Gruesome Stuff Relish – Sempiternal Death Grind

 , , , , ,

Gruesome Stuff Relish - Sempiternal Death Grind
Eigentlich hat es sich der Goregrind ja mit mir verdorben. Die aktuelle Ausrichtung des Genres hat kaum noch was interessantes zu bieten, Harmonizer und übertriebenes Geballer machen aus vielen Bands nur noch Einheitslärm. Selbst bei einstigen Helden wie Haemorrhage scheint ein wenig die Luft raus zu sein. Da kommen ausgerechnet GRUESOME STUFF RELISH, und bieten mit mit „Sempiternal Death Grind“ eine verlockende Versöhnung an.

Es ist ja nicht so, als ob ich die Band vorher nicht kannte. Wenn man sich auch nur marginal mit der Stilistik beschäftigt, läuft man zwangsläufig in einen Release der Spanier. Vielleicht durch ihre eigenen Werke, vielleicht aber auch durch die Splits mit den bekannteren Landsleuten von Haemorrhage oder den verblichenen Gorerotted und Gronibard. Letztere 3-Way-CD war mein erster und letzter Kontakt GRUESOME STUFF RELISH, der mich zwar nicht sonderlich beeindruckte, aber dennoch kurzzeitig unterhalten konnte. Umso überraschter bin ich natürlich nun darüber, dass das dritte Album der Goregrinder mich wieder aufhorchen lässt, mein Interesse am Leichenhallen-Sound weckt.

Was mich im ersten Moment ein wenig störte, ist posthum betrachtet eine Stärke von „Sempiternal Death Grind„: Das Album klingt so staubtrocken, dass ich beim hören zwangsläufig ein paar Bier trinken muss. GRUESOME STUFF RELISH berichten über Zombies, Verwesung und Zerfall wie alte Hasen. Wie der pensionierte Pathologe, der immer noch seine Freizeit in der Leichenhalle verbringt, den jungen Studenten bei seinen Lehrstunden den Magen entleert und dabei süffisant an seinem Minzbonbon lutscht. Mit dieser selbstbewussten Attitüde stecken GRUESOME STUFF RELISH locker solchen handzahmen Käse wie „Hospital Carnage“ in die Tasche und bringen wieder den Spaß in den Goregrind.

Vielleicht liegt das aber auch daran, dass „Sempiternal Death Grind“ nicht monolithisch versucht derbe tiefgestimmten Groove und ultratiefes Geblubber auf die Spitze des Skalpells zu treiben, sondern auch noch einige Einflüsse aus dem (schwedischen) Death Metal mit einbezieht. Die Mischung ist sehr ausgewogen und birgt an einigen Stellen überraschende Wendungen. Ein Attribut, das in letzter Zeit wenigen Grind-Bands zugesprochen werden konnte. Man muss erst mal den Mut haben, eine Bass-Strophe mit Keyboards konsequent durchzuziehen und dennoch nach kurzen Break mit räudigen Blastbeats aus dem Schema wieder auszubrechen. In mehr oder minder ausgeprägter Form, praktizieren GRUESOME STUFF RELISH dies sogar zwei Mal auf dem Album, einmal in „S.O.S.“ und mit leichtem Gitarren-Support in der gleichnamigen Band-Hymne.

Doch es müssen nicht mal diese krassen Extrema sein, die „Sempiternal Death Grind“ aus dem blutig-triefenden Sumpf abheben. Es sind auch schon die kleinen Details, die mein kleines Pathologen-Herz erwärmen. Die Carcass-Gedenk-Soli/Leads/Quietschereien, der räudige Groove, den Haemorrhage auf der „Grume“ mal hatten, oder einfach die fette Griffigkeit, die die mitsingbaren Refrains innehaben. Wer kann bitte bei „Deadlicious Feas„, „End Is Near„, „Became A Zombie“ oder „In Death We Breath“ still sitzen und die Klappe halten? Von so catchy Riffs wie in „Gruesome Stuff Relish“ oder „They Follow Your Scent“ brauche ich gar nicht erst anfangen, da ist bereits der erste Ton die Aufforderung zum Totentanz!

Als Fan von 70er Horror-Filmen, finde ich natürlich auch das Cover und Layout des Booklets ziemlich sexy. Alleine der Mut zum Pink hebt sowohl Band wie auch Album etwas von anderen Gurgelnasen ab. Lediglich Gronibard können hier vielleicht mitstinken, wenngleich auch eher auf der humoristischen Schiene. Bei GRUESOME STUFF RELISH kommt eher die dreckige Horror- und Gore-Stimmung aus der italienischen Filmschule zum tragen. Besonders die einfarbigen, comichaften Illustrationen des Booklets unterstützen diese trashige Attitüte.

Vor 10 Jahren hätte ich ein Album wie „Sempiternal Death Grind“ bis zum Umfallen abgefeiert. Mittlerweile bin ich älter und verbitterter geworden. GRUESOME STUFF RELISH hingegen professioneller und routinierter. Darum liefern sie eine ausgewogene Mischung zwischen agonischen Death Metal und nekrophilien Goregrind, die in seiner trockenen Darstellung immer noch überraschen kann. Damit können sie sogar mein kaltes Herz wieder in die Leichenhalle entführen, wo ich definitiv häufiger „Sempiternal Death Grind“ hören werde. Und in nostalgischer Erinnerung werde ich auch noch mal „Split Your Guts“ rauskramen. „Reek Of Putrefaction“ und „Symphonies Of Sickness“ werden dann zwangsläufig folgen. Aber erst, wenn ich GRUESOME STUFF RELISH noch ein weiteres Mal gehört habe…

Infos:
FDA Rekotz – 2013
CD – 12 Lieder / 37:14 Min.

https://www.facebook.com/gruesomestuffrelish
https://www.facebook.com/FDAREKOTZ
http://www.fda-rekotz.com/gx