Alienante Damnation – Le Chantre Du Charnier

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Alienante Damnation - Le Chantre Du Charnier
Aus Liège, Belgien, melden sich ALIENANTE DAMNATION mit ihrem ersten Lebenszeichen. Oder besser gesagt, seinem ersten Lebenszeichen. Denn hinter den französischsprachigen Band steht einzig und alleine Adrien Weber, der hier unter dem Pseudonym R.O.P.S. agiert.
Bereits zuvor war der Einzelkämpfer in der Szene aktiv. Mal gleichermaßen alleine (Vociferian, Archaic) oder auch mal mit Brüllwürfel an seiner Seite (Widomar). Die jeweiligen Projekte sind mal in Belgien und mal in Frankreich beheimatet. Für den typischen NecroSlaughter.de-Leser sollte aber Adriens entferntere Kollaboration besser bekannt sein. Zusammen mit Artwork-Legende Mark Riddick ist Macabra ein weiteres Zwei-Mann-Projekt, wo Adrien aber ausnahmsweise alle Instrumente seinem amerikanischen Kollegen überlässt, und nur singt.

Von seinem Kumpel Riddick hat R.O.P.S., aka Lord Genocide (Deckname bei Vociderian) ordentlich Hilfe für die visuelle Aufbereit seines Debüts bekommen. Mit opulentem Cover, das eigentlich alle Genre-Trademarks beinhaltet, Gasmasken, Penisse, Ziegenmenschen, Grabsteine, Flügel und Schädel, Schädel, Schädel, und 16 seitigem Booklet, ist das Beiwerk zu „Le Chantre Du Charnier“ amtlich. Detailabbildungen der Front, sowie neue Zeichnungen der verwendeten Themen zieren die 14 Texte, die allesamt auf französisch verfasst wurden. Durch die langen Songtitel, die scheinbar teilweise vollständige Sätze ergeben, werden die Nummern schnell zum Zungenbrecher. Hätte ich doch auf das Latinuum geschissen und eine lebende Sprache gelernt!

Dafür bedarf es eigentlich keinerlei musikalischer Ausbildung, um sich den 37 Minuten des Albums zu ergeben. Denn trotz einiger konfuser Momente, ist „Le Chantre Du Charnier“ mächtig stumpf und eindimensional.

Am Anfang versucht Adrien noch viele Ideen in seinen Liedern unterzubringen, verschiedene Stilistiken zu Mischen. Doch leider wirkt dieser Versuch nur selten stimmig. Zunächst macht der punkige Einschlag in „Charogne Béatifiée“ noch halbwegs Spaß. Spätestens ab „L’Infanterie Nazaréennicide“ verstehe ich aber nicht mehr so ganz, was mir der Autor sagen will.

Nette Harmonien wie in „Stigmates l’Antéchrist“ oder schwedischer Death Metal wie im brauchbaren „Au Sacre de la Trinité du Viol“ tauchen immer wieder auf, aber irgendwie ziehen sich die recht kurzen, meist unter zwei Minuten langen Tracks schon innerhalb der ersten 30 Sekunden.

Le Chantre Du Charnier“ wird eigentlich am interessantesten, wenn R.O.P.S. sich auf seine musikalische Heimat beschränkt und puren Black Metal spielt. Ab „A l’Orée de l’Eviction céleste„, sprich dem neunten der vierzehn Lieder, gewinnt das Album rapide. Vielleicht unterhält dieser Abschluss aber auch nur, weil er im Kontext hervor sticht. Denn im Endeffekt wird hier auch nur mit Wasser gekocht, frostige Atmosphäre, Dark Funeral-mäßige Melodien und krächziger Gesang, wie er eigentlich durchgehend das Stimmbild dominiert.
Nichtsdestotrotz mag ich die letzten fünf Lieder des Albums. Sie klingen zwar nicht originell, aber authentisch.

Größtes Problem für dieses Debüt, sind aber nicht die Defizite im Songwriting. Es ist die grauenvolle Produktion. Leider sind die Meta-Infos im Booklet auf Französisch, sonst würde ich mich persönlich bei Verantwortlichen beschweren. Das Album klingt, als würde man es unter einer Käseglocke abspielen. Die Instrumente sind zu weit weg, der Gesang klingt stumpf. Das Klangspektrum ist flach wie die Niederlande. Und wenn Adrien dann auch mal von seinem Krächzen abweicht, und wie in „Au Sacre de la Trinité du Viol“ grunzt, dann hört es sich an, als ob man die Erdung an seinem Plattenspieler vergessen hätte. Nach Stimme klingt es aber keinesfalls mehr.
Der typische Sound des Drumcomputers e-Drums geht gleichermaßen schnell auf den Senkel. Natürlich sind die Blastbeats monoton und langweilig. Die seltenen Passagen im Midtempo, wo die Doublebass einen Teppich legen soll, klingen eher niederflorig wie eine Badematte. Und spätestens im ruhigeren, geklimperten Intro von „Supréme Râle au Soir de l’Humanite“ ist das dynamiklose Elektrogekloppe gänzlich deplatziert. Wenn man schon keine Lautstärkeunterschiede in das Schlagzeug programmieren kann, sollten akustische Momente an den Gitarren wohl besser ohne perkussive Untermalung bleiben…

Wer dennoch Interesse an frankophonem Black/Death Metal und später melodischem Black Metal hat, sollte sich ranhalten. Denn Ars Funebris Records haben die Zeichen der sinkenden CD-Verkäufe erkannt, und bringen „Le Chantre Du Charnier“ nur in einer Auflage von 500 Einheiten raus.

Infos:
Ars Funebris Records – 2012
CD – 14 Lieder / 37:42 Min.

http://www.vociferian.blogspot.de/
http://www.everyoneweb.fr/arsfunebris/