CHAPEL OF DISEASE UK-Tourtagebuch 2013

 ,

Chapel Of Disease - Logo

Prolog

So, nachdem der gute Mr. Schmitz uns darum gebeten hat, ein paar Zeilen zu unserer kürzlich absolvierten Großbritannien-Tournee zu verfassen, hab ich mich mal darangesetzt und versucht, die Tage aus dem Kopf heraus und mit ein wenig Erinnerungshilfe in Form von Fotos zu rekapitulieren.

Chapel Of Disease - KriegerVielleicht sollte ich zum Einstieg erst einmal kurz schildern was uns, als relativ unbekannte Band (damals noch) in der Demophase, für eine Woche auf die Insel verschlagen hat: Ergeben hat sich das ganze, nachdem wir letztes Jahr, kurz nach Erscheinen unseres Demotapes, auf Facebook auf einmal eine recht große Anzahl „Likes“ aus der Gegend um Newcastle bekommen haben. Nach kurzem Nachhaken kam dann heraus, dass sich da wohl jemand das Demotape hat zukommen lassen und so begeistert von dem Ding gewesen war, daß er es per Tapetrading an seinen ganzen Freundeskreis verteilt hatte. Lange Rede, kurzer Sinn, die Unterhaltung lief dann irgendwann darauf hinaus, dass wir doch mal einen Auftritt in Newcastle spielen sollten, es gäbe da einen interessierten Promoter, Stu von „Bro(UK) Promotions“. Dass daraus letztendlich eine fast einwöchige Tour werden sollte, war dem Umstand geschuldet, dass sich ein einfacher Gig in Newcastle kostenmäßig einfach nicht rentiert hätte. So hat Stu dann noch eine Handvoll Gigs von Bristol im Südwesten bis Glasgow in Schottland auf die Beine gestellt, einen Fahrer inkl. Bus organisiert und uns das Angebot bereitet, noch eine zweite Band mitnehmen zu können. Nach kurzem Brainstorming fiel die Wahl auf die Braunschweiger/Berliner OCCULTA, deren Schlagzeuger mir als flüchtigem Bekannten sehr sympathisch in Erinnerung war und deren unkonventionelle Musik in einem angenehmen Kontrast zu unserer eigenen Mucke stehen würde. Glücklicherweise (dazu später noch mehr) hatten sie auch Bock auf diesen Trip, so dass der gemeinsamen Inselerstürmung (fast) nichts mehr im Wege stand. Hail to England!

28.01.2013, Köln

2013 - Chapel Of Disease - Occulta - NightslugNachdem wir am Vorabend unseren Van beim Vermieter abgeholt hatten, kam nun, am Nachmittag vor unserem Kick-Off-Gig im Blue Shell, das erste mal das Unvermeidbare: Tetris-Action, Equipment und Gepäck verladen. Zu viert in einem Neunsitzer jetzt nicht das große Problem, jedoch ließ es sich schon ahnen, daß die ganze Sache später mit fünf zusätzlichen Personen schon ganz anders aussehen würde. Egal, Zeitraffer jetzt: Alles in die Karre, zum Club, mit dem Aufbau beginnen, währenddessen die OCCULTA-Jungs vom Bahnhof abholen, Soundcheck. Bis kurz vor Einlass war dann auch noch Möglichkeit für alle Tourteilnehmer sich ausgiebig zu beschnuppern, was dann auch zur allseitigen Zufriedenheit abgeschlossen wurde. Jan „Atrappe“, Bassmensch von OCCULTA, durfte sich auch gleich die Nominierung zum Tagesvollsten abholen, trug aber dafür auch gleich von Beginn an zur massiven Auflockerung der Stimmung bei. Die dritten im Bunde, NIGHTSLUG, die an diesem Tag den Opener geben sollten, trudelten dann irgendwann auch mit leichter Verspätung ein.

91 Besucher hatten sich im Vorfeld per Facebook angekündigt. Sicher kein Medium, an dem man sich orientieren sollte, aber eingefunden hatten sich dann doch knapp über (wenn ich mich richtig erinnere) 80 zahlende Gäste, die für Bands unserer Größenordnung und an einem Montagabend schon eine anständige Bilanz sind und das kleine Blue Shell angenehm füllten.

NIGHTSLUG mussten nach ihrem Linecheck dann auch erstmal die Lautstärke mächtig drosseln, um den Club nicht in seinen Grundfesten bzw die Oma, die obendrüber wohnt, in ihrem Fernsehsessel zu erschüttern. Macht aber nichts, die Jungs dröhnten immer noch ordentlich und kamen mit ihrem mächtig dreckigen Sludge recht gut beim Publikum an.

Chapel Of Disease - Occulta MercuryOCCULTA hab ich an diesem Tag leider nur am Rande wahrgenommen, weil meine Aufregung vor dem eigenen Auftritt während desssen in die heiße Phase trat und ich dementsprechend zwischen Kippe vor dem Club und Warmspielen im Backstage hin und her pendelte. So wie ich es mitbekommen habe, kamen die Jungs aber auch recht gut an, wobei Sänger Jans etwas extravagante Performance durchaus auch einige zwiespältige Reaktionen hervorrief. Den Kommentar, er wirke etwas wie Freddy Mercury, sollten wir in dieser Woche noch desöfteren aufschnappen.

Unser eigener Auftritt war dann auch recht solide. Die Nervosität verschwand während des ersten Songs, das Publikum nicht, alles gut soweit. Insgesamt war der Auftritt ok, die Leute gingen gut mit, wir selbst waren allerdings noch etwas hüftsteif, hab ich im Nachhinein, verglichen mit einigen Gigs die noch folgen sollten, das Gefühl. Dass unserem Drummer David kurz vor Schluss das Bassdrumfell riss hat auch nicht gerade zur Auflockerung beigetragen, wurde aber mit Panzertape schnell und souverän gelöst. Insgesamt ein guter Auftakt, aber definitiv ausbaufähig.

Nach dem Gig wurde es dann nochmal richtig interessant: Würden wir die deutlich erhöhte Anzahl von sowohl Mensch als auch Gerät noch adäquat im Van unterbringen können? Glücksfall 1: Dank des Koordinationsgeschickes von OCCULTA-Drummer Torben konnten wir! Ohne ihn hätten wir den Krempel niemals vernünftig unterbekommen und ich hatte in dieser Woche aufgrund meines etwas überdimensionierten Koffers doch schon das ein oder andere mal ein äußerst schlechtes Gewissen beim Einladen. Andererseits, als Tourältester sollte man natürlich immer ein paar Schlüpfer mehr im Gepäck haben. Man weiß ja nie. Nach einer guten halben Stunde hatten wir alles in der Karre und es konnte sich nochmal kurz an die Theke begeben werden um sich von allen noch übriggebliebenen Freunden und Verwandten zu verabschieden bzw um sich den richtigen Pegel anzutrinken, der sich für den Schlaf auf der Fahrt nach England dringendst empfahl. Um ein neues Drumfell einzupacken und nochmal Pipi zu machen wurde noch ein kurzer Zwischenstopp am CHAPEL-Proberaum eingelegt und ungefähr gegen zwei Uhr morgens ging’s dann auf große Fahrt! Hail To England!

2013 - Chapel Of Disease - UK-Tour

29. 01. 2013, Überfahrt & Bristol

In Köln losgefahren, dauerte es keine halbe Stunde, bis die komplette Baggage im Bus eingepennt war. Lediglich Flori, unser Fahrer, hielt tapfer die Stellung und kämpfte sich durch eine ganz schön stürmische Nacht. (O-Ton Atrappe: „Flori, du bist ein Roboter!“) Es war so windig, dass ich jedesmal, wenn ich aufgewacht bin, gedacht habe, uns fegt’s gleich von der Straße. Schließlich sind wir aber doch irgendwann in den frühen Morgenstunden heil in Dünkirchen angekommen, von wo aus wir um halb acht die Fähre nach Dover nehmen sollten. Zeit genug, um im Wartesaal noch etwas zu pennen und die letzte Toilette des Festlandes ausgiebig in Anspruch zu nehmen. Die Überfahrt verlief dann wegen des stürmischen Wetters auch recht holprig, der Kahn schwankte ganz ordentlich, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Dieses mal hat noch niemand gekotzt.

Chapel of Disease - Brittish BreakfastIn Dover angekommen, stand uns zuerst mal der Sinn nach ganz viel Kaffee und etwas zu essen. Flugs wurde ein kleines Frühstücksrestaurant angesteuert, welches „Double Breadkfast“ im Angebot hatte, das dann auch von der kompletten Reisegruppe bestellt wurde. Für mich persönlich war das die erste Begegnung mit britischem Essen überhaupt und es sollte in dieser Form auch die letzte bleiben. Nachdem ich den für normale Menschen ungiftigen Teil dieses kuriosen Konglomerates aus der Hexenküche heruntergewürgt hatte, habe ich mir geschworen, nie wieder britisches Frühstück im speziellen und nie wieder englische Hausmannskost im allgemeinen anzurühren. Den Rest der Woche habe ich mich dann auch in Restaurants an kontinentales Frühstück, Burger (davon verstehen die Briten zumindest etwas) und Pizza gehalten.

Chapel Of Disease - Erster Van-TodNach diesem kulinarischen Desaster sollte auf der Autobahn gleich auch das erste technische folgen. Auf halber Strecke nach Bristol quoll plötzlich eine Dampfwolke aus dem Motorraum unseres Busses, woraufhin wir feststellen mussten, dass diese Wolke wohl unser Kühlwasser war, welches sich damit komplett verabschiedet hatte. Irgendwie haben wir’s aber noch von der Autobahn runter und zur nächsten Tankstelle geschafft, wo die nächsten zwei Stunden erst einmal Experimente mit dem Kühlwasserbehälter sowie Telefonieren mit dem Busvermieter angesagt war. Nach einem kurzen Besuch in einer Werkstatt neben der Tankstelle, haben wir die ganze Sache aber so weit in den Griff bekommen, dass wir weiterfahren konnten. Ursache des Ganzen war eine fehlende Dichtung, welche wir durch eine Serviette ersetzen konnten und mit der wir zumindest jeweils ein paar Stunden fahren konnten, bevor wir neues Kühlwasser nachkippen mussten.

Chapel of Disease - Electric LadytoysIn Bristol angekommen, waren wir noch etwas zu früh am Club, woraufhin wir tatsächlich noch ein bisschen Zeit zum Sightseeing hatten. Zumindest für das, was es in Bristol so an Sights zu sehen gibt. Das waren hauptsächlich Thai-Massage-Salons (mit „Happy End“), Kneipen und Dönerläden. Und das „Electric Ladyland“, einem urigen Musikalienhandel, welcher vollgestopft war mit uralten Gitarren, Bässen und, vor allem, Verstärkern, welche im Inneren ein Labyrinth aus verwinkelten Gängen bildeten, in welchem sich unsere Teubl-Brothers staunend eine kleine Ewigkeit verlaufen haben.

Chapel Of Disease - ChiliZeitraffer: Zurück zum Club, Aufbau, Essen (Chili, genießbar aber nicht gut), warten. Da der Gig relativ spontan angesetzt war, hatten sich im Vorfeld nicht allzuviele Leute über Facebook angekündigt, ich glaube in etwa dreißig. Bei einer Unterhaltung mit den Jungs von SALUTE, die heute den Opener geben sollten, meinten diese, dass man, wenn sich in Bristol Leute über Facebook-Veranstaltungen für ein Metalkonzert anmelden, ungefähr mit einem Drittel davon auch wirklich rechnen könne – optimistisch betrachtet. Und die Burschen sollten recht behalten, ich glaube, am Ende waren es zehn oder zwölf zahlende Gäste, die den Weg ins „The Exchange“ gefunden hatten. Nicht wirklich ein traumhafter Auftakt für eine Tour, wurde der Abend dann eben zur öffentlichen Probe umdeklariert. Und Spaß gemacht hat’s trotzdem.

Chapel Of Disease - Pennen im Wohnzimmer 2Unser Nachtquartier sollten wir bei Rosie, einer Bekannten von Stu, beziehen, die wir aber den ganzen Tag über nicht erreichen konnten. Es wurden schon erste Überlegungen wegen eines Hotelzimmers laut, besonders nach der letzten, doch recht unbequemen Nacht im Van. Aber schließlich tauchte Rosie nach dem Gig doch noch auf und dirigierte die ganze Rasselbande zu ihrer WG, in welcher wir uns gesammelt im Wohnzimmer breitmachen durften – im wahrsten Wortsinn, die Flasche Wodka war, soweit ich mich erinnere, am nächsten Morgen leer. Und ich glaube, ich habe mich noch nie so über ein Nachtlager auf dem Boden gefreut, der knarrende Holzboden unter meiner Isomatte war im Gegensatz zu der letzten Nacht im Van der reinste, kuschelweiche Luxus.
Goodnight England.

30.01.2013, London

Am nächsten Morgen erwachte die ganze Blase erstmal nur schwerfällig aus ihrem Delirium, was mir die Möglichkeit gab, mich ausgiebig der Körperpflege in Form einer Dusche zu widmen. Dass es das letzte mal für einen – zumindest für mich – akzeptablen Zeitraum sein konnte, habe ich nicht ernsthaft zu befürchten gewagt. Durch die hygienischen Zustände, die ich in meiner Naivität dem WG-Leben zugeschrieben habe, darauf zu schließen, dass es Länder gibt, in denen die Ansprüche an Sauberkeit vielleicht doch etwas anders gesteckt werden als hierzulande, soweit habe ich nicht gedacht. Und sollte noch so manche Überraschung erleben.

Chapel Of Disease - London PubNach einem (sehr guten) Frühstück in Bristol ging’s gegen Nachmittag auf die Reise ins nicht allzu weit entfernte London. Zu einem ausgedehnten Sightseeing hat uns dort leider dann doch die Zeit gefehlt, was aber durch eine angenehme Atmosphäre und vor allem jede Menge gute Biersorten im „The Grosvenor“ wieder gutgemacht wurde. Der Laden war ein uriger, alter Pub, ur-britisch und sympathisch runtergerockt, mit einer Mischung aus Konzertsaal und Hinterzimmer, in dem unser Gig stattfinden sollte. Die Facebook-Zusagen sahen dieses mal um einiges besser aus als am Abend zuvor, so war der Laden dann auch tatsächlich angenehm gefüllt und das Publikum ging darüberhinaus auch gut mit. Überhaupt, das Publikum: Wohl das interessanteste und durchmischteste der ganzen Tour, die eine Hälfte bestand aus Metallern, die andere aus Crustpunks. Wie wir im Laufe des Abends erfahren hatten, gibt es in London wohl eine starke Aufteilung der Subkulturen auf die verschiedenen Stadtteile. Und im Süden, wo sich das „Grosvenor“ befindet, befindet sich das Zentrum der Crust-Szene. Macht ja nix, war ein guter Abend, alle Beteiligten waren zufrieden, Hail To…eh, moment, noch nicht ganz fertig.

Übernachten sollten wir diesmal bei Nik, dem Veranstalter. Dadurch, dass der Knabe ganz im Norden Londons lebt, sind wir dann doch noch in den Genuss einer nächtlichen Sightseeing-Tour gekommen – zu elft im Neunsitzer, zehn davon rotzevoll, Mercyful Fate in voller Lautstärke aus dem Autoradio, ging es Richtung Niks Wohnung, vorbei an Big Ben, Westminster Abbey, Buckingham Palace und was es da sonst noch so alles gibt. Für mich einer der geilsten Momente der Tour.

Chapel Of Disease - Pennen im WohnzimmerDie Ernüchterung folgte umgehend: In Niks Bude, ebenfalls eine WG, angekommen war die erste Attraktion das Badezimmer. Wie oben bereits erwähnt, mit Hygiene haben es die Briten ja nicht so, aber… ich ringe gerade ernsthaft mit Worten, wie ich das Gesehene angemessen beschreiben soll. Um mal nicht zu sehr zu übertreiben: Es sah aus, als wäre über der Toilettenschüssel ein verwestes Schwein explodiert. Wie Menschen so leben können, wird mir für immer unbegreiflich bleiben. Im Vergleich zur WG in Bristol sah die restliche Wohnung sogar noch angenehm sauber aus, aber das Badezimmer… nun ja. Wenigstens mussten wir diese Nacht nicht auf dem Boden verbringen, Nik hatte einige Matrazen da und drei nicht näher genannte Protagonisten durften es sich zu dritt in seinem Bett bequem machen, während er mit seiner Freundin auf die Couch ausgewichen ist. Torben und David hatten es dagegen vorgezogen, im Van zu übernachten und ihn damit zu bewachen, da die Gegend wohl nicht die sicherste war und wir keinen Bock drauf hatten, dass uns die Karre ausgeräumt wird.

31.01.2013, Leeds

Ausgeräumt hat uns die Karre niemand, dafür sind wir einem anderen Verbrechersyndikat zum Opfer gefallen: Dem Londoner Ordnungsamt. Ab acht Uhr morgens wurde unser Parkplatz nämlich zum Anwohnerparkplatz, und da in London absolut niemand, der länger als eine Minute falsch parkt ohne Knolle davonkommt, haben wir uns natürlich auch so ein Ding eingefangen. Ich weiß nicht mehr genau, wieviel es war, ich glaube 130 Pfund. Hail to England… Entsprechend gelaunt ging es auf die Fahrt gen Leeds.

Kleine Anekdote am Rande: Wie wir im Laufe des Abends festgestellt hatten, lag Niks Wohnung in der Abbey Road und auf dem Weg zur Autobahn sind wir sowohl am berühmten gleichnamigen Studio vorbei- als auch direkt über den vom gleichnamigen Beatles-Albumcover bekannten Zebrastreifen gefahren. Für mich, als altem Beatlemaniac, nach dem großkulturellen Sightseeing am Abend der zweite Gänsehautmoment in London.

Die Fahrt nach Leeds verlief dann relativ unspektakulär. Längste Strecke der Tour, schlafen, pissen, Kühlwasser nachkippen, weiterschlafen. Dass die Bremsen dann allmählich unter immer lauterem Ächzen auch ihren Geist aufgaben, hat irgendwie niemanden mehr gestört.

Chapel Of Disease - LeedsDer Club war, ähnlich wie in London, ein gemütlicher Pub, nur nicht nicht so ranzig. Dafür mit hübscherem Personal. Vergleichsweise. Einen zahnlosen, londoner Altpunk zu übertreffen, dafür braucht’s allerdings auch nicht viel.

Ebenfalls ähnlich wie in London fand das Konzert in einem kleinen Hinterraum im Obergeschoss des Pubs statt, Fassungsvermögen vielleicht 70-80 Personen, dann wäre es aber auch rappelvoll gewesen. Anwesend waren in etwa 30, 40 Leute, die den Raum gut gefüllt haben.

Spannend wurde es wieder bezüglich der Übernachtungsmöglichkeiten. Dieses mal wurden die Bands mangels Platz auf zwei Wohnungen aufgeteilt, wobei die OCCULTAs mit einem besetzten Haus ohne fließend Wasser vorlieb nehmen mussten. Fahrer Flori und unsere CHAPEL-Baggage sind bei Freunden des Veranstalters untergekommen, ebenfalls eine etwas ranzige Hütte, aber ok. Man war auf Schlimmeres eingestellt, obwohl jeglicher Körperkontakt mit den sanitären Anlagen dann doch vermieden wurde.

Unterhalten wurden wir von unserem Gastgeber durch Cider und diverse Folgen britischer Comedyserien, darunter irgendetwas mit John Cleese und eine Folge von „The Mighty Boosh“. Letzteres betreffend: Solltet Ihr je irgendwann mal die Gelegenheit bekommen, Euch diese Sternstunde des angelsächsischen Komödiantentums ansehen zu können: Verlasst den Raum! Selten etwas unlustigeres gesehen. Nachdem wir nach dieser Farce unsere Gastgeber aus ihrem eigenen Wohnzimmer hinauskomplimentiert hatten, lag eine weitere Nacht auf englischem Boden an. Diesmal auf Fliesen.

01.02.2013, Glasgow

Glasgow versprach ein zwei-, nein, dreifaches Highlight zu werden: Grandiose schottische Landschaften, ein Hotel mit echten Betten und sauberen Duschen und – laut eigentlich so ziemlich jedem, dem wir erzählten wir würden in Glasgow spielen – einem fantastischen Publikum.

Punkt eins und zwei wurden dann auch astrein bedient. Da wir mangels Autobahn teilweise über Land fahren mussten, hingen wir eigentlich bis Glasgow nur an der Scheibe und bewunderten die wirklich atemberaubend schöne Landschaft. Welche sich, je näher wir der Stadt kamen, allerdings nach und nach in industriellem Einerlei auflöste.
Im Hotel angekommen, durften wir dann, nach kurzen Missverständnissen an der Rezeption, auch endlich wieder an den sanitären Errungenschaften der Zivilisation teilnehmen.

Chapel Of Disease - Occulta Mercury In GlasgowPunkt drei in der Highlight-Liste entsprach dann aber leider doch nicht ganz den Erwartungen, dabei waren die Voraussetzungen durchaus gut. Das „Ivory Blacks“ lag direkt am Hauptbahnhof, es war ein Freitag Abend und dadurch, dass DEATHHAMMER noch kurzzeitig mit auf’s Billing gerutscht waren, weil sie aus Verpeiltheit ihren Gig tags zuvor in Edinburgh verpasst hatten, wurde auch davon ausgegangen, dass sie vielleicht noch ein paar Leute von dort ziehen würden. Dem war aber anscheinend nicht so und dass einen Häuserblock weiter ein Konzert einer großen finnischen Humppa-Tralala-„Metal“-Band stattfand, war unserem Besucherschnitt laut Veranstalter wohl auch nicht sonderlich zuträglich, da sich seinen Worten zufolge das Glasgower Publikum, wenn es die Wahl hat, wohl eher auf die großen Konzerte konzentriert. So mussten wir dann mit vielleicht 30,40 Gästen vorlieb nehmen, die sich in dem coolen, aber etwas überdimensionierten Club doch etwas verloren. Aber Scheiß drauf, lieber vor einer Handvoll echten Maniacs spielen, als vor dreihundert satten Arschlöchern, die nur mangels Hochglanz-Alternative gelangweilt vor der Bühne stehen.

Überhaupt, DEATHHAMMER: Die Typen waren der Knaller. Instrumente? Braucht kein Mensch, kann man sich ja bei den anderen Bands leihen. Gepäck? Überflüssig. Eine Lidl-Tüte mit Merch zum verkaufen sowie ein altersschwacher Kassettenrekorder mit einer Handvoll Tapes irgendwelcher obskurer schwedischen Hardrock-Bands müssen reichen. Rabauken.

Dass die Nacht in einem weichen, sauberen Hotelbett die reinste Wonne war, brauch ich wohl hier nicht näher auszuführen.

Hail To Scotland!

02.02.2013, Newcastle

Chapel Of Disease - Newcastle FlyerEndspurt. In Glasgow hatten wir noch ein wenig Zeit um zu Frühstücken und durch die Fußgängerzone zu einem Second-Hand-Plattenladen zu hetzen, in dem sich mit Maiden- und Marillion-Vinyl sowie Thor-Shirts eingedeckt wurde, danach ging’s Richtung Newcastle.

Newcastle war, wie zu Beginn erwähnt, der Dreh- und Angelpunkt unserer kleinen Rundreise. Dementsprechend heiß waren wir auf den Auftritt. Auch wenn wir uns bei Ankunft erst einmal mächtig den Arsch abgefroren haben. Englische Hafenstädte im Winter sind ganz schön frisch.

Die Konzertlocation lag in einer Art Industriepark, und war eine ausgediente und entkernte Lagerhalle, alles andere als charmant, aber zweckdienlich. Da es ein Samstag war und der Abend als ein kleines Festival mit sechs oder sieben Bands aufgezogen wurde, war das Publikum das größte der gesamten Tour. Darüber hinaus hatten OCCULTA und wir mit dem frühen Abend auch noch die angenehmste Spielzeit erwischt, zu der die Leute zwar schon gut einen im Tee hatten, aber noch nicht komplett handlungsunfähig waren. Das sie dazu noch richtig Bock auf Party hatten führte in Verbindung mit einem perfekten Bühnensound dazu, dass wir an diesem Abend unseren geilsten Auftritt überhaupt bisher hinlegten. Dass sich die Leute im Moshpit nicht zu Klump gehauen haben, wundert mich bis heute. Entsprechend gelaunt haben wir dann auch den Rest des Abends bei Guinness aus der Dose und interessanten Unterhaltungen mit den Einheimischen sehr genossen.

Besondere Erwähnung finden sollte an dieser Stelle noch kurz Stu und seine Freundin, in deren Haus wir übernachten durften: Sie hatten das erste wirklich saubere Badezimmer das wir auf dieser Tour gesehen haben.

Hail to…Stu!

03.02.2013, Newcastle, Epilog

Da unsere Fähre zurück aufs Festland erst um 17 Uhr ablegen sollte, hatten wir noch genügend Zeit um in Newcastle frühstücken zu gehen und ein bisschen durch die Stadt zu schlendern. Dass sich die Briten Sonntags vormittags im Pub die Lampen ausschießen ist übrigens kein Klischee, sondern Tatsache, wie wir feststellen durften, als wir in ein Restaurant einkehrten. Der ganze Laden war voll mit Herren im mittleren bis hohen Alter, die sich dort kollektiv ihre Pints ins Gesicht schütteten. Bis zum Einchecken auf der Fähre haben wir die Zeit dann noch etwas genutzt um ein paar Mitbringsel für die Lieben daheim zu kaufen. Eine weitere Klischeebestätigung, die wir in der Fußgängerzone beobachten durften: Briten sind extrem schmerzfrei was ihre Kleiderwahl betrifft. Stilistisch bekanntermaßen sowieso, aber auch im Wortsinn; bei drei Grad plus in T-Shirt und Shorts herumzulaufen ist schon mutig.

Auf der Fähre angekommen, wurde erstmal die Sportsbar geentert, in der an diesem Abend das Spiel Dortmund gegen Leverkusen auf Leinwand gezeigt wurde. Für unseren Drummer David, Leverkusen-Fan, sollte die Partie leider nicht sonderlich befriedigend verlaufen. Salz in die Wunde streuten dann noch ein paar Holländer, die, nachdem sie mitbekommen hatten, dass David pro Leverkusen war, extrem lautstark für Dortmund mitfieberten.

Chapel Of Disease - Essen auf der FähreIm Anschluss ging es dann ins Bordrestaurant. Irgendjemand meinte, das Eat-All-You-Can-Buffet würde nur schlanke vierzehn Euro pro Person kosten. Allerdings sollte sich dieser Irgendjemand mal zeitnah um eine Brille bemühen, denn als wir die Rechnung an den Tisch gebracht bekamen, belief diese sich um gar nicht mal so schlanke vierunddreißig Euro. Pro Person, versteht sich. Ohne Getränke. Den Rest des Abends verbrachten wir bei ein paar Cider und Guinness in einer Art Jazzlounge, bis man sich kurz nach Mitternacht in die Kojen verkroch. Leider war an Schlaf kaum zu denken, da zwei oder drei Kabinen auf unserem Gang an eine Handvoll Holländer vergeben waren, die sich mitten in der Nacht, als sie aus der Schiffsdisco kamen, dazu entschlossen, noch ein bisschen zu randalieren.

Dementsprechend gerädert krochen wir um acht Uhr morgens während des Einlaufens in Amsterdam aus den Betten, nicht ahnend, dass wir es im Vergleich zu Flori doch noch relativ gut gehabt hatten. Er hatte sich am Abend zuvor nämlich ebenfalls dem Alkoholkonsum hingegeben, seiner eigenen Aussage nach zum ersten mal seit drei Jahren. Das ausgerechnet auf einem Schiff auf der stürmischen Nordsee zu tun, war wohl nicht die schlauste Entscheidung, die er in seinem Leben getroffen hat. Der arme Kerl hat die ganze Nacht durchgekotzt und war natürlich nach Ankunft auf dem Festland entsprechend zerstört, so das Torben dann die Heimfahrt nach Köln, die unspektakulär verlief, übernommen hat.

Das Resumee dieser Tour würde ich in den Worten einer alten Bundeswehr-Werbung darstellen: „Es war nicht immer leicht, aber es hat Spaß gemacht.“

Vielen Dank an Christian, der mir die Möglichkeit gegeben hat, diese schöne Woche noch einmal aufzuarbeiten und festzuhalten, besonderen Dank an Stu, der diesen ganzen Trip erst ermöglicht hat und ein ganz dickes „Ich hab Euch lieb“ an die ganzen anderen schönen Männer von OCCULTA und CHAPEL OF DISEASE!

HAIL TO ENGLAND!

https://www.facebook.com/ChapelOfDisease
https://www.facebook.com/occvlta


Text: Krieger (Bass @ Chapel Of Disease)
© Bilder: von der Chapel Of Disease Facebook-Seite geklaut. Alle Bilder von der UK-Tour findet man dort in der Galerie.