Revel In Flesh – Manifested Darkness


Revel In Flesh - Manifested Darkness

Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist! In diesem Sinne gönnen sich REVEL IN FLESH auch keine Pause, und hauen gut ein Jahr nach ihrem Debüt „Deathevokation direkt ihr zweites Album hinterher. Zwischenzeitlich war die Band aber auch nicht gerade gemächlich unterwegs, sondern hat neben diversen Auftritten auch noch eine Split 7″ mit Revolting veröffentlicht. Eigentlich kein Wunder, denn gerade in den Anfängen ist eine Band immer am enthusiastischsten und motiviertesten. Auch wenn mit Haubersson (Ralf Hauber, ex-Immortal Rites, Mystical Music Fanzine) und Maggesson (Dirk Schwarze, Dawn Of Dreams/Apophis) zwei alte Hasen hinter REVEL IN FLESH stehen. Soweit ich weiß, komplettieren mittlerweile weitere Musiker das Live Line-Up, in wie fern diese kreativen Einfluss auf „Manifested Darkness“ hatten, ist mir unbekannt.

Doch selbst wenn Gøtzbert (Bass), Hermannsgard (Gitarre) und Vøgtsson (Drums) am Songwriting des Zweitwerks von REVEL IN FLESH beteiligt waren, hörte man dies eigentlich nicht raus. Denn „Manifested Darkness“ ist eine konsequente und gleichsam stoische Fortsetzung von „Deathevokation„. Angefangen beim stimmigen Artwork, wieder aus dem Stift von Juanjo Castellano, über die Produktion von Dan Swanö hin zur logischen Herangehensweise an ihre Songs. Natürlich stellt sich damit auch schnell ein ähnlich guter Unterhaltungsfaktor ein. Auf der anderen Seite müssen Haubersson und Maggesson spätestens jetzt aufpassen, dass sie nicht zu sehr in ihrem Worship stagnieren.

In Anbetracht der kurzen Reifezeit für „Manifested Darkness„, ist das Album überdurchschnittlich gut geworden. Alle Songs – bis auf wenige, kleine Momente der Länge – spielen locker aus der Hüfte auf hohem Niveau. Das Geheimnis liegt wohl in den sehr reduzierten Melodien, die sofort im Ohr kleben bleiben und einigen sehr mitreißenden Riffs. Aufgelockert mit den richtigen Tempowechseln in den passenden Momenten und schon entstehen Hits wie „Deathmarch“ oder der Titeltrack. Qualitativ bewegen sich „Revel In Flesh“ (zu dem es auch einen Youtube-Clip gibt), „Dominate The Rotten“ oder „The Maggot Colony“ nur unwesentlich hinter den beiden Highlights. Lediglich „Torment In Fire“ und „Operation Citadel“ entwickeln über ihre fünf bzw. sechs Minuten ein paar Längen. Doch im Gesamtbild sind selbst diese Momente der Schwäche zu verkraften.

Die großen Einflüsse auf REVEL IN FLESH sind natürlich nach wie vor die gleichen. Dismember (höre den Titeltrack!), Edge Of Sanity (gleichsam „Manifested Darkness„), Fleshcrawl („Dominate The Rotten„). In seiner rotzigen Direktheit und dem punkigen Vibe erinnert „The Maggot Colony“ auch ein wenig an Autopsy, was den bisherigen, skandinavischen Horizont der Musik etwas erweitert. Aber nicht sonderlich viel, haha!
Die dicken Grooves und treibenden Midtempo-Passagen werden vor allen Dingen auf der Bühne direkt in kinetische Energie im Publikum umgesetzt. Die stellenweise stark reduzierten Leads und Melodieverläufe bauen dazwischen die entsprechende Atmosphäre auf. Besonders „Torment In Fire“ klingt sehr nach diesem ominösen „damals“, was alle so sehr lieben und vermissen. Lediglich gegen Ende wird dieser Song ein wenig cheesy. An gleicher Krankheit leidet auch der Schluss vom eigentlich fetten „Deathmarch„.
Das größte Manko an „Manifested Darkness“, sind aber die diversen Intros, die eigentlich immer den Fluss des Albums unnötig unterbrechen. Einzige Ausnahmen sind das Kriegsszenario von „Operation Citadel“ und das Klaviergeklimper in „Rotting In The Void„, das wunderschön in das Hauptthema des Songs leitet und am Ende auch zu Grabe trägt. Da sind die vokalen Einleitungen schon wesentlich cooler; das simpel vorgebrüllte „Revel In Flesh“ vor dem gleichnamigen Opener oder die nette Stereospielerei vor „Warmaster„, das wider Erwarten wenig Bolt Thrower inne hat.

Wenn ich aber ehrlich bin, fallen die Schwächen von „Manifested Darkness“ darum auf, weil es eben das Zweitwerk ist. Im direkten Vergleich zum Debüt bewegt sich das Album auf gleichem Level. Entsprechend kann eigentlich jeder Fan von „Deathevokation“ bedenkenlos zugreifen und vor allen Dingen die Hits „Deathmarch“ und den Titeltrack ordentlich abfeiern. Zum fröhlichen Sing-A-Long auf Konzerten eignen sich natürlich noch so manch weitere Refrains.

Für den Sammler bieten REVEL IN FLESH und FDA Rekotz noch besondere Anreize. Die CD-Version hat als zehnten Track das Autopsy-Cover „Twisted Mass Of Burnt Decay“ (fancy umgesetzt), derweil die LP „Mutilation“ von Death (dat Cover kennsch leider nisch) an dieser Stelle trägt. Das Vinyl-only Bonuscover „Mutilation„, ein Tribut an die toten Death, rattert in bester, tiefergelegter Paganizer-Manier mit flotteren Repulsion-Hasenfick-Drums aus den Boxen: verschwedet, aber gut sich einfügend in das sonst so abwechlungsreiche Geschehen auf „Manifesting Darkness(Ergänzende Anmerkung zur LP von Lobi/Ancient Spirit). Nett für den Sammler, gemein gegenüber dem Fan, der sich auf ein einziges Medium konzentriert. Ist eine solche Strategie überhaupt mit der schwäbischen Sparmentalität vereinbar? Sei’s drum, ich für meinen Teil bin ja eigentlich dankbar, dass dem jeweiligen Käufer auch noch etwas „exklusives“ geboten wird. Darum weiterhin meine Empfehlung für REVEL IN FLESH, auch wenn ich der Band gleichzeitig den Tipp gebe, dass das nächste Album vielleicht etwas von der „Nummer Sicher“ abweichen sollte. Alleine, damit REVEL IN FLESH nicht zu sehr stagnieren und zwischen den anderen Bands der Retro-Bewegung weiter an Relevanz behalten.

Infos:
FDA Rekotz – 03/2013
CD/LP – 10 Lieder / 46:24 Min.

http://revelinflesh.jimdo.com/
https://www.facebook.com/pages/Revel-in-Flesh/304228902958414
http://www.fda-rekotz.com/gx/
https://www.facebook.com/FDAREKOTZ