26.03.13 – Human Waste und Enrage in Aachen

2013-03-26 - Human Waste - Enrage - Aoxomoxoa AachenDienstag, 26.03.2013 im Aoxomoxoa, Aachen
Einlass: 20:00h // Beginn: 20:30h // Ende: 21:45h
Damage: 3,-

mit Human Waste und Enrage

Das Aoxomoxoa ist eigentlich ein guter Musikclub in Aachen, für Leute mit diversem Geschmack. Vom Wave/Gothic/EBM/Industrial/NDH am Montag über Britpop, Rockabilly, Selected Electro, Indie oder erlesenen Hip Hop bekommt man eine breite Palette der leicht alternativen Musikszene geboten. Seit dem Dahinscheiden des Be bops residiert auch der Aachener Metal-Dienstag hier. Und in diesem Rahmen finden gelegentlich auch schon mal kurze Konzerte vor der eigentlichen Party statt.

Doch ich muss zugeben: Für mich persönlich steht das Konzept unter keinem guten Stern. Als Mensch mit festen 9-to-5-Job, ist die dicke Sause unter der Woche kaum möglich. Und alleine von der Größe des Aoxomoxoas, versprechen Konzerte immer eine gewisse klaustrophobische Atmosphäre…

2013-03-26 - Human Waste - Enrage - Aoxomoxoa Aachen - Aufbau
(Bild vom Konzertaufbau von der Human Waste Facebook-Seite geklaut!)

Die beiden Gäste des Abends, HUMAN WASTE und ENRAGE sind lokale Newcomer. Natürlich haben beide all ihre Freunde mitgebracht und das Aoxomoxoa mit über 100 zahlenden Gästen ziemlich an seine Grenzen gebracht. Warum da immer noch ein Kellner mit dem Tablett durch den Moshpit will, verstehe ich beim besten willen nicht. Und ich bezweifele, dass alle Anwesenden, auf Grund der etwas ungünstigen Architektur, die Band überhaupt sehen, oder mit adäquatem Sound hören konnten.

Doch das muss man dem Tonmenschen Tom lassen, unter den Umständen war der Klang an dem Abend sehr fein! Man hat die feinen Details in den Gitarren gehört, der Bass sorgte für die nötige Fülle in den unteren Frequenzen und das Schlagzeug war sehr ausgewogen. Entgegen den üblichen Trends, hat die Bassdrum nicht alles zu einen Klangbrei gedroschen. Auch nicht im den dicken Doublebass-Gewitter. An manchen Stellen mag der Gesang vielleicht ein wenig zu weit im Hintergrund gewesen sein, aber ich mag mich nicht beschweren, nein, nein, nein.

Unter der Woche, mitten im innerstädtischen Wohngebiet, da ist früh Schicht im Schacht. Um spätestens 22h muss der letzte Akkord verklungen sein, entsprechend zeitig war auch Konzertbeginn. HUMAN WASTE war die eigentlich undankbare Position des Openers vergönnt. Mit dem Handicap, dass sich der zweite Gitarrist Nils beim gemeinsamen Norwegen-Urlaub mit Sänger Jan eine Sehnenscheidenentzündung zugezogen hat, und entsprechend den Gig nicht mitspielen konnte, machte die junge Band dennoch das beste aus ihrem allerersten Auftritt. Mit einer sträflich unbeworbenen, digitalen Demo von drei Songs und einigen neuen Liedern, legten die Vier ein amtliches Brett hin. Alleine das tighte Zusammenspiel zwischen Gitarre und Drums sorgte für höchste Achtung. Wer sich nicht für die technischen Finessen von HUMAN WASTE interessierte, wurde durch die brutale Darbietung, besonders von Frontsau Jan, ordentlich weggeballert. Passend zur musikalischen Ausrichtung, gab es abschließend noch das adäquat umgesetzte Cover „Catatonia“ von Suffocation. Einzig in diesem Kontext war der Bass nicht ganz den Anforderungen gewachsen. Das ist aber auch wenig verwunderlich, Josh Barohn oder heute Derek Boyer sind einfach unglaublich gute Musiker.
Mit ihrer enthusiastischen Mischung aus dezenter Melodie, brutalen Ideen älterer und jüngerer Generation und latentem technischen Anspruch, haben HUMAN WASTE definitiv mächtigen Eindruck hinterlassen. Quo vadis Aachen? Wenn die Jungs nun etwas daran ziehen, besteigen sie locker den lokalen Thron und lehren den alten Hasen das Fürchten!
https://www.facebook.com/pages/Human-Waste-suchen-Gigs/216450651770308

Leider stand bereits nach dieser mächtigen Eröffnung für mich fest: Was nun folgt, wird es verdammt schwer haben. Das ist genau so, als ob eine Band nach einem Suffocation oder Skinless-Auftritt auf die Bühne muss, über das Niveau und diese Intensität kommt man nur sehr schwer drüber. Und da hatten ENRAGE wirklich eine verdammt hohe Hürde zu meistern. Natürlich haben sie bei mir direkt schlechte Karten, als Thrash Metal Band. Aber die Mischung war generell ziemlich uninteressant. Das Tempo war im gedrosselten Midtempo und hat einfach nicht gerockt. Die Melodien waren einfach zu plump und lieblich, die Riffs schon mehr als eine Millionen Mal gehört, alleine auf Konzerten in Aachen und von Aachener Bands. Dazu kommt ein Gesang, der irgendwie zwischen den Stühlen steht, nicht weiß, ob er nun erhabene Vokale oder doch lieber raues Bellen präferieren soll. Am Ende war beides eher mau und nicht sonderlich rausragend.
Natürlich halte ich ENRAGE sehr zu Gute, dass sie mit Enthusiasmus und Hingabe an die alte Thrash Metal Schule herangehen und auch Saxon covern – zumindest meine ich sowas in Erinnerung zu haben. Aber am Ende ist es eben nur generischer Thrash Metal ohne sonderlich viel Feuer…
https://www.facebook.com/EnrageOfficial

Viertel vor zehn war das Konzert auch zu Ende. Viele Leute schienen nur für die Bands gekommen zu sein. Darum leerte sich das Aoxomoxoa auch schlagartig, als das Equipment entfernt und einige Besucher gegangen waren. Dennoch waren einige begeisterte Metalheads weiterhin anwesend, um sich von DJ Tharn akkustisch bespaßen und von Thekenmutter Bea mit Bier versorgen zu lassen. Eigentlich ist diese Mischung ein durchaus probates Konzept. Nur leider nagen die Mahlzähne „Dienstag Abend“ und „kleiner Musikclub“ ein wenig daran.

Mal sehen, ob die lokale Szene auch noch so zahlreich erscheint, wenn am 09.04. Merciless Terror (UK) und Neon Grave (Aachen) am Metal Dienstag spielen. Da sind die Aachener bekanntlich etwas eigen: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht… Ich werde auf jeden Fall wieder vorbeischauen – und nehme die kleinen Augen am nächsten Morgen im Büro gerne in kauf. Support your local scene!!!
https://www.facebook.com/MetalinfoAachen