Lifeless – Godconstruct

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Lifeless - Godconstruct
Godconstruct“ klingt erstaunlich gut! Zwar ist in der aktuellen Retrowelle bereits alles über den oldschool Swedeath Metal gesagt worden, LIFELESS füllen mit ihrem zweiten Full-Length doch eine fast schmerzliche Lücke in der Szene. Außerdem haben sie gelernt und die Fehler ihrer Vergangenheit ausreichend ausgebügelt.

Das Debüt „Beyond The Threshold Of Death“ hinterließ bereits einen brauchbaren Eindruck. John McEntee von Incantation war sogar so beeindruckt, dass er kurzerhand das 2008 veröffentlichte Album über sein eigenes Label Ibex Moon Records erneut veröffentlichte (2010). Ich war zu Zeiten des Re-Release mitunter positiv angetan, auch wenn mir einige Defizite schon deutlich auffielen. Besonders das stark gedrosselte, teilweise unangenehm gezügelte Tempo gefiel mir nicht. Doch bereits mit dem ersten neuen Song, dem Titeltrack des Albums, der gleichermaßen auf der gemeinsamen Split „Chapel Of A Lifeless Cult“ mit den kölnern Chapel Of Disease Mitte 2012 veröffentlicht wurde, zeigten LIFELESS ihre neue Ausrichtung. Die Mischung aus atmosphärischer Melodie und brachialem Death Metal schien ausgereifter.

Das neue Album „Godconstruct“ bestätigt nun auf knapp 50 Minuten, dass der Titeltrack keine Ausnahme war, sondern LIFELESS insgesamt gereift sind. Besonders die angezogene Geschwindigkeit am Schlagzeug sticht hervor und sprengt das Korsett, das den Vorgänger noch in seiner Bewegungsfreiheit einschränkte. Das Zweitwerk kann sich weiter entfalten und zwischen langsamen, drückenden Passagen und flinken Blastbeats wechseln, wie ein Rehkitz die Schnellstraße durch den dichten Wald.

In dieser neuen Agilität nehmen LIFELESS ein klein wenig Sonderstellung ein. Natürlich ist ihr Sound immer noch schwer beeinflusst von den alten schwedischen Größen, primär Dismember. Aber immer wieder gibt es Momente auf „Godconstruct„, die über diese skandinavischen Wurzeln hinausgehen und mich an den ureigenen Stil der Landsleute von Fleshcrawl erinnert. Bereits zu „Chapel Of A Lifeless Cult“ erinnerte mich der Titeltrack (des Albums) an „Darkside Of My Soul„, nun sehe ich weitere Parallelen in „Towards Damnation„, „Blood For The Gods“ oder „The Truth Concealed“ (nagut, vielleicht auch in der Melodik von „Blindead„). Da die ulmer Institution in letzter Zeit verdammt faul geworden ist, erfreuen mich diese Ähnlichkeit, der ähnliche Vibe, der über plumpes Schweden-Ripp-Off hinausgeht.

Um auf ganzer Linie zu überzeugen, müssen LIFELESS aber noch ein bisschen Arbeiten. Zunächst könnten einige Lieder erstmal etwas gestutzt werden. Häufig werden die guten Ideen einfach zu häufig wiederholt und nutzen sich dadurch in den vier bis fünf Minuten langen Liedern etwas ab. Weiterhin mag ich einfach die überzuckerten Melodien nicht, die „The Truth Concealed“ zieren. Dass die Band besser kann, zeigt die Maiden-Melodie in „Reconquering The Soul“ oder das Lead in „Seething With Rage„, das in der Steigerung wunderschön zweistimmig wird. Auch sind die Soli durchaus im gehobenen Durchschnitt anzusiedeln, stellen aber keine wirkliche Glanzleistung dar. Ich will furioses Feuer, Slash and fucking Burn!

Trotz der kleinen Kritikpunkte, zaubern LIFELESS dennoch einen Death Metal Hit des Jahrs 2013 locker aus der Hüfte: „Sworn To Death„. Ein schwerer Brecher; eine dicke Hymne; ein fettes Gerät! Verdammt, was ist das ein mächtiger Song! Besonders gefällt mir der van Drunen Gesang in der Mitte des Tracks. Wer singt das?? Im Booklet sind leider keine Credits vergeben. Wenn das Sänger/Gitarrist Marc selber gemacht hat, dann stelle ich hier meine explizite Bitte an ihn: Bitte, bitte mach in Zukunft so weiter! Dieses heisere Gekotze ist wesentlich räudiger als Deine restlichen Vocals, die zwischen konkurrierenden Releases eher untergehen. Aber das Gewürge kommt „with massive killing capacity“, um Deine eigenen Worte zu nutzen.

Bis LIFELESS einen Meilenstein wie „As Blood Rains From The Sky We Walk The Path Of Endless Fire“ locker aus dem Ärmel schütteln, vergeht sicher noch etwas Zeit. Doch auch Fleshcrawl brauchten ihre Reifephase. Darum bin ich guter Dinge, dass mit dem Nachfolger von „Godconstruct“ eine weitere Steigerung deutlich zu sehen ist. Immerhin war der Sprung von „Beyond The Threshold Of Dearh“ zum aktuellen Album auch immens. Trotz einiger, kleiner Mängel, kann ich also eine dicke Empfehlung für „Godconstruct“ aussprechen. Es klingt wie ein typisches Swedeath Album. Hat aber dennoch besondere Züge, derer es anderer Genrekollegen mangelt.

Infos:
FDA Rekotz – 01.03.2013
CD/LP – 12 Lieder / 48:25 Min.

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