Graveyard (Esp) – The Sea Grave


Graveyard - The Sea Grave

Seit ihrem Debüt „One With The Dead“ haben sich GRAVEYARD vier Jahre Zeit gelassen, bis sie uns mit einem neuen Album beglücken. In dieser Zwischenzeit ist dennoch einiges passiert. Mitunter kam auf einmal eine schwedische Band mit gleichen Namen daher, und reitet auf der großen Retro-Okkult-Rock-Welle durch die Schlagzeilen. Das macht das filtern nach relevanten Informationen zu den spanischen Namensvettern nicht gerade einfach. Davon unbehelligt haben GRAVEYARD (Esp) diverse Splits und die EP „The Altar Of Sculpted Skulls“ veröffentlicht, die in der schwemme an Releases leider an mir vorbei geflossen sind.

The Sea Grave“ zeigt weiterhin die große Liebe der Spanier zu den schwedischen Vorbildern Dismember oder Entombed. Dennoch ist dieses Zweitwerk eine große Evolution für die Band. Trotz deutlicher Parallelen, kopieren GRAVEYARD weniger, als dass sie aus den bekannten Elementen neues Konstruieren. Das Ergebnis ist wesentlich vielschichtiger, als es „One With The Dead“ war.

Einhergehend durch die neuen Dimensionen, leidet natürlich auch die Eingängigkeit der Lieder. Geradlinig auffe Schnauze, das gibt es eigentlich kaum auf „The Sea Grave„. Auch die Riffs und Leads sind nicht mehr ganz so griffig, wie es die Hits „Riding A Pale Horse“ oder „The Burning Grave“ seinerzeit waren. Vielmehr ist die düstere Seite der Band weiter in den Vordergrund gerückt, und entfaltet sich häufiger im schleppenden Downtempo. Besonders „The Visitations Of The Great Old Ones„, zu dem es auch ein Youtube-Video gibt, profitiert von diesen schweren und finsteren Elementen. Aber auch das monoton mürbende „Of He Who Sleeps“ ist mit diesem unheilvollen Vibe überragend.

Besonders hervorstechend ist in dieser Konstellation „Blood Of Vengeance„, das direkt zum Beginn mit einem unverbrauchten Drum-Beat überrascht. Auch die Twin-Guitars und der dämonische Doppelgesang manövrieren den Track zum Highlight des Albums! Spätestens, wenn der Song nach dem schleppenden Anfang auf einmal so richtig losrollt. Brutal as fuck!

Da finde ich es beinahe schade, dass es einige Momente auf „The Sea Grave“ gibt, die noch auf Nummer Sicher gehen. Beispielsweise der recht belanglose Beginn von „And The Gods Grant Thee Death„, das glücklicherweise im Verlauf etwas besser wird, aber eher das Schlusslicht der Scheibe darstellt. Besonders das rockige Solo passt in seinem Kontrast gar nicht in die Songstruktur. Solche Momente der Gesichtslosigkeit sind aber glücklicherweise Selten bei GRAVEYARD und sollen kein schlechtes Licht auf das Gesamtbild des Albums werfen. Denn prinzipiell überwiegt die positive Weiterentwicklung der Band.

Aufgenommen wurde „The Sea Grave“ wieder mal im hauseigenen Studio von Gitarrist Javi, der diesmal auch komplett für die Produktion verantwortlich war. Das räudige Ergebnis gefällt mir sehr gut, vor allem das Schlagzeug ist sehr direkt und hat einen coolen Beckensound. Alles so schön voluminös und nachklingend, herrlich.

Passend zur schweren Beeinflussung der Musik durch Lovecraft, hat Matt „Putrid“ Carr auch ein schönes schwarz/weißes Cthulhu-Artwork gezaubert, das in seinem Detailreichtum vielleicht etwas chaotisch wirken kann.Und wenn wir ehrlich sind, hätte sich bei dem Albumtitel auch ein Bild vom Dan Seagrave angeboten, oder? Haha (*SCNR*)! Aber auch so passt das Gesamtbild wunderschön zusammen. Ein „Putrid“ Artwork zum putrid-Sound von GRAVEYARD of doom.

Nur bin ich mir noch unschlüssig, was ich von der inflationären Verwendung der Interludes halten soll. Ein „R’lyeh“ als Intro und eines als Outro, wäre ja okay. Aber ein drittes vor dem letzten Song? Und dann noch „The Deep Slumber“ das zwischen drin als Instrumental eine Zäsur zieht? Wenigstens ist letztgenannte Nummer recht cool…

Infos:
War Anthem Records – 08.03.2013
CD – 12 Lieder / 40:33 Min.

http://graveyardofdoom.bandcamp.com/
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