Skum – Prašina

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Skum - Prasina
Wer schon immer mal einen schönen Überblick über die kölner Extrem-Metal-Szene haben wollte, kann sich aktuell schnell ein gutes Bild machen. Das dritte Album von SKUM vereint schlicht alles, was in den letzten zehn Jahren in der Rheinmetropole passiert ist. Doch wenn wir ehrlich sind, ist dies auch ein wenig beschämend. Vor einer Dekade hätte ich sicher noch viel Spaß an dem Abwechslungsreichtum von „Prašina“ gehabt. In der Zwischenzeit hat sich aber einiges getan, und mittlerweile empfinde ich den Stil von SKUM eher als unentschlossen bis langweilig.

Es ist natürlich nicht so, als ob man die Band und die dahinterstehenden Musiker nicht kennt. Durch den kölschen Inzest hat man SKUM in den letzten Jahren sicher tausendmal im Rheinland gesehen. Auf dem Battles In The Norf, auf dem Brainslaughter oder sonst einer Veranstaltung im BüZe Ehrenfeld. Und die Bandmitglieder kennt man aus Guerrilla, Debt Of Nature, Sad, Orkus oder den exzentrischen Ages Gone. Von letzteren haben SKUM aber nur wenig gelernt und zeigen allerhöchstens in „Schlachtpark“ ihre psychopathische Seite. So ein bisschen. Der Rest erinnert eher an Guerrilla und aktuelle Susperia. „Prašina“ ist quasi die geistige Provinz des Metals.

Irgendwo halte ich SKUM zu Gute, dass sie ihre Songs trilingual besingen. Neben engslischsprachigen Texten gibt es auch deutsche und kroatische Lyrics. Die letztgenannten mögen ein wenig Exotenbonus bringen, wenngleich sie nicht sonderlich aus dem Gesamtbild hervorstechen. Die deutschen Texte hingegen, zeichnen zuweilen interessante Parallelen. Besonders mit den Gitarren erinnert „Brandrodung“ sehr an Abrogation. Gleiches gilt für den Uptempo-Thrash aus „Where All Life Ends„.
Weiter kann man im instrumentalen Outro „Pjesma Bes Imena“ ebenso moderne Hypocrisy erkennen, wie „The World Turns Red“ deutliche Einflüsse von Dark Tranquillity hat.

Doch abseits dieser offensichtlichen Bezüge, sind SKUM erstaunlich langweilig zwischen den Stühlen. Ich verstehe solche Ein-Akkord-Stakkato-Riffs wie in „Kolos“ oder diese zuckersüßen Anleihen aus dem Titeltrack einfach nicht. So harmloser Radio-Kram wie in „Nada“ kann nicht mal die Schwiegermutter beeindrucken und „Blood Is On Our Hands“ ist ziemlich cheesy. Aber ich muss zugeben, dass ich sein Eröffnungsriff mag. Würde nur der restliche Song nicht in die Belanglosigkeit driftet…

Für mich ist „Prašina“ eine nostalgische Erinnerung an viele schöne Konzerte in den Bürgerzentren und Jugendheimen Kölns und Umgebung. Zu Zeiten, wo Orkus, Guerrilla und Ages Gone gute Musik machten, wo ich mir unter Alkoholeinfluss Sad oder eben SKUM anschaute und ordentlich Spaß hatte. Darum kann ich auch verstehen, warum Bassist Christian Görke die Scheibe auf seinem eigenen Label Bret Hart Records veröffentlicht. Die aktuelle Relevanz von „Prašina“ ist dennoch eher fragwürdig. Zu keiner Sekunde der gut 50 Minuten Spieldauer, ist das Album wirklich essenziell. Dass sich auf den Konzerten dennoch das ein oder andere Exemplar absetzen lässt, bezweifele ich hingegen zu keiner Sekunde.

Infos:
Bret Hard Records – 2013
12 Lieder / 49:13 Min.

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