Tribulation – The Formulas Of Death

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Tribulation - The Formulas Of Death

Meinetwegen kann das Jahr nun aufhören. Ich weiß, wir haben gerade mal Mitte März. Dennoch wurde bereits das beste Album des Jahres veröffentlicht, da können es alle anderen auch direkt sein lassen! Auch wenn ich gestehen muss: „The Formulas Of Death“ ist für mich eher ein Überraschungserfolg…

Dabei genoss der Vorgänger „The Horror“ einen sehr guten Ruf in der Szene und wurde von allen Seiten abgefeiert. Der dargebotene Death/Thrash war sicher ordentlich und machte deutlich Laune, mir verschloss sich aber ein wenig die hochtrabende Euphorie um dieses Debüt. Da fand ich die Auswüchse um TRIBULATION schon spannender. All die Riffs, die nicht zur Hauptband passten, verwertete Gitarrist Jonathan in Stench, die in ihren mehrstimmigen Melodieführungen und punkigen Black/Death schon wesentlich agiler und eigenständiger sind. Doch wie in einem Kugelstoßpendel scheinen die kreativen Ideen wieder zurück in TRIBULATION zu fließen. Und dabei bringen sie neue Impulse und Denkansätze mit, die „The Formulas Of Death“ abermals interessanter gestalten.

In einem Worten könnte man dieses Zweitwerk beschreiben: Revolutionär. Doch leider verlieren solche Superlative schnell an Inhalt, wenn man sie zu inflationär verwendet. Außerdem sollte man ein solches Urteil erst nach den ersichtlichen Auswirkungen auf die Musikgeschichte fällen. Dieser differenzierter Relativismus erlaubt dennoch die Grundaussage: „The Formulas Of Death“ ist innovativ und kreativ, voller Energie und Ideen birgt dieses Album sogar für den Hörer inspirierende Impulse!

Dass TRIBULATION den strikten Genre-Grenzen entwachsen, ist wohl die größte Stärke der Scheibe. Der Wechsel zwischen Black über Thrash zu Death Metal ist so fließend, wie stellenweise auch abrupt, dass sich eine genaue Klassifizierung schwierig gestaltet. Auch die stilübergreifenden Einflüsse aus psychedelischem Rock der 70er und crustigem Punk bereichern diese intensiven 75 Minuten um eine kaum fassbare Diversität.

Will man „The Formulas Of Death“ mit Vergleichen zu anderen Bands beschreiben, kann man sicher einige Bezüge herstellen. Den Watain-ähnlichen Gesang, das Death-Riff in „Through The Velvet Black„, das wiederum auch einen Dissection-Part hat oder gelegentliche Momente von Immortal/Satyricon und natürlich Stench. Ferner meine ich auch Parallelen zu The Doors (!) und auch einen Hauch Baroness (im hebräisch betitelten Interlude und dem folgenden „Suspiria„) zu erkennen. Doch greift keiner dieser Vergleich komplett oder spiegelt gar das breite Spektrum von TRIBULATION wider.

Denn in den Fähigkeiten aller beteiligten Musiker erwächst die nächste Erhabenheit der Band. Alleine die Gitarren leisten hervorragende Arbeit. Von griffigen und feurigen Riffs, die durch polyphon ausgelegte Harmonieführungen, intelligente Leads und mitreißende Soli im Verlaufe eines jeden Songs immer dichtere Soundwände erbauen, finden sich auch verspielte Klangkollagen und und bewusst platzierte Breaks und Momente der Ruhe auf dem Album. Der Bass bezieht eine perfekte Rolle zwischen Harmonieführung, als Ergänzung zu den Gitarren, und rhythmusunterstützendem Instrument. Die Paraderolle hat er wohl mit seinem Lauf in „Rånda„.
Gleichermaßen ist das Drumming sehr kreativ und geht weit über das stumpfe Standardrepertoir des gemeinen Metalschlagzeugers hinaus. Sowohl in der Dynamik, wie auch den interessanten Beats (gleichsam „Rånda“ oder „Ultra Silvam„) ist die Darbietung sehr erfrischend.

Der dritte Aspekt, der „The Formulas Of Death“ zu einem hervorragenden Album macht, ist die Produktion,die sowohl die stilistischen, wie auch handwerklichen Fähigkeiten von TRIBULATION perfekt (!) ins Szene setzt. Der Klang des Albums ist warm und mit breitem Dynamikumfang. Zwei Merkmale, die man bei wenigen aktuellen Veröffentlichungen findet, und die besonders den abgefahrenen 70er-Vibe der Platte hervorheben.

All diese Teilaspekte erlauben eine einmalige Komposition. Ein Gesamtwerk, das in sich stimmig und berauschend ist, aber auch exemplarisch als einzelnes Teilstück funktioniert. Immer wieder erscheinen einzelne musikalische Themen, die in gewissen Variationen das komplette Album durchziehen und somit sehr schlüssig machen.

Auf der anderen Seite mutieren einzelne, an sich recht simple Motive innerhalb eines Songs so häufig und nehmen stellenweise überraschende Wendungen, dass selbst die epischsten Lieder mit 10 und 13 Minuten durchgehend spannend und interessant bleiben. Exemplarisch könnte man fast jeden Track sezieren und wahnwitzige Merkmale herausarbeiten. Doch um „The Formulas Of Death“ zu hören, ist eine analytische Herangehensweise nicht notwendig. Das Album knallt direkt beim ersten Hören. Und gleichzeitig bietet es eine schier unendliche Tiefe für den wiederholten und vor allen Dingen intensiven Genuss.

Denn intensiv ist „The Formulas Of Death“ auf jeden Fall. Zum einen durch die monumentale Spielzeit von 75 Minuten, die aber durch ausgezeichnet platzierte und ausgeführte Zäsuren aufgelockert werden. Doch auch der musikalische Wahnsinn verlangt vom Hörer viel. Denn es ist ein intelligentes Album mit fantastischem Harmonieverständis, das weit über die langweilige Standardfloskeln des Metals hinausgeht. Auch die orientalisch/indische Klänge und verspielte Gitarreneffekte in einzelnen Passagen addieren eine befremdliche, aber faszinierende Exotik zu der kohärenten Einheit.

TRIBULATION haben was zu sagen. Es muss gehört werden. „The Formulas Of Death“ ist für mich ein Meilenstein. Und für DICH ein Pflichtkauf!

Infos:
Invictus Productions (EU) / The Anja Offensive (US) – März 2013
CD-Reviews – 11 Lieder / 76:51 Min.

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