Reborn From Ashes – Issue 6

2012 - Reborn From Ashes - Issue 6
Puh, nach meiner Lektüre des Soleil Trystes, ist die neue Ausgabe von REBORN FROM ASHES ein krasses Kontrastprogramm. Sowohl in der Aufmachung, wie auch im Inhalt, bleibt sich Macher Tony treu und trieft an allen Ecken und Enden vor der alten Schule des Death Metals. Damit einhergehend ist leider auch der Vertrieb des Fanzines etwas langwieriger und beschwerlicher, als man es heute in Zeiten von MP3, Webzines und digitaler Vernetzung noch gewohnt ist. Ursprünglich erschien das Heft bereits Mitte 2012, aber erst Anfang 2013 wurde der europäische Distro meines Vertrauens einiger Exemplare habhaft, worauf wieder einige Wochen später eine Kopie in meinem Briefkasten landete. Dass diese Odysee aus Amerika über Frankreich nach Deutschland alleine wegen der Portokosten nicht ohne Folgen für den Preis blieb, muss ich wohl nicht weiter erwähnen. Soweit ich weiß, hat leider kein Distro aus der BRD das REBORN FROM ASHES im Bauchladen, sondern man muss auf Nihilistic Holocaust (Fr), Eldritch Lunar Miasma (Uk), Memento Mori (E) oder No Posers Please (No) zurückgreifen. Am Besten in Verbindung mit anderen Bestellungen in ihren Shops. Die Postboten sollen ja auch mal was zum Tragen haben.

In seiner stoischen Ewiggestrigkeit knüpft Ausgabe sechs nahtlos an den Vorgänger an. Etwas kleiner und breiter als DinA4, sind die 54 Seiten des Heftes seitlich zusammengetackert. Das Cover ziert ein Bild von Mark Riddick, der gleichermaßen über seine Kunst und seine Bands Grave Wax, Fetid Zombie, Unburied oder Macabra im Interview Auskunft gibt. So informativ und weitreichend dieses Gespräch ist, so sehr enttäuscht mich etwas das Cover-Artwork. Riddick sollte lieber bei seinen verwesenden Körpern bleiben, und halbnackte Frauen wem anderes überlassen.
Neben dem Künstler finden sich exzessive Fragerunden mit Impetigo/Tombstones, Gutwrench/Morbicus/Pyrophoric, Cenotaph, Omision, Necroccultus, Unholy Lust und Acrostichon. Alleine an dieser Auswahl (und auch an einigen evergreens unter den Interviewfragen) sieht man, dass Tony die mexikanische Metalszene sehr wichtig ist, und sie eine sehr exponierte Rolle für das REBORN FROM ASHES einnimmt. Darum ist es wenig verwunderlich, dass in Ausgabe 7, die aktuell schon kräftig in Bearbeitung ist, ein großes Special zur mexikanischen Szene geplant ist.

Wie Tony in seinen Fanzine-Reviews selber sagt, mag er keine kurzen und oberflächlichen Interviews. Deswegen sind seine Fragenkataloge schon fast an der Grenze des zumutbaren. Sowohl für die arme Band, die all dies beantworten muss, wie auch für den Leser, der Unmengen an Informationen geboten bekommt. Im übertriebensten Falle, dem Interview mit Stevo von Impetigo, musste Tony sogar die Schriftgröße schmerzlich verkleinern, damit die Seitenzahl nicht noch mehr gesprengt wird. 4,5 Seiten sind verdammt viel Lesestoff bei Typengröße 4. Auch wenn die meisten anderen Zwiegespräche nicht an diese epischen Dimensionen reichen, sind es doch im Schnitt drei bis fünf Seiten, die einer Band zur Verfügung steht.

Hinzu kommen 17 Seiten voller Reviews. An dieser Front kämpft Tony nicht alleine, sondern hat kräftige Unterstützung von Mike „Abominator“ (metalmaniacs.com/Gravehill), Julian Nunez (Horrible Zine), Jonathan Xolotl und Matt „Putrid“ Carr (Putrid Gore Art). Größtenteils sind diese Review gut zu lesen und geben einen guten Eindruck von dem entsprechenden Tonträgern. Am detailliertesten schreibt Tony selber, am emotionalsten Mike (wie man es von Metalmaniacs kennt) und am oberflächlichsten/kürzesten/aussagelosesten der Herr Putrid.
Die Rezensionen sind ein wenig chaotisch angeordnet. Zwar finden sich alle Besprechungen auf zusammenhängenden Seiten (bis auf das Review zu Omisions „In The Shadow Of The Cross„, das beim entsprechenden Interview zu finden ist), dennoch wirkt alles etwas zusammengewürfelt. Weder alphabetisch sortiert, noch untergliedert in Trägermedien oder nach Autoren, alles ist auf einem Haufen. Etwas abgesondert stehen die paar Artikel von Matt „Putrid“ und man mag auch gewisse Blöcke Xolotl, Nunez oder dem „Abominator“ zuordnen können. Davor, danach und dazwischen scheint Tony die einzelnen Akteure zusammen zu kleben, wie Mörtel. Mitten in dieser Sammlung (und dort leider auch von anderen Reviews unterbrochen), finden sich dedizierte Fanzinebesprechungen, in deren Reihe die Comics von NFL (Nice Fucking Life) etwas deplatziert wirken. Zwar basieren die Geschichten auf Alben und Charakteren aus der Metalszene, dennoch wirkt es im Gesamtbild etwas komisch. Auch stellt sich die Frage, ob die besprochenen spanischsprachigen Fanzines für die internationale Leserschaft interessant sind.

Diese Kritikpunkte sind aber Gejammer auf hohem Niveau. Denn eigentlich erwartet man von einem Fanzine, das mit Kopierer, Schere und Prittstift erstellt wurde, gar keine chronologische oder alphabetische Sortierung der Reviews. Im Gegenteil, die gestückelten Texte werden quasi vom restlichen Layout verlangt oder auch ein bisschen bedingt. Die typischen, selbstgezeichneten Rahmen um die Interviews sind dezent im Hintergrund und variieren mit jeder Story. Durch seine jahrelange Erfahrung hat Tony auch wichtige Aspekte gelernt. Er verwendet durchgehend einen Schrifttypen und eigentlich auch eine gut leserliche Schriftgröße. Lediglich bei Impetigo/Tombstones benötigt man ein Fernglas. Doch das ist dem Macher selber bewusst, und er entschuldigt sich bereits im Editorial dafür.

Die gröbsten Mängel an REBORN FROM ASHES #6 sind wohl die Enden der Interviews mit Impetigo und Gutwrench, die man auf der letzten Seite des Heftes findet, zwei unvollständig übersetzte Antworten im Omision Gespräch und der Schluckauf beim Satz der Gravehill und Gutwrench Reviews, die nach einem Wechsel in die nächste Spalte auf einmal eine kleine Schnitzeljagd vom Leser erwarten.

Wenn man aber ein handgemachtes Fanzine über Death Metal der alten Schule kauft, dann toleriert man solche kleinen Patzer, nein, man verlangt sie geradezu. Man will dilettantische Zeichnungen von Skeletten und überstilisierte Genreklischees. Man will einen Autoren, der über alle Maße engstirnig und ewig gestrig ist. Dafür aber auch fanatisch und detailverliebt bis zum Umfallen. Und all diese Eigenschaften zeichnen Tony und sein REBORN FROM ASHES aus. Er betreibt sein Magazin aus voller Hingabe zur Musik und dem (fast schon elitären) Underground und zeigt damit einen dicken Mittelfinger an den aktuellen Trend zum OSDM©.

Wer Interesse an dem Heft hat, sollte sich ranhalten, da es gerade mal 300 Kopien gibt. Wer kein Glück mit Ausgabe 6 hat, muss sich aber nicht lange gedulden. Soweit ich mitbekommen habe, ist Nummer 7 bereits in den letzten Zügen.

Infos:
Veröffentlicht: Mitte 2012
Sprache: Englisch
Aufmachung: ca. DinA4, etwas kleiner und breiter, Hochformat, s/w xeroxed, 54 Seiten
Inhalt: 8 Interviews / 17 Seiten Reviews (Tapes, LPs, CDs, Fanzines und auch Comics)
Preis: €4,-, zzgl. Porto und Verpackung (über Nihilistic Holocaust)
Kontakt: intheshadows96@aol.com

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