALIS aber die Balance zwischen Hochgeschwindigkeitsgeballer, Brutalität und dennoch erinnerungswürdigen Songs gefunden haben, wie es beispielsweise Chaos Inception oder Perversity schaffen, wird wohl noch was Zeit vergehen. Ob alleine ein etwas ausgewogenerer Sound hilft, weiß ich nicht. Auf jeden Fall sollten die überladenen Lärmwände etwas entzerrt und auch schon mal Momente unter den 300 BPM anvisiert werden. Nur weil man verfickt schnell und technisch spielen kann, heißt das noch lange nicht, dass man auch die brutalste Scheiße dort draußen spielt (;

Infos:
Show No Mercy Records – 2012
10 Lieder / 31:54 Min.

https://www.facebook.com/Orphalisband
http://www.orphalis.de/
http://orphalis.bandcamp.com/
http://www.shownomercyrecords.com/